Erstes Album nach der Wiedervereinigung

Überraschende Wandlung von Take That

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Die britische Band Take That veröffentlicht am Freitag ihr erstes Album nach der Wiedervereinigung mit Robbie Williams. Und "Progress" verblüfft: Statt der erwarteten Balladen bieten die Enddreißiger euphorisierenden Disco-Pop. Eingerichtet wurde er von Madonna-Produzent Stuart Price.

Und dann veröffentlichen sie eine solche Platte. "Progress" klingt unerhört, das ist etwas Neues, kaum ein Song verdient die Bezeichnung Ballade, dabei gilt doch gerade sie als Kernkompetenz dieser Band, die Edelschnulze, der Tränenzieher, der Herzerwärmer. Aber das ist nun vorbei, fast alles ist schnell hier und manches gar irre. Im ersten und durchaus gelungenen Album der Band Take That als Quintett seit 1995 steckt eine gehörige Portion Wahnsinn: verzerrte Stimmen und mit viel Elektronik barock ausstaffierte Nummern für Discotänzer in Prosecco-Laune. Was für eine Überraschung.

Williams - vom Aussteiger zum Solokünstler

Diese Gruppe ist faszinierend, sie hat das gewisse Etwas, das muss man sagen. 1991 erschien die erste Single, eine singende Tanzmaschine wie so viele, dachte man zunächst. Allmählich nur kam der Erfolg, und er war überwältigend. Die Stücke "Relight My Fire", "Babe", "Never Forget" hat man noch im Ohr. "Back For Good", die vorletzte Single mit Robbie Williams, erreichte 1995 in 31 Ländern Platz eins, und sogar auf dem US-Markt, der von Europa aus kaum mehr zu knacken ist, gelang der Sprung in die Top 10. Zu viert verabschiedeten sie sich schließlich mit "How Deep Is Your Love", Robbie Williams bereitete da schon seinen Aufstieg zum erfolgreichsten Solokünstler der späten 90er Jahre vor.

Seine Kollegen fanden weniger Zuspruch. Gary Barlow, der musikalische Kopf der frühen Take That, der vom Knute schwingenden Manager Nigel Martin-Smith als Arrangeur aufgebaute Hochbegabte, hatte mit seinen ersten beiden Solotiteln zwar Erfolg, doch dann verlor er den Plattenvertrag. Mark Owen, Howard Donald und Jason Orange pendelten zwischen Landhaus, thailändischen Stränden, Hochschule und Tonstudio, wurden aber, nachdem sich die Aufregung um das Ende von Take That im Jahr 1996 gelegt hatte, lediglich ab und an von Reportern behelligt.

Dann das Wunder: Take That taten sich 2006 ohne Robbie Williams noch einmal zusammen, trotz aller Abstürze gut gealtert. Eigentlich funktioniert sowas nicht: die Reaktivierung der Boygroup als alte Männer. Aber es ging weiter mit den Superlativen und noch höher hinaus – wirtschaftlich soll diese Phase einträglicher gewesen sein als der Beginn: erfolgreichste Single der Bandgeschichte, am schnellsten ausverkaufte Tournee Großbritanniens, zwei Alben, beide auf Nummer eins.

In England wurde die CD am ersten Tag 235.000 Mal verkauft

Zuletzt war die Gruppe größer als der verlorene Bruder Williams, dessen aktuelles Album bereits als Flop abgehakt ist. Für beide Seiten dürfte die Wiedervereinigung also ein Gewinn sein: Von bis zu 15 Millionen Pfund Gage pro Bandmitglied ist die Rede. Sicher wird bald aufgerundet: In England ist das Album, das bei uns morgen erscheint, seit Montag in den Läden. Am ersten Tag hat es sich 235 000 Mal verkauft – die letzte CD, die mit mehr Käufern startete, war 1997 "Be Here Now" von Oasis.

"Progress" also, Fortschritt, Modernisierung, Aufbruch. Die erste Single "The Flood" kommt noch im beinahe klassischen Gary-Barlow-Gewand daher. Fängt episch an, steigert sich allmählich, jeder hat seinen Auftritt, und dann drehen sie den Hörern gemeinsam den Refrain in die Ohren. So ähnlich würde Take That mit Robbie Williams klingen, hatte man gedacht, ganz gut, vielleicht ein bisschen gediegen, alte Schule halt. Aber sie haben etwas gewagt. Sie wussten, dass man einen prominenten Produzenten braucht, also engagierten sie Stuart Price für die Rückkehr. Price ist das Wunderkind aus der Glam-Disco, er richtete Madonna den Welthit "Confessions On A Dancefloor" ein, er designt den Sound von Bands wie Killers und Scissor Sisters.

Diese Einflüsse spürt man, die Beats sind schwer, die Strophen werden in tiefen Lagen gesungen, die Refrains durch Stimmen im Falsett beschleunigt. "SOS" ist überdreht und bewusst übersteuert, "Kidz" ein verzerrter Marsch, der nur eins im Sinn hat: immer weiter durchbrechen. "Underground Machine" ist eins zu eins Robbie Williams in der "Rudebox"-Phase: komplexe Frickel-Effekte tanzen auf billigster Elektronik, die glücklich machen möchte.

Die perfekte Platte für ein Klassentreffen

So geht es weiter, Stuart Price baut Breaks in viele Stücke ein, lässt den Song nach kurzer Unterbrechung auf doppelte Geschwindigkeit fahren und macht, dass man schmunzeln muss und ins Freie will. Madonnas Song "Hung Up" ist eindeutig als Ideal zu erkennen. Allein das Finale "Eight Letters" nimmt Tempo raus, türmt Kitsch Schicht auf Schicht. "Eight Letters, Three Words, One Meaning", singen sie, da weiß man, wo man ist; 90er Jahre, zum Seufzen. Man wird es im Advent häufig im Radio hören.

"Progress" ist die perfekte Platte für ein Klassentreffen, für ein Ereignis, das die Beteiligten als etwas Besonderes betrachten, das also Berauschtheit und Ekstase erlaubt, Ausgelassensein. Eine Platte, die vielleicht nicht schräg genug ist, um als Heldentat in die jüngere Pophistorie einzugehen, das nicht. Aber eine Platte für heute Abend, eine Platte, die nicht an morgen denkt, unbeschwert ist und so viel Kohlensäure hat, dass es schäumt.

Kurzum: eine Platte, die sich freut, dich wiederzusehen.

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Quelle: rpo