Warum die 90er so "mega" waren

Zaubertrolle auf die Ohren

Warum die 90er so "mega" waren: Zaubertrolle auf die Ohren Warum die 90er so "mega" waren: Zaubertrolle auf die Ohren Foto: Montage

Die Spice Girls trällern "Wannabe", Batman hatte harte Nippel, Diddl-Mäuse und Tamagotchis beherrschten die Schulen und Daunenjacken in grellen Farben die Straßen: Wir treten in die Fußspuren der 90er Jahre und zeigen, wie uns die schrille Zeit bis heute - allen voran musikalisch - verfolgt.

90er Jahre Partys stehen hoch im Kurs: Während sich die 80er Jahre langsam aber sicher etwas zurückhalten, entfaltet sich die Zeit rund um Plastik-Techno und trashige Klamotten-Styls (Leggins! Daunen! Casio-Uhren!) wieder in den Clubs und der Öffentlichkeit.

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Dies ist eigentlich kein Wunder: Die Songs und das Gefühl unserer Jugend (je nachdem, wie alt ihr gerade seid ;-)) passt zeitlich perfekt zur aktuellen Party-Szene. Die heute 25- bis 35-jährigen Clubgänger sind in eben dieser Zeit groß geworden, der sentimentale Retro-Flash also gut verständlich. Verblüffender hingegen ist, wie auch die Nachwuchs-Party-Generation die Kultur der 90s zelebriert.

What is Love: 10 Klassiker zum warm werden

Damit wir hier gleich mal alle auf "ein Level" kommen, habe ich etwas im Keller von YouTube gegraben und 10 Songs ausgebuddelt, die ich praktisch sofort mit den 90ern in Einklang bringe. Erstaunlicherweise spielte mir mein Gedächnis dabei öfters Streiche: "DAS war in den 90ern?"

Unvergessen beispielsweise Mr. President mit ihrem "One Hit Wonder" Coco Jamboo, der im Sommer 1996 rauf und runter lief.

Wenn ein Lied den schrillen Kirmes-Techno der 90er hervorragend zusammenfasst, dann wohl "Cotton Eye Joe" von Rednex. Noch so ein "One Hit Wonder" und ein Video, dass sich auf ewig in mein zerebrales Zentrum festgebrannt und dabei einige Gehirnzellen für immer gelöscht hat.

Tatsächlich war ich als kleiner Pimpf ziemlich verknallt in das Weib, dass den Bullen reitet. Das habe ich jetzt aber nur laut gedacht, nicht aufgeschrieben. Oder?

Justin! JC! Chris! Joey! Lance! Von der ehemaligen NSYNC-Truppe hat es immerhin Justin Timberlake zu etwas gebracht, während der Rest der Schmacht-Boys irgendwo zwischen Hollywood-Sumpf, Trash-TV und Musik-Show auf der Strecke geblieben sind.

"I Want You Back" bleibt trotzdem unvergessene Lechz-Substanz für Mädels mit Zahnspange, Baby-G, grell bunten Plateau-Schuhen und eng anliegenden Leggins.

Das ein Typ mit dem Namen Nestor Alexander Haddaway ein wenig verrückt sein muss, daran besteht wohl kein Zweifel. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich das Video hinter dem 93er Eurodance-Hit "What Is Love" nie kapiert habe: Die Mischung aus schrecklichen Zirkusklamotten, einem Latex-Vamp im Dauermasturbationsmodus und spastischen Anfällen, die auf der Tanzfläche eher für einen Anruf beim Notarzt gesorgt hätten ("Was ist denn mit DEM los?"), bleibt bis heute ein Denkmal dieser ganz besonderen Zeit.

Ach die Natalie, deren Nachnamen ich bis heute nicht ausschreiben kann, ohne zehnmal auf Wiki nachzublättern. Imbrublabla. Imbrugljo. Imbruglia. Whatever. Ein wenig verschossen waren wir wohl alle in sie. Und "Torn" kann man sogar heute noch hören, ohne Ohrenherpes zu bekommen. Volle Kanne geil!

Obwohl sich bei mir selbst über 20 Jahre nach der Veröffentlichung von "Wannabe" noch immer alle Nackenhaare emporstellen, wenn ich an die Spice Girls und ihren Einfluss auf junge Mädchen denke, gehört dieses Video hier wohl wie kein zweites in jede Musikvideo-Auflistung der 90er hinein. 

Ironischerweise stand ich im Gegensatz zum Großteil der pubertierenden Kollegen nie auf die rothaarige Geri Halliwell ("Ginger Spice"), oder Blöndchen Emma Bunton ("Baby Spice"), sondern hatte 'nen minimal schrägen Hang zu Mel C., alias "Sporty Spice". Muss an den Hormonen und einer Überdosis Super Nintendo gelegen haben.

Endlich mal was rockiges: The Offspring und "Self Esteem" gehören in die 90s wie zerrisene Jeans und von Nebelmaschinen und epileptischen Blitzlicht-Einfällen beherrschte Musikvideos. Dabei begleiteten sie die Zeit des "Grunge", die von legendären Bands wie Nirvana, Pearl Jam, Soundgarden, Alice in Chains und den Stone Temple Pilots getragen wurde. Eine Wahnsinnszeit um groß zu werden.

Mit "Pump Up the Jam" starteten wir 1990 in das Jahrzehnt des Technos. Schon Will Smith zitierte als "Fresh Prince of Bel Air" den Song in einer Folge der bekannten TV-Serie, 2008 gab's das große Comeback in Adam Sandler's Kult-Komödie "You Don't Mess with the Zohan".

Mariah Carey hat in der letzten Dekade allen voran mit Negativ-Schlagzeilen und leicht skurrilen Auftritten das Interesse der Öffentlichkeit geweckt. Damals in den 90ern sah das alles noch ganz anders aus: Mit Songs wie "Hero" ließ Mariah tausende Herzen bluten, während "All I Want For Christmas" immer wieder gerne pünktlich zum Fest aus der Mottenkiste gekramt wird.

Lust but not least: Kommt und springt mit mir! Jump! Jump! Jump!

Kentucky schreit ficken

Spätestens jetzt dürfte jeder von euch die 90er zurück in die Erinnerung gerufen haben: Zwischen Loveparade, Techno-Kultur und düsteren Kaschemmen, in denen Typen mit langen Haaren und zerfetzten Jeans Headbanging zu Metallica zelebrierten, gehörte "Musik" auch modisch zum persönlichen Aushängeschild. Die Punks und Metall-Typen auf der einen Seite, die Techno-Fans mit knall-orangenen Sicherheitswesten, Kuhfell-Hosen, pinken Fellstulpen und bunten G-Shocks auf der anderen Seite, wurden die musikalischen Gelüste gerne öffentlich nach außen getragen. 

Wer sich noch immer nicht erinnern kann: Die 90er waren die Zeit, in der viele von uns nicht ins Internet durften, weil Mama einen wichtigen Anruf erwartete. Die Zeit, in der das Tamagotchi überall ausverkauft war, in der Handys noch so groß und klobig wie Ziegelsteine waren und ein Telefonat auf's Festnetz gerne mal das komplette Pre-Paid-Guthaben aufgefressen hat. 

Wir spielten am Super Nintendo und freuten uns über die ersten 3D-Spiele der PlayStation, die 1995 den Grundstein für eine neue Generation Videospieler legten. Auf den dicken Röhrenfernsehern liefen die "Samstag Nacht Show", "Eine schrecklich nette Familie", "Friends", "Simpsons", "Seinfeld", "Der Prinz von Bel Air", Akte X und natürlich Beverly Hill 90210. "Wetten dass?" war noch angesagt und Stefan Raab als kleiner TV-Wicht bei VIVA aktiv. Apropos VIVA: Hier gab es damals noch Musik-Videos zu sehen!

Wer sich mit Freunden verabredete, musste meist schlicht hoffen, dass diese auch tatsächlich auftauchen. Wer den Weg zum Urlaubsdomizil finden wollte, benötigte eine Landkarte. Man benötigte für beinahe alles Batterien, die ständig leer waren: Discman, Gameboy, Wecker, Fotoapparat.

Bei aller Liebe: Wir müssen fürwahr nicht alle Sachen vermissen.

Alles nur geklaut

Die großen Fußspuren der 90er Jahre (stilecht von Plateau-Latschen getreten) führen nicht nur in der Zeit zurück, sondern auch hin in unsere Zeit: Viele Trends von damals beeinflussen uns nachhaltig.

Womit der Bogen zurück zur Musik geht: Abseits der Massen hat sich das Synthwaving der 80er und 90er, dieses verträumte Klingen aus der Ferne, mittlerweile fest im Nu Electropop, Nu Disco, Retrowave und Synthwave verankert. Spätestens seit dem grandiosen Film "Drive" (mit Ryan Gosling) aus dem Jahr 2011 sind Klänge wie aus dem Terminator gekoppelt mit Kraftwerk's "Wir sind die Roboter" wieder en vogue, oder wie man damals zu sagen pflegte: Mega! Und definitiv volle Kanne auf's Ohr.

Seitdem entdecken auch weitere musikalische Genres die Synthie-Klänge für sich: Der deutsche Rapper "Sudden" beispielsweise bringt auf seiner neuen Scheibe im Song "Super Sudden" die schrillen Bit-Beats aus alten Nintendo-Spielen auf die Tanzfläche.

Den verspielten Beats ebenso verschrieben haben sich Anamanaguchi: Die amerikanische Electro-Band aus NYC praktizieren bereits seit 2004 sogenannten "Bitpop"- und "Chiptune"-Sound, der sich insbesondere an die Welt der Videospiele anlehnt. 

Auch die aktuellen Charts werden von Titeln beherrscht, die den Geist der 90er in sich tragen, etwa "Easy Love" von Sagala, "Lush Life" von Zara Larsson, oder das an den Eurodance der 90er angelehnte "How Deep Is Your Love" von Calvin Harris.

Davon getrennt gibt es tatsächlich noch so einige Bands, die in den 90ern groß geworden sind und bis heute musikalisch auf hohem Level geblieben sind: "The Prodigy" etwa, die 2015 nach langer Zeit ein neues Album namens "The Day Is My Enemy" veröffentlicht haben. Oder die "Chemical Brothers", die 1995 noch im Underground verortet waren und 2015 ihr achtes Studio-Album "Born In The Echoes" publiziert haben.

Ihr seht: Die 90s sind wieder "in", ganz egal ob als Retro-Party im Club, modisch auf der Straße oder musikalisch in den Charts. Darauf erstmal ein paar Ahoi-Brause-Bonbons, eine Pepsi Crystal, ein Double Dip, eine süße Schleckmuschel und einen Trolli Burger zum Nachtisch. Wohl bekommt's!

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