State of the Art Photography

Neue Fotokunst im NRW-Forum

State of the Art Photography: Neue Fotokunst im NRW-Forum State of the Art Photography: Neue Fotokunst im NRW-Forum Foto: Elina Brotherus
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Einen Blick in die Gegenwart und die Zukunft wirft das NRW-Forum und stellt unter dem Titel "State of the Art Photography" 41 internationale Fotografen vor. Mit dabei sind sieben Düsseldorfer, darunter auch der Konzeptkünstler Mischa Kuball.

Foto-Ausstellung in Düsseldorf: "State of the Art Photography" im NRW-Forum Foto-Ausstellung in Düsseldorf: "State of the Art Photography" im NRW-Forum Foto-Ausstellung in Düsseldorf: "State of the Art Photography" im NRW-Forum Foto-Ausstellung in Düsseldorf "State of the Art Photography" im NRW-Forum 18 Fotos Wer sind die neuen Gurskys, Ruffs und Struths – auch Struffskys genannt? Eine spannende Frage, auf die Werner Lippert, Chef des NRW-Forums, mit einer bemerkenswerten Schau eine Antwort wagt. Er sagt: "Wir beobachten, dass sich eine neue Form von Fotografie auf dem Markt behauptet, die sich radikal von den Fotohelden der Düsseldorfer Becher-Schule unterscheidet."

Die zeitgenössische Fotokunst befindet sich derzeit in einem Wandel. Es ist nicht nur die digitale Revolution, die das Bildermachen verändert, sondern der globale Datenraum wird ebenso zu einer neuen Ressource. Aber auch der entgegengesetzte Weg zum analogen Unikat ist – so zeigt die geplante Ausstellung – wieder eine gern genutzte Möglichkeit unter den Nachwuchs-Fotokünstlern.

Ausgesucht wurden die 41 aus Südafrika, den USA, Finnland und Deutschland kommenden Teilnehmer von acht "Advisors", darunter Starfotograf Andreas Gursky, Kurator Thomas Weski und Modefotograf F. C. Gundlach. Das Kriterium war: Welcher Künstler bestimmt in den kommenden Jahren maßgeblich die Fotokunst mit?

"Die neuen Struffskys sind radikal subjektiv-autobiografisch, und sie weichen die Grenzen zwischen Foto- und Bildender Kunst weiter auf", sagt Lippert. "Sie orientieren sich nicht mehr an der Düsseldorfer Schule, nicht mehr an den Bechers und ihren leergeputzten Fotos."

Einer von ihnen ist Mischa Kuball, Konzeptkünstler und seit 2007 Professor an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Seit nahezu 30 Jahren beschäftigt sich der Düsseldorfer mit der Fotografie. Dabei hat ihn nie das Abbild, sondern stets die dreidimensionale Projektion im Raum interessiert. "Die Komplexität der Fotografie geht für mich über die rein bildnerische, narrative Ebene hinaus", sagt er.

Mit seiner aktuellen Arbeit geht Mischa Kuball einen bislang einmaligen Weg: Er untersucht computertomographisch verschiedene Apparate der Bilderzeugung und Bildwiedergabe. Konkret heißt das, eine Polaroidkamera wird ins CT gelegt und auf eine neue Art visualisiert. "Es ist zum ersten Mal mit dieser Technik möglich, dass ein Gegenstand, der normalerweise Bilder erzeugt, aus sich selbst heraus Bilder produziert und so zum Gegenstand der Betrachtung wird", erklärt Kuball. Es entstehen neue Bildformen, digitale Datensätze.

Artefakte nennt er denn auch die Lichtspuren seiner geheimnisvollen Schwarz-Weiß-Bilder, die das Innenleben der Apparate durch computergestützte Röntgenbilder wiedergeben, geradezu magisch ihre Konturen nachzeichnen.

Möglich wurde die Serie "CT" durch die Zusammenarbeit mit dem Düsseldorfer Arzt Wolfgang Lemmen, der in seiner radiologischen Praxis die Apparate dem Künstler zum Experimentieren zur Verfügung stellte. Im Computertomographen sind so von jedem Bildapparat unzählige röntgenologische Schnittbilder im Abstand von zwei Millimetern entstanden, die, wie in der Medizin üblich, die Grundlage für eine 3D-Rekonstruktion des durchleuchteten Objekts hätten abgeben können.

"Kuball ging es jedoch nicht um eine solche rechnergestützte Rekonstruktion, vielmehr faszinierten ihn die einzelnen Schnittbilder, gerade weil sie Sichtbarkeiten jenseits der diagnostischen Lesbarkeit produzieren", schreibt Martina Dobbe in ihrem Aufsatz für das umfangreiche (Buch-)Projekt "Platons Spiegel - zur Aktualität des Höhlengleichnisses", das im Frühjahr bei Walther König erscheint. Aus der Fülle der Scans wählte Kuball 57 Beispiele mit diesen unvorhersehbaren Lichteffekten für die Ausstellung aus.

So wirkt der zungenbrecherische Titel "Image Apparatus _ Polaroid" wie klassisch gedruckt und gerahmt – und wird so zum ersten Mal im NRW Forum gezeigt – verweist aber auch auf einen ganz neuen Zugang zum Medium der Fotografie und stellt somit auch neue Fragen an unser Verständnis vom Bild.

Infos zur Ausstellung

Der Künstler: Mischa Kuball wurde 1959 in Düsseldorf geboren. Seit 1987 arbeitet er im öffentlichen und institutionellen Raum.

Die Ausstellung: In der Ausstellung State of the Art Photography werden 250 Fotos von 41 internationalen Künstlern im NRW-Forum im Ehrenhof gezeigt. Die Schau läuft vom 4. Februar bis zum 6. Mai.

Das Begleitprogramm: Am Eröffnungstag, 4. Februar, zeigen 15 Galerien sowie die Kunstakademie beim ersten „Düsseldorf Photo Weekend“ von 10 bis 18 Uhr ebenfalls Fotokunst.

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Quelle: RP