Bernd Begemann im Zakk

Der Balzac der Beat-Musik

Bernd Begemann im Zakk: Der Balzac der Beat-Musik Bernd Begemann im Zakk: Der Balzac der Beat-Musik Foto: Zakk
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Bernd Begemann spielte im Zakk. Er sang seine Lieder über die Anfechtungen der Liebe und den Aufbruch in die Normalität. Es war ein schöner und heiterer Abend, und am Ende dachte man: Ich mag dich. Von Bernd Begemann möge bitte so bald wie möglich ein Band mit Kurzgeschichten erscheinen. Darin sollen dann Miniaturen zu lesen sein, wie die aus dem Lied mit dem wunderbar lakonischen Titel „Eigentlich wollte ich nicht nach Hannover“: Ein Mann fährt auf der Landstraße, sieht eine Frau am Straßenrand stehen, in der Hand ein Schild mit einem „H“ aus dickem Filzstiftstrich. Die Frau ist hübsch, also fährt er sie nach Hannover, obwohl er da gar nicht hinwill, und am Ende steigt sie aus, und er fährt wieder heim - und beneidet den glücklichen Idioten, der nun neben ihr liegt. Balzac mit Beat.

Im Zakk spielte der 45-jährige Hamburger seine Lieder aus 20 Jahren Karriere in Begleitung seiner Band Die Befreiung. Das war eine sehr schön altmodische Veranstaltung, etwas von alten Beat-Zeiten hatte das, von buntem Abend auch, mit viel Scherz und Heiterkeit und Schweiß und - ja: Entertainment. Die Songs klangen sehr viel schmissiger als auf Platte, und nach drei, vier Liedern musste Begemann Jackett und Krawatte ausziehen - er ist etwas füllig geworden.

Dem Buch mit seinen Geschichten sollte natürlich eine CD beiliegen, weil man sonst auf das musikalische Vergnügen verzichten müsste, das die Freude an den Erzählungen aus der Provinz, vom Heranwachsen, von den Anfechtungen der Liebe und dem Ankommen im Leben ja noch verdoppelt. Begemanns Standpunkt ist der des Außenseiters, der hinein möchte in die Gesellschaft, aber wenn er dann endlich drin ist, fühlt er sich doch nicht so recht geborgen: „Wir sind zwei Mal zweite Wahl“, „Ich kann dich nicht kriegen, Katrin“, „Viel zu glücklich, um es lange zu bleiben“.

Begemann ist ein Phänomen. Ende der 1980er Jahre wurde Begemann ein bisschen berühmt, damals sang er „Unten am Fluss, unten am Hafen, wo die großen Schiffe schlafen“. Er war aus Bad Salzuflen nach Hamburg gezogen, und Hamburg war der Nabel der deutschen Popwelt: Blumfeld, Die Sterne, Tocotronic. Begemann passte nie so recht in diese Szene, er war zu lustig, zu selbstironisch. Und - den Grund kennt niemand - er hatte nie einen Hit. Allmählich wurde Begemann zum Handelsreisenden in Sachen Pop: 200 Konzerte pro Jahr, zwölf Alben, diverse Labels.

Stets kommen ein paar Hundert Menschen zu seinen Auftritten, und zwar deshalb: Im Zakk riss eine Saite seiner Uralt-Gitarre. Die Reparatur baute er zur Slapstick-Nummer aus, es dauerte ewig und wurde nicht langweilig, man musste lachen über diesen tapsigen Kerl, es war ein gutes Lachen, eines, das sagt: Ich mag dich. Als er wieder spielte, grinste er, schaute so von unten - das war charmant.

All das möchte man erleben, all das ist Bernd Begemann, und deshalb wäre ein Buch vielleicht doch nicht ideal, es böte ja nur einen Teil von ihm. Konzert ist besser.

Quelle: rpo