Auf Erfolgskurs

Düsseldorfer Plattenlabels

Auf Erfolgskurs: Düsseldorfer Plattenlabels Auf Erfolgskurs: Düsseldorfer Plattenlabels Foto: Tribehouse
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Bands wie Kraftwerk und Die Toten Hosen oder DJs wie Loco Dice und Plastik Funk sind weit über die Düsseldorfer Stadtgrenzen bekannt. Die heimischen Labels stehen dagegen etwas weniger im Rampenlicht, sind jedoch genauso wichtig für die Musikszene. Fernab der großen Plattenfirmen sorgen Unique Records, Combination Records und Co. für gute Scheiben – und haben gleichzeitig ein Herz für Newcomer.

Backslide Records

Für urbane, elektronische Musik mit Schwerpunkten Funk und Electro-Breakbeats steht Backslide Records. Der ehemalige S.W.A.M.P Records Produzenten Martin Erbler und „Discotronix“-Begründer Jens Damgaard riefen es 2006 ins Leben. Schon Mitte der 90er Jahre gab es selbst organisierte Partys in einem alten Luftschutzbunker. Daraus entwickelte sich schließlich eine feste Konzertreihe, die im Jahr 2001 unter dem Namen „Phunkadelique Club“ mit über tausend Besuchern für Aufmerksamkeit sorgte. Auch die Eventreihe „Discotronix“ im ehemaligen Hafenclub Harpune brachte viel Bewegung auf die Tanzfläche. Internationale DJ-Größen wie die Turntablerocker oder Freddy Fresh standen dort an den Plattentellern. Erste Veröffentlichungen des jungen Labels sind die Bar-Complilation "Destination Moneypenny" sowie der V/A Sampler "Viertelbar", auf dem die meisten der Backslide-Acts vertreten sind.

Unique Records

Zu den kommerziell erfolgreichsten Labels gehört Unique Records, das sich auf qualitativ hochwertige Musik aller Art konzentriert. 1988 von DJ Henry Storch gegründet, wurden bis 1993 Thee Milkshakes, The Tommyknockers, The Embryonics, Heartbeats, Wylde Mammoths und viele andere Bands produziert. 1995 eröffnete Henry Storch dann den Unique Club in der Düsseldorfer Altstadt. Somit gab es eine kleine Auszeit fürs Label. Über zehn Jahre war der Club die Nummer 1 in Sachen anspruchsvoller Beats, bis 2006 der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Seitdem hat der Unique Club keine feste Heimat – vereinzelt werden jedoch Partys in fremden Veranstaltungsstätten gefeiert. Bei Unique Records läuft alles wie gewohnt. Gefragt ist jedes musikalische Genre, außer House und Techno. Jazz, (Nothern) Soul, Funk, Rare Groove, Latin, Urban / HipHop, DrumnBass, Leftfield Dance und vor allem Breakbeats aller Art gehören ins Repertoire. Nationales Aufsehen erregte die Singelauskopplung „Hip Teens Don't Wear Blue Jeans” vom Frank Popp Ensemble, die bei Coca Cola als Werbesong und Oliver Pochers Sendung „Rent a Pocher“ als Titelmelodie eingesetzt wurde.

Combination Records

2001 erblickte Combination Records das Licht der Labelwelt. Dahinter stecken Philipp Maiburg und Frank D’Arpino. Die beiden wählen Musiker nach eigenem Gusto aus. Drei, vier Alben pro Jahr erscheinen auf „Combination“, dazu eine Handvoll Maxis. Im Gegensatz zu anderen Plattenfirmen ist das Label nicht auf einen Stil festgelegt. Maiburg und D’Arpino möchten auch nicht den Sound von veröffentlichten Stücken beeinflussen, wie es für Labels von elektronischer Musik oft üblich ist. Daher gibt es bei Releases gerne mal eine musikalische Achterbahnfahrt, wenn einer Advanced-Minimal-Techno Produktion eine kraftvolle Drum&Bass-Rakete folgt, um dann wieder von einem Downbeat-Album auf den Boden der ruhigen Tatsachen zurückgeführt zu werden. Doch ist es genau dieses Auf und Ab, das Combination Records ausmacht.

Oceanlounge

“Nun wird mein Hobby auch zum Beruf,” dachte sich der Düsseldorfer Werbeagentur-Eigentümer Harald Peil, als er 2002 das Music-Label Oceanlounge Records gründete und sich somit einen lang gehegten Traum erfüllte. Zusammen mit den beiden Musikern von Jornada del Sol (Pete South und Pet-C West) wurde dann sofort das erste Album “Licence to chill” produziert und veröffentlicht. Vor allem Ibiza mit seinem musikalischem Spannungsbogen ist das große Vorbild. Chill-Out, House-Music, aber auch HipHop-Beats gehören zum Portfolio von Oceanlounge. Um im Label selber eine Trennung zu finden, gibt es das "Lounge Department" und das "Dance Department". Ein großer Erfolg für die Düsseldorfer: Der neu aufgelegte Titel „Dolphins of Bali“ aus dem Album „Licence to chill“ wurde von der UNO als offizieller Song für das „Jahr des Delphins“ (2007) ausgewählt. „Was uns von anderen Plattenlabels unterscheidet, ist die Vielfalt und Liebe zum Experiment. Für uns ist es nicht wichtig, eine bestimmte Zahl von Veröffentlichungen zu schaffen, sondern wirklich nur das zu veröffentlichen, bei dem alle hundert prozentig dahinter stehen“, erklärt Harald Peil.

lolila

Eher unkonventionelle Wege geht z. B. das Label lolila, das sich die Bands nicht unbedingt nach musikalischen Kriterien aussucht. „Für lolila sind freundschaftliche Zusammenhänge das A und O einer guten Zusammenarbeit. Dabei können im Nachhinein beide Seiten oft nicht mehr sagen, ob die Musik den Freundschaftskreis bestimmte oder der Freundschaftskreis die Musik“, so lolila-Sprecher Daniel Decker. Fälschlicherweise wird das Label oft in die Sixties-Ecke gesteckt. Dabei will lolila eher eine musikalische Bandbreite präsentieren – fernab von Schubladendenken.

Desolat

Ein gemeinsamer New York-Aufenthalt führte dazu, dass DJ Loco Dice und Produzent Martin Buttrich im Sommer 2007 ihr eigenes Label Desolat mit Sitz in Düsseldorf gründeten. Auf dem ersten Release „Ribcage“ durfte sich DJ Dubfire – die eine Hälfte des mit einem Grammy ausgezeichneten Duos Deep Dish – austoben. Getreu dem Label-Motto “If You’re Sick Of Thinking About Electric Dance Music Just in Black & White, Imagine Colour: Desolat” sollen auch die weiteren Veröffentlichungen stehen.

Quelle: rpo