Herzensangelegenheit

Düsseldorfer Band wrackt CDs ab

Herzensangelegenheit: Düsseldorfer Band wrackt CDs ab Herzensangelegenheit: Düsseldorfer Band wrackt CDs ab Foto: rpo
Von |

Das Rock-Quartett Stigma lädt Musikfans ein, ihre Jugendsünden zu verschrotten. Dafür erhalten sie für vier Euro die aktuellen CDs der Band, ihrer Labelkollegen und der Gruppe, die Stigma im Sommer mit auf Tour nimmt: die Toten Hosen. Die gute Nachricht: Milli Vanilli und die Kelly Family kehren zurück. Die richtig gute Nachricht: aber nur für sehr kurze Zeit. Ein, vielleicht zwei Lieder werden auf dem Schrottplatz „D & B Hönig“ an der Fichtenstraße 25 im Düsseldorfer Stadtteil Flingern erklingen, dann bleibt nur noch ein Klumpen Polycarbonat von den Werken der 90er-Jahre-Helden zurück. Die Alternative-Rockband Stigma leiht den Musikfans der Landeshauptstadt Hammer, Axt und Säge, um sich am 30. Mai zwischen 15 und 17 Uhr ihrer CD gewordenen Jugendsünden zu entledigen.

Die Abwrackprämie von Stigma übertrifft die der Bundesregierung mindestens relativ. Denn das neue Produkt gibt es am 30. Mai für weniger als ein Drittel des Originalpreises. Die Band verkauft ihr jüngstes Album, „Komawunderland“ für vier statt 14Euro. Zum selben Kurs gibt es auch Platten der Stigma-Labelkollegen Cho-Jin, Capricorn, Age of Orange und Pilot sowie CDs vom Stapel, den Stigma-Förderer Wolfgang „Wölli“ Rohde organisiert hat. Der Mann war früher der Schlagzeuger der Toten Hosen und hat von seinen alten Kumpels einige Alben für die Aktion erhalten.

Den Abschied von den alten CDs gestalten Stigma angenehm und schmerzhaft zugleich. Sie versprechen ihren Gästen Freibier, ein amtliches Grillfest und reizvolle Gerätschaften zum Verschrotten, aber auch zu viel Neugier. „Wir sind sehr gespannt, was die Leute mitbringen. Wenn etwas besonders Schreckliches dabei ist, wird das auf jeden Fall noch einmal gespielt“, sagt Gitarrist Srdjan Mrdjanov.

Mit der Abwrackaktion beginnt für Stigma ein spannender Frühsommer. Das Quartett wird die Toten Hosen zu deren Open-Air-Konzerten begleiten. In Bremerhaven (6. Juni), beim Ferropolis-Festival (20. Juni) und im Strandbad Losheim (29. August) eröffnen Stigma die Hosen-Shows. „Es wird keine Ansagen oder Pausen geben, wir werden gnadenlos Vollgas geben und die Hosen-Fans nicht zu Atem kommen lassen“, kündigt Srdjan Mrdjanov an, dessen Band die Toten Hosen mit einem speziellen Album für sich begeisterte. „Wir haben unsere härtesten Stücke auf eine CD gebrannt und ihnen zugeschickt. Einen Tag später rief Campino an.“

Für Stigma bedeutet die zweite Zusammenarbeit mit den Hosen (beide Bands spielten 2004 schon einmal gemeinsam vor ausverkauftem Haus) einen wichtigen Schub in einer kritischen Phase. Seit mittlerweile elf Jahren spielen Marcus Modwozinski, Tim Schulte, Sven Hansen und Srdjan Mrdjanov zusammen, fast ebenso lange gelten sie als talentierteste und aussichtsreichste Band im Großraum Düsseldorf. Dennoch wird die Band immer wieder vom Pech verfolgt: Zwei Wochen bevor sie ihr jüngstes Album „Komawunderland“ veröffentlichte, brachte eine italienische Band, die sich ebenfalls Stigma nennt, eine neue Platte auf den Markt. Viele Musikmagazine besprachen die neue CD der deutschen Stigma nicht, weil sie annahmen, sie hätten es zwei Wochen zuvor bereits getan.

Das Vertrauen der Toten Hosen hat nun viel in Bewegung gesetzt. Eine Reihe von Konzert- und Festivalveranstaltern haben angefragt, ob sie Stigma für den Herbst buchen können, die Bandmitglieder arbeiten intensiv an neuen Liedern und ihrer Show: „Wir werden uns erstmals Videos von Konzerten angucken, um zu sehen, was wir noch besser machen können.“

Bei ihrer Abwrackaktion werden die Düsseldorfer dagegen auftreten wie jeder andere Besucher. „Ich habe die erste Kassette von New Kids On The Block gefunden“, sagt Mrdjanov. „Die wird den Nachmittag auf keinen Fall überleben.“

Quelle: rpo