Interview im Kuriositätenkabinett

"Vaseline" - ein Düsseldorfer Schmuckstück ist umgezogen

Interview im Kuriositätenkabinett: "Vaseline" - ein Düsseldorfer Schmuckstück ist umgezogen Interview im Kuriositätenkabinett: "Vaseline" - ein Düsseldorfer Schmuckstück ist umgezogen Foto: TONIGHT.de/Ronny Hendrichs
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Noch weniger als vier Wochen – dann ist wieder Weihnachten. Die Suche nach den passenden Geschenken hat für viele jedoch schon begonnen. Wer durch die Altstadt auf Einkaufsjagd geht und nach etwas Ausgefallenem sucht, mag vielleicht ein Schmuckstück Düsseldorfs doch glatt übersehen - trotz des großen blinkenden Schildes am Eingang. Denn der kleine aber feine Laden „Vaseline“ liegt etwas versteckt in der Wallpassage 37.

Besuch im Kuriositätenkabinett | Montag, 26. November 2012 Besuch im Kuriositätenkabinett | Montag, 26. November 2012 Besuch im Kuriositätenkabinett | Montag, 26. November 2012 Besuch im Kuriositätenkabinett // Mo 26.11.12 Vaseline 47 Fotos Wer den vollgepackten Laden betritt, fühlt sich in eine andere Welt versetzt. Von Lederhandtaschen, Retro-Accessoires bis hin zu ausgefallenen Deko- und Möbelstücken ist alles dabei. Alles ist bunt, verrückt und einfach nur fabelhaft. Der Laden, der früher seine Gäste auf der Wallstraße aus einer alten Garage bediente, ist seit dem 12. Oktober in die Räume des früheren Schallplattenladens „Flipside Store“ gezogen. Besitzer Rolf Buck scheint sich in seinem neuen Reich sehr wohl zu fühlen – „auch wenn’s ein bisschen klein ist.“ In unserem Interview erzählt er uns über sein Kuriositätenkabinett „Vaseline“, wieso der Laden einen so ungewöhnlichen Namen trägt und was für ein Klientel dort einkauft.

Seit wann gibt es den Laden „Vaseline“ und wie habt ihr angefangen?

Rolf Buck: Also den Laden „Vaseline“ gibt es jetzt schon seit zwölf Jahren. Alles begann auf dem Flohmarkt. Ich hatte hier in Düsseldorf einen Stand in einem Zelt. Mein Studium musste ich damals selbst finanzieren und daher am Wochenende immer arbeiten. Ich war auch schon immer selbst ein Bastler und habe während meines Studiums als Recyclingdesigner die verschiedensten Dinge umfunktioniert und dann auf dem Flohmarkt verkauft. Und das hat ganz gut funktioniert! Irgendwann entdeckte ich dann hier in der Stadt die alte Garage und hab dort meinen Laden aufgemacht. Das war die Geburtsstunde von „Vaseline“.

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Hat sich seit eurem Umzug in den ehemaligen Flipside Store etwas geändert?

RB: Ja, total viel! Wir hatten im alten Laden zum Beispiel auch einen Raum in dem wir Kunst von Studenten der Düsseldorfer Kunstakademie gezeigt haben. Im neuen Laden gibt's diese Möglichkeit leider nicht mehr. Früher konnten wir mehr Möbel und re-designte Stücke verkaufen, weil dazu natürlich mehr Platz vorhanden war. Wir konnten unseren Kunden eine Symbiose aus „Vaseline“–Styling und „Vaseline“-Living anbieten. Jetzt sind wir nur noch „Vaseline“–Styling. Wir haben im neuen Laden zwar immer noch ein paar Wohnaccessoires, einige liebevoll ausgesuchte und selbstgemachte Stücke, aber alles in einer etwas kleineren Form – vorübergehend. Wir hoffen nämlich, dass wir uns bald wieder ein bisschen vergrößern können.

Bekommt ihr noch Besuch von Kunden, die eigentlich einen Plattenladen suchen bzw. Schallplatten kaufen wollen?

RB: Nein, das nicht. Dennoch muss ich ganz ehrlich sagen, dass ich ein bisschen traurig war, als der Plattenladen von Herbert Boese plötzlich geschlossen hat. Ich kam mir ein bisschen wie ein Leichfledderer vor, da mit Herberts „Flipside Store“ eine Ära zu Ende gegangen ist. Den Plattenladen vermisse ich schon sehr, weil das auch eine kulturelle Sache ist, die irgendwie ausstirbt. Wir sind also mit einem weinenden und einem lachenden Auge hier eingezogen.

Wie würdet ihr euren Laden beschreiben?

RB: Ich finde, dass ich in dem Laden meinen Geschmack präsentiere. Mein Lebensgefährte und ich reisen gerne und viel, schauen uns sehr viele Ausstellungen an, gehen auf die Fashion Week und interessieren uns für junge Designer. Die ganzen Eindrücke, die wir sammeln, sind dann eine Art Potpourri. Alles zusammen geschüttelt…und zack…daraus entsteht „Vaseline“. Wir verkaufen Dinge, die wir auch selbst mögen und uns selbst in die Wohnung stellen oder tragen würden. Wir bieten eine Styling-Richtung an, die auch von unseren Kunden aufgenommen wird. Unser Geschmack ist halt neben der Spur und nicht Mainstream. Das gefällt mir so, denn das kommt auch bei unseren Kunden an.

Vaseline Laden (image/jpeg) Gibt es ein Möbelstück oder Produkt in eurem Laden, auf das ihr besonders stolz seid?

RB: Ja, unsere selbstgemachten Stücke. Wir polstern zum Beispiel Möbelstücke. In der alten Garage konnten wir diese Möbelstücke besser präsentieren. Aber im neuen Laden klappt es eigentlich auch gut. Ich mag es eben, wenn man alles irgendwie umfunktioniert und alten Dingen einen neuen Sinn gibt, anstatt sie gleich weg zu schmeißen. Früher wurden ja auch Socken gestopft…heute werden sie leider nur weggeschmissen und neu gekauft.

Wie sieht denn der typische „Vaseline“-Kunde aus?

RB: Das ist eine wirklich gute Frage! Wir sind immer wieder total erstaunt, welche Kunden bei uns durch die Tür kommen. Wir hatten zum Beispiel mal eine obdachlose Schauspielerin, die sich bei uns eine Tasche gekauft hat. Ich denke bei uns gibt es Dinge, die man entweder mag oder ganz einfach nicht mag. Bei unserer Kundschaft ist von jeder Generation etwas dabei… vom Teenie, die die Schule schwänzt, um hier durch den Laden zu stöbern, bis hin zur alten Dame, die vor ihrem Kaffeeklatsch bei uns vorbei schaut.

vaseline puppe (image/jpeg) Sind es denn überwiegend Frauen, die hier hin kommen oder gibt es auch männliche Kunden?

RB: Also es ist schon so, dass uns mehr Frauen besuchen. Es kommen aber auch erwachsene Männer vorbei, die ein Geschenk suchen. Aber die sind dann eben saisonal da. Ich denke schon, dass wir für beide Geschmäcker etwas haben. Es gibt viele Menschen, die zum Einkaufen in diese Stadt fahren und uns dann gezielt aufsuchen. Wir sind da eine kleine Attraktion, weil du hier Dinge finden kannst, die du nicht überall bekommst.

Was ist denn aus eurem alten Laden geworden?

RB: Der ist wieder eine Garage. Diese Räumlichkeiten wurden in den fünziger Jahren als Garage gebaut und in den Neunzigern kamen wir dann mit unserem Laden. Aber hier in die kleinere Location zu ziehen war auch gar nicht so schlecht. Wir haben uns beruflich weiterentwickelt und machen nebenbei noch unglaublich viel mit Styling und Set-Design. Deshalb haben wir „Vaseline“ nur vier Mal die Woche geöffnet. Das schöne beim Umzug war wieder einen ganz neuen Raum zu haben und „Vaseline“ auch nochmal ganz neu zu erfinden.

Wie seid ihr denn auf den Namen „Vaseline“ gekommen?

RB: Den Laden haben wir „Vaseline“ genannt, weil ich es mag, Dingen Namen zu geben, die eben untypisch sind. Der Name sollte außergewöhnlich sein, er sollte aber auch die Leute zum Schmunzeln bringen. Diejenigen, die den Namen zum ersten Mal hören und den Laden nicht kennen, denken dann manchmal, dass es ein Sex-Shop ist. „Vaseline“ soll nicht negativ provozieren, aber man kann ja alles so benennen, wie man will. Ich mag es Dinge neben der Spur zu zeigen und ich unterhalte auch gerne mit meiner Arbeit.

Willst du unseren Lesern sonst noch etwas sagen?

Ich glaube daran, dass man immer kreativ arbeiten und sich dabei ständig weiter entwickeln sollte. Dabei sollte aber niemand etwas tun, was anderen Leuten schadet. Denn wir kochen alle nur mit Wasser!

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