Düsseldorf

Wohnen an der Partymeile in der Kritik

Düsseldorf: Wohnen an der Partymeile in der Kritik Düsseldorf: Wohnen an der Partymeile in der Kritik Foto: Andreas Endermann
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300 Appartements und Wohnungen entstehen im Andreasquartier, davon 50 direkt an der Ratinger Straße. Die Wirte befürchten Konflikte. Investor Frankonia baut teils Belüftungsapparate ein, damit Fenster geschlossen bleiben können.

Lärm sorgt immer wieder für Konflikte. Gerade erst gab es beim TV Grafenberg große Diskussionen mit Anwohnern. Beim Flughafen ist das Thema seit Jahrzehnten virulent und offenbar kaum aus der Welt zu schaffen. In der Altstadt dürfte an der Ratinger Straße das nächste Kapitel aufgeschlagen werden. Dort haben bereits die Arbeiten für das neue Andreasquartier begonnen, zu dem nicht nur Büros und Geschäfte, sondern auch 300 Appartements und Wohnungen gehören.

Verkehrsberuhigung : Altstadt-Sperrung kommt gut an Verkehrsberuhigung Altstadt-Sperrung kommt gut an Zum Artikel » Nur einen Steinwurf entfernt von gastronomischen Institutionen wie "Zur Uel", "Zum Goldenen Einhorn", "Ohme Jupp" und "Im Füchschen", vor denen an schönen Abenden Hunderte auf der Straße stehen, sollen dort in der Zukunft Menschen ihre Heimstatt finden, die zwischen 4400 und 16 000 Euro für einen Quadratmeter Eigentumswohnung bezahlen. Es ist nur schwer vorstellbar, dass alle auf Dauer das bunte Treiben auf der beliebten Ausgehmeile begrüßen.

In der Vergangenheit haben immer wieder Anwohner dafür gesorgt, dass Gastronomiebetriebe oder ähnliche Einrichtungen Probleme bis hin zu Verlegung oder Geschäftsaufgabe bekamen. So musste das Open-Air-Kino den Burglatz verlassen, der Malkasten-Club schließen, das Zakk meldete ebenso Schwierigkeiten wie Restaurants in Golzheim oder Niederkassel.

"Wir würden es begrüßen, wenn der Verkäufer in seinen Kundengesprächen offensiv darauf aufmerksam macht, in welcher Lage dieser Wohnraum geschaffen wird", sagt Rainer Spenke, Geschäftsführer beim Hotel- und Gaststättenverband. Das hofft auch Füchschen-Chef Peter König, der für das Stammhaus der Brauerei erst einmal keine Probleme kommen sieht. "Wir halten uns an die Regeln." Er geht davon aus, dass die Architekten des Andreasquartiers das Nachtleben bedacht und die Schlafzimmer entsprechend platziert haben. Die Gastronomen hätten auf die Planung keinen Einfluss gehabt. König erhofft sich durch die neuen Mieter eine Belebung der Straße – und erinnert daran, dass die Ratinger eine lange Tradition als Ausgehmeile hat. "Eine Einschränkung wird nicht im Sinne der Stadt sein."

Die ist für Ordnungsdezernent Stephan Keller ebenfalls nicht in Sicht. Der Jurist macht sich keine Sorgen, verweist auf Bebauungsplan und Genehmigung (siehe unten). Er sagt: "Wer dorthin zieht, weiß, was er tut." Das betont auch Edgar Mungen, Bereichsleiter Projektentwicklung bei Investor Frankonia Eurobau. "Wer sich für diesen Standort und eine solche Wohnung entscheidet, weiß, was er tut."

Sprecher der Altstadt-Wirte: "Altstadt braucht Alkoholverbot" Sprecher der Altstadt-Wirte "Altstadt braucht Alkoholverbot" Zum Artikel » Eine Garantie, dass es später nicht Anrufe beim Ordnungsamt in Serie gibt, ist dies natürlich nicht. Andererseits muss der Bauherr Auflagen erfüllen. So liegen 50 Wohnungen direkt an der Ratinger Straße. Sie erhalten Belüftungsapparaturen, die bei geschlossenen Fenstern ausreichend Frischluft garantieren. "Natürlich ist es draußen auch mal lauter", sagt Mungen, "aber wenn Sie die Fenster geschlossen haben, hören Sie nichts mehr." Ähnlich beurteilt er die Situation für die Penthouses, die im Innenbereich liegen und bis zu zwei Millionen Euro kosten. Sie thronen über der fünfstöckigen Randbebauung im Innenbereich in einem neungeschossigen Block. Dort werde der Lärm nicht stören, sagt der Bereichsleiter.

Isa Fiedler, Sprecherin der Altstadtwirte und Vorsitzende der Altstadtgemeinschaft, hält die neue Wohnbebauung dennoch "für unglücklich". Wenn es nach Mitternacht Lärmbeschwerden gebe, müsse halt der Ordnungsdienst der Stadt auf der Straße für Ruhe sorgen. Amtsleiter Michael Zimmermann weist darauf hin, dass Gäste dann in die Kneipen gehen und notfalls die Fenster geschlossen werden müssten.

Quelle: RP