Ausstellung "Color" in Berlin

Wenn Quentin Tarantino mit Tauben kämpft

Ausstellung "Color" in Berlin: Wenn Quentin Tarantino mit Tauben kämpft Ausstellung "Color" in Berlin: Wenn Quentin Tarantino mit Tauben kämpft Foto: MARTIN SCHOELLER

Die Ausstellung "Color" gibt mit Arbeiten von wegweisenden Fotografen von Helmut Newton oder Jeff Koons bis hin zu William Eggleston und Martin Schoeller Einblick in die Entwicklung von Farbe in der Fotografie. Neben den Ikonen werden auch Arbeiten bedeutender junger zeitgenössischer Künstler gezeigt.

Den Wendepunkt in der Kulturgeschichte der Farbe in der Photographie markiert William Egglestons Ausstellung 1976 im Museum of Modern Art, in der das Kunstpublikum mit in kräftigem Coleur getauchten Innenstadtgebäuden, Interieurs und Feldern konfrontiert wurde.

Nicht als zusätzliche Verspieltheit oder als Schockelement, sondern als selbstverständliche Wahrnehmungsbedingung in der Rezeption des Bildes, präsentierte Eggleston bis dato "nicht bildwürdige Motive".

Er beeinflusste die internationale zeitgenössische Fotografie maßgeblich und inspirierte zahlreiche Fotografen nachhaltig, darunter Stephen Shore, der mit seinen vorsätzlich schnappschussartigen Fotos von ländlichen Gebieten und amerikanischen Kleinstädten berühmt wurde.

Auch die Grenzen zwischen kommerzieller Auftragsarbeit und künstlerischer Farbfotografie verwoben sich von nun an zunehmend. Die Modeindustrie frönte ihrer Freude am farblichen Experiment und ihrer Neigung zu grellen Übertreibungen.

Auch das Schaffenswerk von Helmut Newton zeichnet sich neben seiner Schwarz-Weiß-Fotografie durch die Emanzipation der Farbe innerhalb der erotischen Modephotographie aus, von dem in der Ausstellung seltene Farbpolaroids zu sehen sind.

Fotografen wie Albert Watson oder Michel Comte wiederum setzen Farbe in ihren Werke oftmals als dominierendes Mittel ein, um das in großflächigen Farbebenen eingebettete Bildmotiv zu einem Kunstwerk werden zu lassen.

Der vermehrte, ungezwungene Einsatz greller Farben ist auch auf den Einfluss der Pop Art zurückzuführen. "Color" zeigt daran anlehnend mehrere Porträts von Thomas Hoepker von Andy Warhol, der sich in seiner Factory in New York hinter bunten Folien versteckt und damit seine eigene Kunst zu imitieren scheint.

Neben den Ikonen präsentiert die Ausstellung auch Arbeiten bedeutender junger zeitgenössischer Künstler. Wie Farbe in ihrem dezentesten aber zugleich eindringlichsten Einsatz Bildinhalte skizzieren, Stimmung erzeugen und Bildsprache prägen kann, zeigen ausgewählte Werke von Künstlern wie Jean-Baptiste Huynh oder Nadav Kander.

Color

Ausstellung bis 1. Dezember 2012

CWC GALLERY · Auguststraße 11–13 · 10117 Berlin

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