Babsies Diktatur

Die Retter der Schallplatte

Babsies Diktatur: Die Retter der Schallplatte Babsies Diktatur: Die Retter der Schallplatte Foto: Andreas Bretz
Von |

Das Düsseldorfer Plattenlabel „Babsies Diktatur“ will den Mythos des Vinyl bewahren. Der ersten Veröffentlichung, dem Album „Das Leben als Umweg zwischen Nichts und Nichts“ der Indi-Rocker Kiesgroup, folgte jetzt „Treehouse“ - eine Platte mit Geheimtippstatus. Diethelm Kröhl (45) und Christian Trosdorff (33) bezeichnen sich als „Artenschützer“. Ihre Sorge gilt keiner vom Aussterben bedrohten Tiergattung - die Mission der beiden Düsseldorfer ist die Rettung und Bewahrung eines musikalischen Mythos: der Schallplatte.

Als Platten-Aufleger „Haru Specks“ und „Don Trosi“ sind Kröhl und Trosdorff schon länger ein fester Bestandteil der heimischen DJ-Szene. Unter dem Namen „Babsies Diktatur“ verwirklichten sich die Musikliebhaber und selbsternannten Vinyl-Fetischisten vor einem knappen Jahr einen Lebenstraum - das eigene Musiklabel. Der Weg zum Verleger stand zu Beginn unter keinem guten Stern: „Zum ersten Mal bin ich Christian im FFT begegnet, da thronte er wie ein Dandy mit weinrotem Hugo-Boss-Nadelstreifenanzug und Gehstock auf einem Sessel. Dieses gelackte Gehabe war mir unsympathisch“, erinnert sich Diethelm Kröhl, hauptberuflich Grafiker.

Musik stiftete Verbundenheit

Ein paar Wochen später machte ein gemeinsamer Freund beide dann erfolgreich miteinander bekannt. Keine Liebe auf den ersten Blick also, erst die Liebe zur Musik stiftete bleibende Verbundenheit: Inzwischen sprechen Kröhl und Trosdorff, seines Zeichens Masseur, von einer Seelenverwandtschaft. Erst ausgelebt als DJ-Duo „Soundsystem Baudelaire“, mit Auftritten im „Salon des Amateurs“ und dem „Pretty Vacant“.

Der Schritt zum eigenen Plattenlabel stellte für die audiophil Veranlagten die logische Konsequenz dar. Neben ihrer freizeitlichen Tätigkeit als Beschaller diverser Partyzonen versuchten Kröhl und Trosdorff nun auch Nachhaltiges für den Alltag zu schaffen, natürlich auf Vinyl. Der Erstveröffentlichung des Labels, dem Album „Das Leben als Umweg zwischen Nichts und Nichts“ der Düsseldorfer Indi-Rocker Kiesgroup, folgte nun die nächste Platte mit Geheimtippstatus: „Treehouse“ von Sänger Stefan Honig wurde bereits in der Musikfachzeitschrift „Visions“ besprochen und gelobt.

Thomas Klein, Mitglied der Düsseldorfer Elektronik-Pop-Band Kreidler, gefiel das Album so gut, dass er einen Remix des Honig-Stücks „Brand New Bike“ für das Werk als Bonustrack produzierte. Eine Bestätigung für Diethelm Kröhl und sein Gespür für die richtige Auswahl der Nachwuchskünstler.

Sein Label-Compagnon Christian Trosdorff, der als Hobby Comic-Zeichnen angibt, ist für die Gestaltung der Plattenhüllen, das so genannte Artwork, zuständig.

Eine gelungene Symbiose der beiden Artenschützer, die ihr musikalisches Lieblingsmedium Schallplatte in den Zeiten der MP3-Generation wieder populär machen wollen. Nur in der Antwort auf die Frage, welches Album für sie als künstlerisch perfekt gestaltet zu betrachten sei, unterscheiden sie sich: Kröhl nennt „Around Midnight“ der Jazz-Sängerin Julie London, Trosdorff „Lysol“ der Krachrocker Melvins.

Quelle: rpo