Erfolgs-Duo Ich+Ich

"Wir wollen nicht nur für den Markt funktionieren"

Erfolgs-Duo Ich+Ich: "Wir wollen nicht nur für den Markt funktionieren" Erfolgs-Duo Ich+Ich: "Wir wollen nicht nur für den Markt funktionieren" Foto: AP, AP

Das Berliner Duo Adel Tawil und Anette Humpe, besser bekannt als Ich+Ich, bringt am 13.November sein neues Album "Gute Reise" heraus. Glaubt man der Plattenfirma, stellt die Platte eine "nächste Zäsur" in ihrem Wirken dar. Annette Humpe sagt dazu: "Das soll wohl ausdrücken, dass jetzt erst einmal die neue Platte und die Tour kommen, wir danach eine kleine Pause machen, dann andere Projekte verfolgen und es vielleicht erst wieder in fünf Jahren ein Ich+Ich-Album gibt."

"Gute Reise" lautet das dritte Werk von Ich+Ich. Dessen Vorgänger "Vom selben Stern" aus dem Jahr 2007 verkaufte sich mehr als 1,25 Millionen Mal und erklomm die Spitze der deutschen Albumcharts. Das Debüt der beiden, "Ich+Ich", kam 2005 heraus. Bislang lag der Veröffentlichungsrhythmus also bei zwei Jahren.

Das soll aber nicht zur Routine werden, wie die 59-jährige Annette Humpe sagt: "Wir wollen nicht immer nur für den Markt funktionieren und strammstehen." Die Zeiten, in denen man jeden Herbst ein neues Album herausbringen musste, weil die Plattenfirma das wollte, seien für sie vorbei.

So gehen die beiden auch mit einem gehörigen Maß Gelassenheit an die Veröffentlichung des neuen Albums. "Wir wissen, dass es eine bestimmte Erwartung an uns gibt, versuchen aber, sie so weit es geht von uns fernzuhalten", sagt der 31-jährige Tawil, der einigen noch als Mitglied der im Jahr 2000 aufgelösten Boygroup The Boyz ein Begriff sein könnte.

Trotz des Versuchs, jeglichen Druck von sich fernzuhalten, ist Tawil bei der Vorstellung einer neuen CD und auch bei Konzerten immer wieder aufgeregt: "Wenn ich ein paar Wochen nicht auf der Bühne war und dann wieder rauf soll, muss man mich da fast raufschubsen." Am Anfang zitterten seine Hände immer so stark, dass er sich am Mikrofonständer förmlich festklammern müsse, sagt er.

Für ihre dritte Platte haben Humpe und Tawil zwölf eingängige Popsongs aufgenommen, darunter temporeiche Nummern wie die bereits ausgekoppelte Single "Pflaster" und Balladen wie "Die Lebenden und die Toten", die von Humpe gesungen wird. Im Grunde lautet die Aufteilung aber bei den beiden: Humpe schreibt die Texte und entwickelt "Fetzen mit Melodien", die dann gemeinsam mit Tawil und den Produzenten zum Endprodukt weiterentwickelt werden - und dann von Tawil auch gesungen werden.

Wie immer zeichnen sich Humpes Texte durch eine klare, emotionale Sprache aus - und das ist es auch, wofür der Begriff Pop für sie steht: "Emotionale Bilder, schöne Melodien, eindeutige Texte." Besonders gelungen ist das bei dem Lied "Einer von zweien", in dem es um zwei Menschen geht, von denen einer ein Gewinnertyp ist und der andere ein Haderer und Zweifler: "Irgendwie stellt sich jeder, der das Lied hört, hinter den einen, der zu viel grübelt und der sich manchmal was nicht traut - das finde ich bemerkenswert", sagt Humpe.

Grundlage für alle Lieder sind Situationen und Gefühle, die jeder Mensch kennt, und die Ich+Ich in angenehme Melodien und hintergründige Texte packen. "Alleine tanzen" ist eines davon. "Das Lied erinnert mich immer an einen Schulball, wie ich ihn auch selbst schon erlebt habe: Wo ich zu schüchtern war, diejenige anzusprechen, mit der ich tanzen wollte und dann mein bester Kumpel mit ihr abgehauen ist", erzählt Tawil.

Musikalische Überraschungen gibt es auf der Platte nicht, gleichwohl Tawil darauf verweist, "dass wir jetzt noch mehr Live-Sound auf dem Album haben, also mehr Anteile der Ich+Ich-Band". Bemerkenswert ist allerdings der Einsatz des ägyptischen Sängers Mohamed Mounir in dem orientalisch klingenden "Yasmine". "Arabische Grooves - davon könnte ich mir auch auf einem neuen Ich+Ich-Album mehr vorstellen", sagt Humpe.

Dass in ein paar Jahren solche Alben vielleicht gar nicht mehr als CD veröffentlicht, sondern nur noch als Musik-Dateien zum Download angeboten werden, schreckt die beiden nicht: "Ich finde es natürlich ein bisschen unromantisch, sich von der CD zu verabschieden, aber der Abschied von Vinyl war noch schwieriger", sagt Tawil. Ein weiterer Wehrmutstropfen könnte seiner Ansicht nach sein, dass das Konzept eines Albums ein bisschen in den Hintergrund tritt, wenn alle Lieder auch einzeln gekauft werden können. "Andererseits glaube ich, dass durch die Möglichkeiten der Digitalisierung von Musik unglaublich viel Kreativität an den Start kommen wird", fügt Humpe hinzu.

Quelle: rpo