Anja Kober-Stegeman aus Düsseldorf

Bier ist ihr Beruf

Anja Kober-Stegeman aus Düsseldorf: Bier ist ihr Beruf Anja Kober-Stegeman aus Düsseldorf: Bier ist ihr Beruf Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
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Anja Kober-Stegemann hat der Deutschen liebstes Getränk zu ihrem Beruf gemacht. Damit setzt die Biersommelière eine Tradition fort.

Bierbrauen war früher stets Frauensache

Unter den rund 100 verschiedenen Craft-Bieren, die in der Düsseldorfer „Holy Craft Beer Bar“ angeboten werden, sind mit hoher Wahrscheinlichkeit einige, die von Frauen gebraut wurden. „Schon bei den alten Ägyptern und später auch im Mittelalter war das Bierbrauen stets Frauensache“, erzählt Anja Kober-Stegemann. Erst als nicht mehr zu Hause, sondern in Klöstern gebraut wurde, und dann, während der Industrialisierung, hätten die Männer die Frauen aus diesem Beruf verdrängt, so die Biersommelière. Seit Craft-Bier, also individuell und handwerklich gebrautes Bier, nach den USA – dort stellten es so genannte Mikrobrauereien schon in den 1980er Jahren her – den europäischen und damit auch den deutschen Markt erobert hat, sind Frauen als Bierbrauerinnen wieder auf dem Vormarsch.

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Persönliche Passion

In der „Holy Craft Beer Bar“ achtet man darauf, eine große Vielfalt unterschiedlicher Bierstile nicht nur aus Deutschland, sondern aus der ganzen Welt anzubieten. Und Kober-Stegemann kennt sie fast alle, kann ihren Geschmack sowie ihre Aromen, etwa Früchte, Kaffee oder sogar Schokolade, ganz genau beschreiben und Empfehlungen aussprechen. Rund 1000 verschiedene Biere hat die 51-Jährige in den vergangenen drei Jahren verkostet, ständig kommen weitere hinzu. Längst ist Bier ihre große Leidenschaft geworden, inzwischen braut sie – allerdings nur für den privaten Konsum – sogar ihr eigenes Bier. Dabei interessierte sie sich bis zum Jahr 2016 überhaupt nicht für das liebste Getränk der Deutschen, wusste auch kaum etwas darüber. Kober-Stegemann arbeitete rund 25 Jahre lang in leitender Funktion in der Telekommunikationsbranche. „Ich war das Konzernleben dann irgendwann leid, wollte unbedingt noch einmal etwas ganz anderes machen, meine persönliche Passion finden“, erinnert sie sich. Auf die Idee, sich mit Bier zu beschäftigen, brachte sie ein guter Freund, ein ehemaliger Bierbrauer.

Als sie dann die ersten 25 Craft-Biere probiert hatte, stellte sie schnell fest, dass „sehr leckere Sachen dabei waren“. Und je mehr Kober-Stegemann über Bier lernte, desto klarer wurde ihr, dass sie ihre Passion gefunden hatte. Sie ließ sich zur Diplom-Biersommelière ausbilden, die Prüfung hat sie mit Auszeichnung bestanden.

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Unterschiedliche Nuancen des Altbiers

Und weil sie zehn Jahre lang in Düsseldorf gewohnt hat und auch heute noch – obwohl sie inzwischen im Bergischen Land lebt – regelmäßig in der Landeshauptstadt unterwegs ist, trinkt die 51-Jährige nicht nur gern Altbier, sie kann auch einiges darüber erzählen. „Auch beim Altbier gibt es eine große Vielfalt, die Nuancen reichen von leicht und hell bis zum sehr intensiven Uerige Alt, das jeder Altbiertrinker sofort erkennt“, sagt sie. Man solle übrigens, so die Expertin, jedem Bier mindestens zwei bis drei Schlucke gönnen und erst dann entscheiden, ob man es mag oder nicht. Kober-Stegemann ist fest davon überzeugt, dass bei der großen Biervielfalt heutzutage für jeden Geschmack etwas dabei ist. Und wem Bier pur nicht schmeckt, der probiert vielleicht mal einen Biercocktail – etwa den „Düsseldorf Sling“ mit Killepitsch und Altbier, der in der „Bar Fifty Nine“ im Hotel Intercontinental an der Königsallee angeboten wird. „Bei Cocktails, die mit Wasser aufgefüllt werden, ist Bier als Variante oftmals eine tolle, sehr gut schmeckende Alternative“, erklärt die Biersommelière. Allerdings sollte man das Bier wegen der enthaltenen Kohlensäure nicht mitschütteln, sondern den Cocktail ganz zum Schluss damit auffüllen.

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Infos: Vorträge und Proben besuchen

Was? Anja Kober-Stegemann bietet Biertastings an und hält Vorträge zur Geschichte des Bieres.

Ausbildung Die Ausbildung zum Diplom-Biersommelier ist patentrechtlich geschützt und weltweit einzigartig, sie umfasst 100 Unterrichtsstunden. Der Verband der Diplom-Biersommeliers wurde 2005 ins Leben gerufen. Informationen zur Ausbildung gibt es hier.

Wo? Die „Holy Craft Beer Bar“ befindet sich in der Altstadt, Liefergasse 11. Die „Bar Fifty Nine“ befindet sich im Hotel Intercontinental, Königsallee 59.

Quelle: RP