Pfandversion aus Kunststoff

Kaffee aus dem Mehrwegbecher

Pfandversion aus Kunststoff: Kaffee aus dem Mehrwegbecher Pfandversion aus Kunststoff: Kaffee aus dem Mehrwegbecher Foto: Uwe-Jens Ruhnau
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Wer sich ein Heißgetränk zum Mitnehmen kauft, bekommt oft einen Pappbecher. Um den Rohstoffverbrauch zu reduzieren, entwickelten Sven Hennebach und Franziskus von Boeselager eine Pfandversion aus Kunststoff.

"Einen Cappuccino mit Sojamilch zum Mitnehmen, im Mehrwegbecher bitte", sagt die Kundin. Die Kellnerin nickt und ruft dem Barista zu: "Sie will den Pfandbecher." Drei Minuten später steht er auf der Theke: ockergelb, ohne Deckel, 200 Milliliter passen hinein. Auf den ersten Blick erinnert er an die dünnen Plastikbecher, die aus den Kaffeeautomaten in Bibliotheken kommen. Doch der Mehrwegbecher für Heißgetränke, der von der Düsseldorfer Firma "Cup for Cup" vertrieben wird, ist aus härterem Material, nämlich aus dem Kunststoff Polypropylen.

Anders als andere Becher für den Kaffee zum Mitnehmen, ist der Mehrwegbecher daher sehr stabil. Und: Obwohl der Kaffee heiß ist, verbrennt man sich auch nicht die Hand. Das liegt an der extra zu diesem Zweck angerauten Oberfläche, die als eine Art Hitzeschild fungiert. Einen Euro Pfand müssen die Kunden für den Becher zahlen, den sie nach der Nutzung zurückgeben können.

Pro Jahr werden in Deutschland rund 2,8 Milliarden Einwegbecher weggeworfen

Um diese Becher herzustellen, braucht man unter anderem schon 64.000 Tonnen Holz. Das sind die Ergebnisse einer Studie der Deutschen Umwelthilfe. Die Idee, einen Mehrwegbecher zu entwerfen, kam den Initiatoren Sven Hennebach und Franziskus von Boeselager, als ihnen bei einem Spielplatzbesuch mit ihren Kindern auffiel, wie viel Abfall durch die Becher entsteht. Die beiden Schulfreunde wollten eine Lösung für das Müllproblem finden und entwickelten die Idee des wiederbenutzbaren Bechers, gekoppelt an ein Pfandsystem, damit er nicht einfach entsorgt wird. Noch dazu sollte der Becher "cool" aussehen, sagt Sven Hennebach: "Uns war von Anfang an klar, dass der Becher optisch und haptisch überzeugen muss. Wir wollen den Leuten etwas geben und ihnen nichts verbieten", sagt er.

Kaffee Kaffeebecher (image/jpeg) Sven Hennebach und Franziskus von Boeselager habe eine Kaffeebecher-Pfandversion aus Kunststoff entwickelt.

In Freiburg hatte es bereits vorher das Prinzip eines Mehrwegbechers gegeben. Als die beiden Düsseldorfer ein Freiburger Muster mit in die Cafés der Stadt nahmen, bekamen sie nur positives Feedback. "Da war uns klar: Da wollen wir dran bleiben", sagt Hennebach. Er und von Boeselager kontaktierten potenzielle Kooperationspartner, um sie für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Mit Erfolg: Der Industriedesigner Lars Lange und das Kunststofftechnik-Unternehmen Dinger in Solingen sagten zu und entwickelten mit den Ideengebern das Endprodukt.

Von der Idee bis zur Umsetzung

Von der Idee bis zur Umsetzung war der Weg dann nicht so lang und schwierig wie erwartet, sagt Hennebach: "Im November kam uns die Idee, im März haben wir unsere Firma gegründet und im Mai wurde der erste Becher umgesetzt." Knapp 30 Cafés und Bäckereien in Düsseldorf sind mittlerweile Kooperationspartner. Auch in Nachbarstädten wie Leverkusen, Wuppertal und Dortmund werden die Becher gerne bestellt. Wie viele Becher ein Abnehmer bestellt, steht ihm frei. Die Wuppertaler seien bisher Vorreiter mit 500 Bechern pro Café, sagt Hennebach, während Düsseldorf oft nur 50 haben möchte. Nach Zahlung einer Servicegebühr können die Abnehmer die Becher dann in Umlauf bringen. Mittlerweile gibt es sogar verschiedene Farben: Ocker war die Ursprungsfarbe, neu dazugekommen sind Rosa, Hellblau und Khaki. Welche Farbe das Café am liebsten beziehen möchte, kann es selbst entscheiden. Bedingung ist allerdings, dass es jeden Becher des Pfandsystems zurücknehmen und spülen muss - egal, welche Farbe es selbst vertreibt. In der Spülmaschine werden die Becher gereinigt und wieder an Kunden gegeben.

Ein Behälter kann etwa 400 Mal benutzt werden. Danach darf der Kunststoff aus hygienischen Gründen nicht mehr mit Lebensmitteln in Berührung kommen. Die Becher seien jedoch, so Hennebach, sehr hochwertig: "Wir haben weder Melanin noch Weichstoffe benutzt."

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Um die optimale Hygiene zu garantieren, gibt es übrigens keinen passenden Deckel zu dem Becher. "Schraubverschlüsse und dichte Deckel sind zu schwierig zu reinigen", erklärt Hennebach. Der Schmutz setze sich daran fest. Aber einmalig nutzbare Plastikdeckel auf dem umweltfreundlichen Mehrweg-Kunststoffbecher? Das wäre das genaue Gegenteil von dem, was von Boeselager und Hennebach wollten. "Viele Menschen wollen immer grüner leben. Daher konnten wir die Idee überhaupt umsetzen", sagt er.

Franziskus von Boeselager und Sven Hennebach möchten nun auch in anderen Städten im Düsseldorfer Umland ihre Becher verteilen. Erste Cafés aus Essen wollen mitmachen und auch Neusser Lokale sind interessiert.

Quelle: RP