Düsseldorfer Band

"Pauly": Popmusik mit der Faust in der Tasche

Düsseldorfer Band: "Pauly": Popmusik mit der Faust in der Tasche Düsseldorfer Band: "Pauly": Popmusik mit der Faust in der Tasche Foto: René Omenzetter
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Die Band Pauly veröffentlicht ihre erste Platte. Es sind fünf Songs zwischen Aufbruch und Melancholie.

Er ist kein Geschichtenerzähler. Er deutet an, singt kurze Sätze, singt von Liebe, von Kopfhochhalten und Vermissen. Adrian Pauly, 24, Frontmann der fünfköpfigen Band Pauly, sieht sich nicht als epischen Poeten. "Es sind oft Vier-Zeiler, die gewisse Bilder bei den Leuten erzeugen", sagt er. Es geht um Grundsätzliches, um das, was gute Musik transportieren soll, ein gewisses Gefühl, eine Stimmung. Bei Pauly und ihrer Platte "Where We Started", die am Freitag digital erscheint, ist es ein Gefühl zwischen Aufbruch und Melancholie, verpackt in ein einfaches, aber nicht plumpes Englisch.

Für eine junge deutsche Band ist es heute fast schon exotisch, nicht auf Deutsch zu singen, aber Adrian Pauly hat sich ganz bewusst dafür entschieden. "Wenn meine Eltern früher Platten aufgelegt haben, war es immer englischsprachige Musik." Deutsch müsse man immer erst aufbrechen, damit es nicht zu sperrig klinge. Er kennt nur einige, die das seiner Meinung nach hin-bekommen. Freundeskreise gehören dazu, und Bosse.

Am 6. September im zakk: Pauly stellen erste gemeinsame Single "Clouds" vor Am 6. September im zakk Pauly stellen erste gemeinsame Single "Clouds" vor Zum Artikel » Seit Teenagerzeiten macht Adrian Pauly, der in Lörick aufwuchs und heute in Pempelfort lebt, Musik. Er nimmt seine Gitarre zur Hand und lässt seine Gedanken in die Musik fließen. Erst allein, dann mit zwei Freunden. Seit 2013 spielen Pauly, die vorher Adrian Pauly und Band hießen, in dieser Besetzung zusammen. Sie treffen sich zwei Mal die Woche zum Proben und arbeiten an neuen Songs, wenn sie nicht gerade studieren oder arbeiten. Adrian Pauly studiert Kulturpädagogik in Mönchengladbach, hat zuvor eine Ausbildung zum Veranstaltungskaufmann gemacht. Er wirkt nicht wie einer, der vom großen Durchbruch träumt, eher wie einer, der ohne Musik einfach nicht klarkäme. "Es ist mein Ventil, so wie andere gegen einen Ball treten. Ich habe etwas zu sagen, wir als Band haben etwas zu sagen, und das machen wir mit unserer Musik." Ein Freund hat den Stil der Band mal als "Alternative Pop" beschrieben. Adrian Pauly gefällt das. Es ist tatsächlich Popmusik, melodisch, gut aufgebaut, ein harmonisches Zusammenspiel von Gitarre und Keyboard, irgendwo zwischen Bosse und Travis.

Pauly, der noch jünger aussieht, als er ist, versteht sich aber nicht als einen dieser blassen Singer/Songwriter mit Dauer-Weltschmerz. Gerade während ihrer Konzerte geht es auch mal richtig zur Sache. "Wir sind nicht festgelegt, es gibt langsame Songs und harte. Wir machen Popmusik mit der Faust in der Tasche." Ihre Konzerte sind das Kapital der Band, die mal einen Newcomer-Wettbewerb im Zakk gewonnen hat und 2011 auf der Talentbühne des Open-Source-Festivals spielte. Wer (noch) keinen großen Namen hat, dem werden die Auftritte nicht gerade hinterhergeschmissen, er muss viel schreiben, telefonieren, sich in Clubs umsehen. Im November haben Pauly in einem Hamburger Club vor 400 Leuten als Vorband der Gruppe Tonbandgerät gespielt. "Viele von denen, die da waren, kamen dann auch kurze Zeit später zu unserem Auftritt im Zakk, wo wir unsere EP vor 200 Leuten vorgestellt haben", erzählt Adrian Pauly, und seine Augen blitzen kurz auf vor Stolz.

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Sie zahlen lieber dafür, mit guten Bands auf Tour zu gehen, statt bei großen Labels die Klinken zu putzen. Ihre neue EP schicken sie an lokale Radiosender, Blogs und Musikmagazine. Im April werden sie einige Auftritte in Düsseldorf spielen und hoffen dann auf den Festivalsommer. Nur eines wollen sie sich gönnen: eine Booking-Agentur. "Es ist schon viel Arbeit, die ganzen Auftritte zu organisieren." Hilfe, die würde sich Adrian Pauly auch innerhalb der Düsseldorfer Musikszene wünschen. Sie sei zwar vielfältiger, als es den Anschein habe, aber es fehle an Zusammenhalt. "Wir haben mal mit drei anderen Bands im Zakk gespielt, und alle kamen nur für ihre Auftritte und gingen dann wieder. Wir müssen mehr aufeinander zugehen."

Bis dahin kümmern er und seine vier Kollegen sich selbst um alles, sie warten nicht auf ein Wunder oder den Superproduzenten, der irgendwann kommt und sie groß rausbringen will. Sie haben sich schon in einem kleinen Kreis etabliert, nun geht es darum, den Kreis zu vergrößern. Pauly kann der "Marke" auch einen Namen geben. "Wir sind die einzige Popband Düsseldorfs. Alle sind irgendwie Indie, aber das ist kein richtiges Genre." Die Faust in der Tasche ist bei diesem Pop eher dezent zu hören, aber es ist gut zu wissen, dass es sie gibt.

Quelle: RP