Hypnotische Wirkung

John Talabot: Fin

Hypnotische Wirkung : John Talabot: Fin Hypnotische Wirkung : John Talabot: Fin Foto: Tonight.de
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Und plötzlich ist er angekommen. Angekommen im Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit, die sich mit elektronischer Musik beschäftigt. Denn auch wenn der Spanier mit dem Pseudonym John Talabot in seine epischen Ergüsse Pop-Anleihen unterbringt, so wird daraus noch keine Konsens-Musik. Aber ein Schritt nach dem nächsten.

Im letzten Jahr und den Ausläufern von 2010 fiel dem interessierten Club-Musik-Hörer immer wieder der Name auf, der so sehr nach einer alten französischen Automarke klingt (nämlich Talbot). Erste eigene Releases und einige Remixes präsentierte er, die immer wieder durch eine faszinierende Formensprache bestachen.

Aufgebaut aus der Wiederholung und Schleifen, eingebettet in warme Sound-Ästhetik, Schicht für Schicht aufeinander gelegt, entwickelte nahezu jedes seiner Ergebnisse eine seltsame Kraft und Dynamik, die sich sanft, aber bestimmt, wie ein dominantes Korsett um den ganzen Körper legt. Die eine hypnotische Wirkung entfaltet und nicht mehr loslässt aus den Fängen der Loops und des Beats. Man kann nicht aufhören hinzuhören, die Nadel noch mal aufzulegen und sich der Mischung aus ungewöhnlichen Klängen, behutsamen Arrangements und melancholischen Windungen zwischen Stimmen-Samples und wiederkehrender Klang-Collagen in kompositorischer Bedachtheit und perfekter Abstimmung willenlos hinzugeben.

John Talabot (image/jpeg) Empfehlenswert: John Talabot mit "Fin". Das Bemerkenswerte daran: Talabot gelingt es, im heute immer dichter werdenden Jungle aus unzähligen und einer unüberschaubaren Zahl von Veröffentlichungen jeden Monat ein ganz klares Signal zu setzen, sich erkennbar zu machen, einfach eine eigene Handschrift entwickelt zu haben. Das darf man als etwas ganz besonderes werten, das ist wahre Kunst. Und die hört man ausnahmslos jedem seiner Werke an. Alles ist durchdacht, gekonnt getimet, mit Liebe zum Details versehen und nie verloren im Klein-Klein oder der Banalität vieler elektronischer Produktionen heute.

Wer sich auf den Geschmack bringen will, sollte sich nur mal die "My Old School" EP anhören oder den göttlichen Remix von Teengirl's Fantasy mit "Cheaters", den er in ein absolut zeitloses Gewand gekleidet hat und an dem man sich nicht satthören kann.

Nun legt John Talabot sein erstes Album vor, dessen Name wohl keinesfalls auf den Zeitstrahl seiner Karriere verweist, was ein Dilemma wäre. Mit "Fin" ist er sich treu geblieben, hat Stellschrauben seines Stils verändert, nicht aber herumexperimentiert oder gar seine Klang-Sprache verloren über den Anspruch, den er sich selbst gesetzt hat, er, ein Besessener und Getriebener der großen Kunst. Das Album hat ihn geschlaucht, seine Beziehung hatte keinen Platz mehr zwischen Komposition und Studio, und so ist er, der von sich behauptet, kein Musiker zu sein, ausgelaugt, aber glücklich mit der Platte, die jetzt in den Läden zur Verfügung steht.

Und man sollte sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen. Von John Talabot werden wir noch viel hören!

John Talabot "Fin": 01. Depak Ine; 02. Destiny feat. Pional; 03. El Oeste; 04. Oro y Sangre; 05. Journeys feat. Ekhi; 06. Missing You; 07. Last Land; 08. Estiu; 09. When The Past Was Present; 10. H.O.R.S.E.; 11. So Will Be Now… feat. Pional