Zu Besuch in der digitalen Geisterstadt

10 Jahre studiVZ

Zu Besuch in der digitalen Geisterstadt: 10 Jahre studiVZ Zu Besuch in der digitalen Geisterstadt: 10 Jahre studiVZ Foto: Screenshot
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Es ist eine Erfolgsgeschichte - mit einem nahezu dramatischen Ende. Vor fünf Jahren waren die VZ-Netzwerke mit 17 Millionen aktiven Nutzern klarer Marktführer in Deutschland, weit vor allen anderen sozialen Netzwerken. Doch die Zeiten, in denen die deutsche Konkurrenz Facebook das Fürchten lehrte, sind vorbei. Wer sich zehn Jahre nach dem Start bei studiVZ einloggt, fühlt sich wie in einer Geisterstadt, wie unser Autor Sascha erlebte.

Der Posteingang ist voll mit Nachrichten gelöschter Personen, die Freundesliste stark geschrumpft, das letzte aktualisierte Profil dort von 2013. Auch in meinen Gruppen tut sich kaum etwas. Nur Lea gratuliert mir tapfer jedes Jahr auf meiner Pinnwand zum Geburtstag. Lea ist VZ-Moderatorin. Meine echten Freunde gratulieren mir längst über Facebook oder WhatsApp. Manche sogar im echten Leben.

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Seit dem Höhepunkt im Jahr 2010 geht es rasant bergab. Da tritt Facebook seinen Siegeszug auch in Deutschland an und lässt den VZ-Netzwerken trotz eifriger Neuerungen keine Chance. Die Seite "wannstirbtstudivz" sagt daraufhin das Ende für das Frühjahr 2013 voraus. Doch noch immer sollen etwa eine Million Nutzer in den VZ-Netzwerken aktiv sein.

Noch immer eine Million Nutzer

Auf der Suche nach dem "Warum eigentlich?" stoße ich auf die heute beliebtesten Gruppen. Sie heißen "Du darfst mich ansprechen. Der Vz-Single-Treff”, "Flirten ist kein Fremdgehen!” und "Ich bin Single - möchtest du das ändern?” Aus dem sozialen Netzwerk ist offenbar eine Single-Börse geworden. Dabei sind es gerade die Gruppen, die ich am meisten am VZ vermisse.

Denn Gruppen können viel mehr über mich aussagen, als stumpfe "Gefällt-mir"-Angaben. "Lass mich, ich kann das! Oh, kaputt…” oder "Vergessen, Umkippen, Runterwerfen, Umrennen, Stolpern, Gegenlaufen” fehlen mir bei der Konkurrenz ebenso, wie die Gruppe "OH! Eine Sarkasmus-Gruppe! Wie nützlich!”. Facebook ist erwachsener, ernster - studiVZ hat Spaß gemacht.

Zum Abschied noch einmal gruscheln

"Held der Arbeit", "08/15-Jobber" oder "Dumpinglohn-Empfänger" als Posten bei der Berufsbeschreibung? Bei Facebook kaum denkbar. Bei studiVZ darf ich zum "gesichtslosen Management" gehören.

Und so gruschel ich zum Abschied nostalgisch ein paar meiner verbliebenen Freunde. Dann melde ich mich ab. Ruhe in Frieden, studiVZ. Und alles Gute zum 10. Geburtstag.

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Quelle: RPO