Livestreams, neues Album und Lieblingsorte

Interview mit Düsseldorfer Band „Stunde Zehn“

Livestreams, neues Album und Lieblingsorte: Interview mit Düsseldorfer Band „Stunde Zehn“ Livestreams, neues Album und Lieblingsorte: Interview mit Düsseldorfer Band „Stunde Zehn“ Foto: PR

Hinter der Düsseldorfer Band stecken David Ropertz und Philipp Jeschke, die schon seit über 12 Jahren zusammen auftreten. Erst mit englischen Songs, sind sie seit 2017 als „Stunde Zehn“ in Wohnzimmern, Bars, Cafés oder auf größeren Bühnen wie etwa dem NRW-Tag unterwegs. In diesen Zeiten hat sich natürlich auch für die Band Einiges geändert, wie sie unserer Autorin Christin im Interview verraten. Vorab schon mal ein Livestream-Tipp: Am 17. Mai könnt ihr um die beiden bei ihrem dritten Hutkonzert erleben!

Wie würdet ihr die Musik von Stunde Zehn beschreiben?

Stunde Zehn: Wir nennen unsere Musik "Indie-Songwriter-Pop" und beschreiben sie als 'nah und lebendig'. Unsere Musik ist akustisch, melodiös, aber auch groovig. In unseren Texten denken wir viel über uns selbst und das Miteinander zwischen Menschen nach. Dadurch fühlt sich unsere Musik für uns immer sehr persönlich an – und wir haben auch schon oft nach Konzerten spannende Gespräche mit unseren Zuhörern/innen darüber gehabt, was sie zu den Fragen denken, mit denen wir uns beschäftigen.

Und was inspiriert euch?

Zum einen ist für uns Musik etwas sehr Unmittelbares. Manchmal fühlt es sich an, als würde sie einfach ohne viel Nachdenken aus uns herauskommen – obwohl im eigentlichen Songwriting-Prozess dann natürlich doch einiges Nachdenken steckt. Zum anderen haben wir natürlich auch Vorbilder – z. B. Musiker wie John Mayer, Ed Sheeran, Charlie Winston oder aus dem deutschsprachigen Bereich Herbert Grönemeyer oder Andreas Bourani etc.

Textlich lassen wir uns vor allem durch persönlich erlebte Geschichten oder Situationen inspirieren und durch das (oft auch philosophische) Nachdenken, das danach entsteht. Im engen Sinne politische Themen waren eher selten bei uns, doch aus aktuellen Anlässen kommt auch dieser Bereich mittlerweile häufiger vor als noch vor zwei oder drei Jahren. So haben wir z. B. einen Song zum Klimawandel geschrieben, da uns dieses Thema genauso wie der Einsatz gegen Rassismus am Herzen liegt.

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Wie habt ihr euch gefunden und wer ist noch Teil der Band?

Wir kennen uns schon seit Schülerbandzeiten, also schon seit über 15 Jahren. Später fingen wir an, gemeinsam zu zweit zu musizieren, zunächst mit Cover-Songs, dann mit eigener Musik. 2017 beschlossen wir dann, die Band zu unserem – auch beruflichen – Hauptprojekt zu machen.

Wir änderten den Bandnamen und texten seit damals auf Deutsch (vorher meist auf Englisch). Und so sind wir der Kern von Stunde Zehn. Wir schreiben die Songs, machen die Organisation, das Booking, die Kommunikation mit Fans und Veranstalter/innen usw. und treten auch viel als Duo auf.

Im Laufe der Zeit sind aber weitere, ganz wunderbare Musiker dazugekommen: Dominik Baumann am Schlagzeug, Paul Wunder am Bass und Fabian Haupt am Keyboard sorgen in der vollen Bandbesetzung für reichlich zusätzlichen Variantenreichtum, Energie und Groove.

Und wie seid ihr auf den Namen gekommen?

Als wir 2017 einen neuen Bandnamen suchten, wollten wir uns zunächst "Stunde Null" nennen - wegen dem Neuanfang. Dann aber wurde uns bewusst, dass dieser Begriff geschichtlich in einer Weise besetzt ist, der in keiner Weise zu uns passt. Außerdem trägt auch eine Band diesen Namen, die mit Bands wie Freiwild zusammenarbeitet, die schon seit Jahren in der Kritik aufgrund rechtspopulistischer und rechter Inhalte steht. In diese Richtung wollten wir selbstverständlich auf gar keinen Fall. Es wurde weiter und weiter überlegt.

Eines Tages hatten wir schon wieder lange telefoniert und über neue Namensvorschläge diskutiert, als einer von uns etwas resigniert auf die Uhr schaute - und es war genau 10 Uhr. Allerdings sind wir uns nicht mehr einig, ob morgens oder abends (lachen). Jedenfalls war von da an der Name "Stunde Zehn" geboren.

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Was steckt hinter der aktuellen Single "Für mich"?

Unser gesellschaftliches und privates Miteinander gründet sich in vielerlei Hinsicht auf Konkurrenz: Wer ist reicher? Wer schöner? Wer dünner? Wer leistet am meisten? Unter diesem permanenten Druck, sich selbst zu behaupten, und nicht zu verlieren mag es manchmal nicht leicht fallen, den Blick nicht auf die eigenen Defizite zu richten, sondern wertschätzend und achtsam auf die eigene Person zu schauen. Unser Song "Für mich" nimmt mit auf genau eine solche wohlwollende Reise zu sich selbst.

Was sind eure Lieblingslied (von euch und von anderen Künstlern)?

Einzelne Lieblingslieder haben wir eigentlich eher selten. Bei Stücken von uns selbst hängt es sehr von unserer Stimmung ab und vielleicht auch davon, wie oft wir manche Songs schon gespielt haben.

Unsere neue Single "Für mich" spielen wir z. B. sehr gerne, weil sie eine sehr warme, selbstwertschätzende Ausstrahlung hat, die einfach auch selbst gut tut. Von anderen Künstler/innen gefällt ums vom Style her z. B. die aktuelle Single "Underdog" von Alicia Keys sehr gut - akustischer Sound, aber trotzdem energie- und druckvoll gemacht und radiofähig.

"Halt mich" von Herbert Grönemeyer mögen wir sehr, weil es ein sehr authentisch wirkender Liebes-Song mit tiefsinnigem Text ist - deshalb covern wir dieses Stück auch.

"Stolz" von den Wise Guys und Brings - ebenfalls in unserem Cover-Repertoire - hören und spielen wir sehr gerne wegen seiner politischen Botschaft, die mit recht einfachen Worten, aber seht reffend beschrieben wird - es geht um die Unsinnigkeit von Nationalstolz.

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Und was kommt dieses Jahr auf die Fans von Stunde Zehn noch zu?

Aufgrund der aktuellen Situation sind wir, was Konzerte und Festivals angeht, natürlich etwas eingeschränkt. Wir haben dafür aber eine Livestream-Konzertreihe eröffnet und sind nun alle vier Wochen auf Youtube und Facebook zu sehen - das nächste Mal am 17. Mai ab 19 Uhr.

Sobald Konzerte in öffentlichen Location wieder möglich sind, möchten wir aber gerne auch wieder dort auf die Bühne gehen - natürlich unter den nötigen Sicherheitsvorkehrungen. Außerdem planen wir Veröffentlichungen von Ausschnitten aus unseren neuen Songs - die zum Teil gerade noch geschrieben werden und daher noch völlig unbekannt sind (lachen).

Das wird aber nur ein Vorgeschmack auf unser erstes Album sein, das wir im Laufe des Jahres produzieren. Da werden wir viel Arbeit reinstecken und mit unserer ganzen Band ins Studio gehen. Erscheinen wird es dann wahrscheinlich Anfang kommenden Jahres. Von den Produktionsarbeiten gibt's dann natürlich auch immer die aktuellsten News auf unseren Social Media-Kanälen.

Stichwort „Corona“. Wie geht ihr mit der Situation um?

Darüber, wie wir mit der ganzen Corona-Situation umgehen sollen, haben wir viel gesprochen. Unsere Gefühle schwankten ein wenig zwischen "Ernst nehmen", "besorgt sein" und auf der anderen Seite verwirrt sein - welche Zahlen stimmen tatsächlich? Welche Maßnahmen werden wann warum getroffen? Und und und…

Letztlich sind wir aber davon überzeugt, dass wir alles Nötige dafür tun müssen, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und möchten daher an alle appellieren, die von der Regierung getroffenen Maßnahmen unbedingt umzusetzen.

Wir haben gehört, dass einige Menschen immer noch Eisdielen übervölkern oder gar Corona-Partys feiern. Dafür haben wir absolut kein Verständnis, denn vor allem Letzteres drückt eine zynische Haltung gegenüber den Menschen aus, die an der Krankheit sterben werden oder schon gestorben sind.

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Für uns selbst bedeuten die Beschlüsse aber natürlich auch große Schwierigkeiten. David wurde eine ganze Tour abgesagt und uns beiden gemeinsam als „Stunde Zehn“ wurden bis auf Weiteres die Konzerte abgesagt und jegliche Planungen wurden verschoben.

Im Klartext: Mit Ausnahme des Unterrichts, den wir beide geben (jetzt online), verdienen wir kein Geld mehr. Das ist ein ganz greifbares Problem für alle Freiberufler/innen, das von der Regierung ja leider nur recht zögerlich angegangen wird – im Gegensatz zu den großzügigen Sofortmaßnahmen für große Wirtschaftsunternehmen.

Aber wir versuchen, das Beste daraus zu machen. Wir haben bereits zwei Livestream-Hutkonzert auf unseren Social Media-Plattformen veranstaltet und am Sonntag folgt schon das Nächste. Wir freuen uns über jeden, der zuhört!

Außerdem treiben wir unsere Planungen für unser Album voran. Da lässt sich Einiges auch von Zuhause aus erarbeiten. Insgesamt heißt es wohl: Durchhalten, die Maßnahmen einhalten und die Vorzüge unserer Zeit, die digitalen Medien, nutzen, um Kontakte zu pflegen und sich die Zeit zu vertreiben.

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Wie sind eure Livestream-Konzerte denn bis jetzt gelaufen?

Wir haben am 22. März und am 19. April bereits zwei Livestream-Hutkonzerte veranstaltet. Dafür haben wir in unserem Studio eine Menge Technik (darunter drei Kameras, entsprechende Beleuchtung etc.) aufgebaut und wurden von einem Kollegen unterstützt, der die Tonmischung und den Bildschnitt übernommen hat. Um 19 Uhr sind wir jeweils über Youtube und Facebook live gegangen.

Wir waren vorher ziemlich nervös, denn die Situation war ja doch ziemlich anders als bei einem Konzert, bei dem wir mit dem Publikum im selben Raum sind. Zum Beispiel entstehen ja viel mehr Pausen. Was macht man beispielsweise in so einer Pause am Ende eines Songs - denn man hört ja keinen Applaus? Aber letztlich hat alles ziemlich reibungslos geklappt. Dabei geht vor allem ein sehr, sehr großes Dankeschön an unsere Zuschauer/innen. In den Live-Chats war die Stimmung super. Die Leute haben mitgesungen, Applaus-Emogis geschickt und Kuscheltiere geworfen ... Während des Konzertes sind wir immer wieder darauf eingegangen, wodurch sich die Situation für uns - und wir glauben, auch für das Publikum - gar nicht so sehr von einem echten Live-Konzert unterschieden hat.

Außerdem haben viele Zuschauer/innen wirklich viel in unseren virtuellen Hut geworfen - das war über unser Paypal-Konto und über unser Stunde Zehn-Bankkonto möglich. Auch dafür möchten wir uns wirklich sehr bei allen bedanken.

Zum Schluss noch zwei Fragen zu Düsseldorf. Was verbindet ihr mit der Stadt? Und was sind eure Lieblingsorte?

Wir lieben Düsseldorf, weil es das richtige Maß Großstadt-Feeling hat, die Stadt sicher aber trotzdem nicht zu viel verläuft und alles schnell, oft fuß- oder fahrradläufig erreichbar ist.

Wir lieben die Rheinuferpromenade, gehen gerne zum Italiener "Menta", trinken gerne Kaffee im "Einfach Damos" oder bei "Dritan Alsela".

Nächster Livestream der Stunde Zehn am 17. Mai um 19 Uhr auf YouTube und Facebook.