Düsseldorfer Punkband

Die Toten Hosen fördern Hip-Hopper

Düsseldorfer Punkband: Die Toten Hosen fördern Hip-Hopper Düsseldorfer Punkband: Die Toten Hosen fördern Hip-Hopper Foto: Heike Beulen/JKP
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Limitiert auf 1.000 Stück: Toten Hosen designten Bomberjacke für Schott NYC Limitiert auf 1.000 Stück Toten Hosen designten Bomberjacke für Schott NYC Zum Artikel » Die Antilopen Gang hat sich für ihren Namen von einem Album der Düsseldorfer Punkband inspirieren lassen. Und das ist nicht die einzige Gemeinsamkeit: Auf dem bandeigenen Label JKP erscheint nun das erste Album des Trios.

Es ist vier Jahre her, dass Patrick Orth ein Video-Clip zugespielt wurde. Er sagt: Was er da hörte, konnte er kaum glauben. Da beschrieb eine deutsche Hip-Hop-Band, welchen Einfluss die Punk-Platte "Opel-Gang" auf ihre Musik hatte. Es war eine kenntnisreiche und wortgewaltige Hommage, die er von Musikern aus dem Umfeld nicht erwartet hatte, zumal auf eine fast 30 Jahre alte Platte. Eine Zeile lautete: "Ich kann alle Texte mitsingen/und besitze alle Alben/Meine Hip-Hop-Freunde wissen nicht/was sollen sie davon halten". Der Geschäftsführer von JKP, der Plattenfirma der Toten Hosen, war alarmiert. Er behielt das rappende Kollektiv, das sich "Antilopen Gang" nannte, auf dem Zettel.

Toten Hosen (image/jpeg)

Um geschäftlich zusammenzukommen, brauchte es jedoch den Faktor Zufall. Als er einmal etwas länger in seinem Büro saß, hörte Orth ein Interview beim Berliner Sender "Radio Fritz". Ihm gefiel sofort der anarchische Humor der drei Studiogäste, und es stellte sich heraus, dass es die Jungs von der Antilopen Gang waren. Einen Tag später rief er bei ihnen an und fragte, ob sie eigentlich schon wüssten, wo sie ihr Debütalbum herausbringen. Er rannte offene Türen ein. Das Ergebnis: Am Freitag, 7. November, veröffentlicht JKP das Album "Aversion". Und es scheint, als könnte es ein großer Erfolg werden.

Patrick Orth sitzt hinter seinem Schreibtisch in Flingern, auf dem Tisch stapeln sich Musikmagazine, CDs und DVDs. Sie residieren jetzt wieder in einer alten Fabrikhalle zwischen Stahlwerk und Flinger Broich, sind zurück aus dem schicken Medienhafen. Eigentlich war das bandeigene Label 1995 gegründet worden, um die Musik der Hosen zu veröffentlichen, um unabhängig zu sein von der Plattenindustrie. Im Laufe der Jahre haben sie aber auch andere Künstler unter Vertrag genommen: Funny van Dannen, den Berliner Liedermacher, der auch schon Texte zusammen mit Campino geschrieben hat. Oder die Broilers, die auch aus Düsseldorf kommen und die ähnlichen Punk-Wurzeln haben. Und jetzt eben "die Antilopen".

toten hosen campino (image/jpeg)

"Sie sind uns zugelaufen", sagt Orth. Er meint damit, dass JKP nie aktiv nach Künstlern gesucht hat. Sie haben mit dem Tagesgeschäft, das ihnen die Hosen bescheren, genug zu tun. Wenn sie aber das Gefühl verspüren, dass es inhaltlich und menschlich passt, lassen sie ihre Kontakte spielen. Bei den Broilers, die inzwischen die Mitsubishi Electric Halle und den ISS Dome spielend ausverkaufen, lief es damals ähnlich. Sänger Sammy war ursprünglich als T-Shirt-Designer für die Hosen tätig. Erst dadurch bekam Geschäftsführer Orth mit, dass dieser in einer Band spielte, die bundesweit auch schon ein paar Fans hatte, und besuchte ein Konzert. Was danach passierte, ist jüngere deutsche Musikgeschichte.

campino, toten hosen (image/jpeg) Die neuen Schutzbefohlenen heißen Panik Panzer, Koljah und Danger Dan. Zwei von ihnen sind in Düsseldorf aufgewachsen. Inzwischen pendeln sie zwischen Düsseldorf, Köln und Berlin. In der Underground-Hip-Hop-Szene, in der ihre Stücke abgefeiert werden, gelten sie als Paradiesvögel. Gangsterrap sollen andere machen. Sie kreieren lieber intelligente Texte, über die man erstaunlich viel lachen kann. Gleichzeitig transportieren sie einen rebellischen Geist und eine Haltung, die vielleicht dem Punk am nächsten kommt. Orth sagt über die Antilopen Gang: "Sie erinnern mich an die Hosen vor 30 Jahren." Ganz besonders, als die Crew neulich in einer kleinen Galerie in Pempelfort auftrat, mit einem Unterschied: "Als ich die Hosen in den achtziger Jahren in Frankfurt gesehen habe, waren da vielleicht 30 Leute. Bei der Antilopen Gang war jetzt schon etwas mehr los." Zudem sei die Gang, deren Mitglieder alle Mitte 20 sind, musikalisch schon viel weiter.

Bei JKP bereiten sie sich darauf vor, in ein neues Universum einzutauchen. War die Schnittmenge zwischen Hosen und Broilers einigermaßen kongruent, sieht das bei der Antilopen Gang anders aus. Ob sie am Ende 3000 oder 10 000 Tonträger verkaufen werden, vermag Patrick Orth nicht zu sagen. Es kann ihn aber nicht schocken. "Die ersten Jahre bei den Hosen", sagt er, "waren auch ein Zuschussgeschäft."

Quelle: RP