Electro-Pop von "Bar"

Liebeslieder aus dem Kneipenkeller

Electro-Pop von "Bar": Liebeslieder aus dem Kneipenkeller Electro-Pop von "Bar": Liebeslieder aus dem Kneipenkeller Foto: Orson Sieverding
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Lucas Croon von der Band Stabil Elite und seine Freundin Christina Irrgang nennen sich "Bar" (Band am Rhein). Ihr Debüt bietet zarten Electro-Pop. Diese Platte ist eine Herzensangelegenheit, und ihre Geschichte beginnt am S-Bahnhof in Garath.

Im vergangenen Jahr gab es dort eine Vorstellung des Düsseldorfer Schauspielhauses in der Reihe "Enthusiasm". Es ging um Städtebau und Stadtplanung, um die Verbindung von Kultur, Politik und Geschichte am Beispiel des von vielen als sozialer Brennpunkt bezeichneten Stadtteils Garath. Kein Ort, an dem man die blaue Blume pflücken möchte, sollte man meinen. Die Kunsthistorikerin Christina Irrgang hielt damals einen Vortrag, Lucas Croon von der Band Stabil Elite machte Musik. "Sie saß mit durchgedrücktem Rücken da", erinnert sich der 27-Jährige, "sie hatte eine tolle Haltung". Er lud Irrgang nach dem Theaterabend auf eine Pizza in Garath ein und fuhr sie danach heim – in jenem Lieferwagen, auf dem in Schreibschrift der Name der elterlichen Kneipe prangt. "Am Ende fragte er ganz höflich nach meiner Telefon-Nummer", sagt die 30-Jährige.

Irrgang und Croon haben soeben ihre erste Platte als Duo veröffentlicht. Sie nennen sich Bar, was die Abkürzung für "Band am Rhein" ist. Aus drei Buchstaben sollte der Bandname bestehen, wie der ihrer musikalischen Helden Neu!, Can und DAF. Auf "Welcome To Bar" hört man versonnenen Synthie-Pop, der eindeutig der Musiktradition Düsseldorfs zuzuordnen ist. Das sind sehr schöne, feine Lieder. Originell, aber mit Anklängen an Gruppen wie Propaganda. Christina Irrgangs Stimme erinnert an die von Claudia Brücken, und für die Promo-Bilder zur Plattenveröffentlichung kämmte sie sich das blonde Haar streng hinter die Ohren wie einst die Sängerin von Hits wie "Duel" und "Dr. Mabuse".

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Die beiden sitzen nun in Lucas Croons Derendorfer Studio im Keller unter der Bar "Croons". Zwischen Keyboards, Minimoog, iMac, Sofa und Piano ist ein bisschen Platz, da standen sie einander während der Aufnahmen gegenüber und sangen sich an. Vielleicht hat die verwischte Stimme Croons auf der Platte deshalb so etwas Schwärmerisches. Die Atmosphäre einiger Songs mutet ähnlich an wie die des Lieds "Wenn der Mond die Sonne berührt" von Hubert Kah, einem der schönsten Popsongs aus Deutschland in den 80er Jahren. Croon selbst nennt allerdings lieber Air und Kate Bush als Referenzen.

Irrgang arbeitet in der Galerie Max Meyer, sie promoviert über Hitlers Fotografen Heinrich Hoffmann. Sie hat sich zwar immer für die Verbindung von Musik und Kunst interessiert. Aber: Wie kam es zur Idee, selbst eine Platte aufzunehmen? "Lucas und ich waren im Oktober in Los Angeles", erzählt sie. Er habe dort Musik gemacht, und da sie länger blieb als er, ließ er ihr die Aufnahmen da. Sie hörte sie wieder und wieder, mailte ihm Vorschläge, was er anders oder besser machen könnte. Er fragte: "Warum machen wir es nicht einfach gemeinsam?"

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Es sprudelte aus ihnen heraus, so beschreiben sie die nächsten drei Monate, in denen die sieben Songs produziert wurden. Vor allem auf Reisen waren sie produktiv. Auf Borkum entstand ein Song, ein anderer daheim bei ihren Eltern in Hessen. "Sie hat ein einzigartiges Gespür, ein tolles Gehör, sie lernt schnell, kriegt alles super hin", sagt Croon über seine Partnerin. Die lächelt.

Vor zwei Jahren veröffentlichte Croon mit seiner Band Stabil Elite das Album "Douze Pouze". Die Platte wurde gut besprochen, fand weithin Beachtung, die Band ging auf eine große Tournee, Croon gilt seither als eines der größten Talente der Stadt. Wäre es nicht besser gewesen, mit Stabil Elite rasch einen Nachfolger herauszubringen? "Wir waren sehr weit mit dem zweiten Album, haben dann aber alles verworfen", sagt Croon. "Aber das neue Album kommt demnächst. Bar ist ja kein Projekt gegen Stabil Elite. Bar ist einfach passiert." Auf der Rückseite des schönen, von Irrgang aus Fotos von gemeinsamen Reisen gestalteten Covers grüßt Croon denn auch die Mitglieder von Stabil Elite.

Am 12. Juli führen Croon und Irrgang ihre Songs beim Open-Source-Festival an der Rennbahn in Grafenberg auf. Marion Strehlow entwirft die Bühnenkostüme, und man wird außer Synthesizern auch Flöten hören, Klanghölzer und ein Pocket-Piano. Irrgang und Croon werden einander auch auf der Bühne gegenüberstehen und sich ansingen.

Soeben haben sie übrigens den ersten Jahrestag ihrer Beziehung gefeiert. In Garath.

Quelle: RP