Der Wacken-Wahnsinn

Was Metal so aus Menschen macht

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Alljährlich bringt Wacken, das größte Metal-Festival der Welt, die Weide zum Beben. 80.000 Fans fallen in die dörflichen Supermärkte ein und kaufen die Bierregale leer. Die Einheimischen haben sich daran gewöhnt. Sie wissen: Eigentliche sind Schwermetaller ziemlich liebenswert. Die niedlichsten zeigt unser Foto-Rückblick. Das kleine, beschauliche Wacken in Schleswig-Holstein. Normalerweise grasen dort Kühe auf den weiten Wiesen, die Menschen reden plattdütsch und eher wenig. Bis zum Sommer. Dann steht das Wacken-Festival auf dem Programm.

20 Jahre hat das aus einer Laune heraus von einheimischen Fans entwickelte Metal-Fest schon auf dem Buckel. In der Nacht von Samstag auf Sonntag ging nun die Jubiläumsausgabe zu Ende. Motto: "20 Years Louder Than Hell" - (20 Jahre lauter als die Hölle). International hat das sich in diesen Jahren einen hervorragenden Ruf erworben. Das Lineup auf der Bühne war auch an diesen drei wilden Tagen im Hochsommer wieder einmal geschmückt mit großen Namen der Szene. Doro, Saxon oder Motörhead etwa.

Seinen großen Reiz bezieht Wacken jedoch nicht nur aus der eindrucksvoll langen Liste renommierter Bands aus dem Schwermetallgewerbe. Es ist vielmehr der Kontrast von zwei Dingen, die so gar nicht zueinander passen wollen: die bis an den Horizont reichenden Kuhweiden und die kriegerisch anmutenden, rund 80.000 Gäste.

Liebenswerter Doku-Film

Die südkoreanische Regisseurin Cho Sung-hyung hat 2005/06 in einem liebevoll gemachten Dokumentarfilm mit dem Titel "Full Metal Village" gezeigt, wie die für Außenstehende furchteinflößenden Besucher und die Bewohner der kleinen Gemeinde einander ans Herz gewachsen sind. Denn so fremdartig die "Wilden" auf die Bewohner auch wirken mögen – die Wackener haben gelernt, dass die aus der ganzen Welt herbeiströmenden Gäste einfach nur feiern, grillen und Spaß haben wollen wie das die Bauern aus Schleswig-Holstein auf ihrem Dorffest tun.

Mit einer kleinen Ausnahme: Wacken-Besucher bevorzugen etwas lautere Musik. Wenn aber die Bands ihre Verstärker aufdrehen und Gitarrendonner mit einer Lautstärke von bis zu 120 Dezibel über die Wiesen schallt, wird wohl auch dem ein oder anderen Wackener etwas klamm. Denn dann wird gebangt, was die Haare hergeben, Gesichter verzerren sich zu bizarren Fratzen, Adrenalin und ekstatisches Röhren vermengen sich im bunten Geschehen. Wenn der letzte Stecker gezogen ist, wirkt alles wie ein lauter Traum. Alles vorbei. Und Wacken freut sich auf das nächste Jahr.

Inzwischen weist die Gemeinde (261 Einwohner je Quadratkilometer ) in ihrem Terminkalender stolz auf das Event hin: "Sie werden feststellen, dass wir eine sehr lebendige Gemeinde sind, in der für alle Altersgruppen etwas los ist. Dass wir eine tolerante und weltoffene Gemeinde sind, bestätigen uns jedes Jahr im August Tausende Besucher des Wacken-Open-Air-Festivals", heißt es unter wacken.de. Bis es soweit ist, füllen andere Angebote den Event-Kalender. Für den September ist Bundestagswahl angekündigt, im Oktober folgt der Laternenlauf.

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Quelle: rpo