Im Interview

Kevin Costner – der Rockstar

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Das Debüt des Wolftänzers: Schauspieler Kevin Costner bringt Album raus Das Debüt des Wolftänzers: Schauspieler Kevin Costner bringt Album raus Das Debüt des Wolftänzers: Schauspieler Kevin Costner bringt Album raus Das Debüt des Wolftänzers Schauspieler Kevin Costner bringt Album raus 4 Fotos Hollywoodstar Kevin Costner widmet sich neuerdings seiner zweiten Leidenschaft, der Musik. Mit seiner Band Modern West gibt er in Jüchen zwei Konzerte. Ein Gespräch über Glück, Kinder und das einfache Leben. Kevin Costner liebt es lässig. "Hi, hier ist Kevin", meldet sich der Filmstar am Telefon aus Santa Barbara und erzählt gut gelaunt von seinem neuen Faible – der Musik. Wie schon andere Schauspieler (Keanu Reeves, Johnny Depp, Bruce Willis) vor ihm greift Costner neuerdings zur Gitarre und singt. Ein wenig nach Bruce Springsteen klingen seine Songs, sind auf jeden Fall im amerikanischen Mainstream verortet, irgendwo zwischen Rock und Country. Im Gespräch wird deutlich, dass es ihm sehr ernst ist mit seiner Musik.

Kevin Costner bleibt musikalisch seinen Vorlieben treu – denn geprägt hat ihn das ländliche Amerika, vor allem der Westen. Auch zwei seiner besten Filme sind Western: "Der mit dem Wolf tanzt" und "Open Range". Costner lebt mit seiner deutschstämmigen Frau Christine Baumgartner und seinen zwei kleinen Söhnen auf einer weitläufigen Ranch in Aspen, Colorado, und in Santa Barbara, Kalifornien. Musik, Filme und Leben fügen sich bei ihm zu einem authentischen Gesamtbild.

Warum haben Sie die Leinwand mit der Konzertbühne getauscht?

Kevin Costner Das hat viel mit meiner Frau zu tun. Sie hat bemerkt, dass es mich glücklich macht zu musizieren. So habe ich während der Filmdrehs immer öfter zur Gitarre gegriffen, und die ganze Sache ist allmählich gewachsen. Tatsächlich macht es mich sehr froh, vor einem Publikum Musik zu spielen.

Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen Filmen und Musizieren?

Kevin Costner Ich mag es, unter anderen Menschen zu sein, ich liebe den Austausch. Außerdem bekommen die Leute so eine bessere Vorstellung davon, wer ich bin und was mich bewegt.

Was waren Ihre ersten Erfahrungen mit Musik?

Kevin Costner Ich bin in einer sehr frommen Familie aufgewachsen, habe im Kirchenchor gesungen, klassisches Piano gelernt, aber auch als Kind in Musicals gespielt. Ich habe Musik immer geliebt, genauso wie Sie wahrscheinlich. Die meisten Menschen lieben Musik.

Wie bringen Sie das Filmemachen und die Musik unter einen Hut?

Kevin Costner Wenn ich filme, konzentriere ich mich hauptsächlich darauf. Allerdings habe ich für meinen letzten Film, "Swing Vote", auch einen Song geschrieben. Mittlerweile macht mir die Musik aber einen solchen Spaß, dass sie immer mehr in den Vordergrund rückt. Und ich kann es kaum glauben, dass die Leute das mögen, was ich mache, dass ich jetzt auch nach Deutschland komme. Ehrlich gesagt habe ich ein wenig Angst davor, hier zu spielen.

Diese Angst zu scheitern, welche Rolle spielt die bei Ihnen?

Kevin Costner Sicher schwingt das immer mit. Doch ich hatte nie allzu große Angst. Ich wusste, dass meine Popularität mir vielleicht im Wege steht. Aber ich wollte beispielsweise nie eine Platte aufnehmen, sondern live spielen. Ich weiß, dass die Verkaufszahlen eines Albums gerne als Maßstab für den Erfolg gewertet werden. Ich sehe das anders. Für mich ist das Publikum der beste Kritiker – und der einzige Grund, warum ich Musik mache. Wissen Sie, in den USA ist es eine Art Sport, andere zu kritisieren, aber ich wollte mir meine Kreativität davon nicht kaputt machen lassen.

Sie singen in Ihren Liedern von den Sorgen und Nöten einfacher Menschen. Sind Sie als Filmstar nicht weit entfernt von einem einfachen Leben?

Kevin Costner Wenn meine Kinder im Matsch spielen, setze ich mich zu ihnen – das fühlt sich einfach an. Wenn es das Größte für sie ist, eine Schaukel zu besitzen, baue ich ihnen eine – das ist für mich einfach. Ich lebe nicht in einem Schloss, sondern wechsel meinem Sohn die Windeln und suche einen Cartoon für ihn aus. Das verstehe ich unter einfachem Leben. Die Leute irren sich, wenn sie denken, Stars führen ein glamouröses Leben. Einige vielleicht, aber ich nicht. Ich lebe vielleicht ein ungewöhnliches Leben, jedoch nicht abgeschottet von anderen – mein Dasein ist sicher nicht großartig anders als Ihres.

Wie ist es, zum zweiten Mal im Leben eine junge Familie zu haben?

Kevin Costner Ich versuche so oft wie möglich am Leben meiner Kinder teilzuhaben. Man muss ein Teil dessen sein, was wichtig ist für sie.

Sie leben fern vom Film-Rummel in Aspen und in Santa Barbara.

Kevin Costner Ich liebe es, in den Bergen und in der Natur zu sein. Zu Ihrer Frage von vorhin: Meine Kinder sollen die Vorzüge eines einfachen Lebens erfahren, dass es Spaß macht, im Wasser zu sein, zu fischen und Kanu zu fahren. Deshalb lebe ich außerhalb der Stadt.

Können Sie sich dort frei bewegen?

Kevin Costner Ich reise sogar alleine, wenn mir danach ist. Letztes Jahr war ich alleine mit dem Auto im Südwesten unterwegs, um mich dort für ein Drehbuch inspirieren zu lassen. Man kennt mich zwar überall auf der Welt, aber ich denke nicht darüber nach. Ich habe keine Angst davor, irgendwo alleine aufzutauchen, ich brauche auch keine Bodyguards oder eine Entourage. Ich bin ein einsamer Wolf. (lacht)

Wie wollen Sie künftig Musik und Film miteinander verbinden, ohne eines von beiden zu vernachlässigen?

Kevin Costner Ich will das anders machen als bisher. Wahrscheinlich drehe ich im Frühjahr einen Film in Italien. Am Wochenende will ich dann irgendwo in Europa mit meiner Band auftreten.

Die Musik wird also künftig ein wichtiger Bestandteil Ihres Lebens.

Kevin Costner Sie wird immer wichtiger. Aber man muss erst mal abwarten. Ich weiß, dass ich ein sehr amerikanischer Typ bin, und das ist nicht so angesagt in Europa. Ich bin kein Country-Rocker, ich spiele Rock'n'Roll – ich bin eben durch und durch amerikanisch.

Jörg Isringhaus führte das Gespräch.

Quelle: rpo