Interview mit Smudo

Natürlich dürfen Männer tanzen!

Interview mit Smudo: Natürlich dürfen Männer tanzen! Interview mit Smudo: Natürlich dürfen Männer tanzen! Foto: ddp
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Bürgerlich heißt er Michael Bernd Schmidt und als Popstar Smudo. Das Mitglied der Fantastischen Vier hat in den 1990er Jahren mit Stücken wie „Die da“, Sie ist weg“ und „MfG“ den deutschen Sprechgesang populär gemacht. Weniger bekannt ist, dass Smudo auch als DJ gute Figur macht. Samstag sorgt der 40-jährige gebürtige Offenbacher im Stahlwerk für die musikalische Untermalung der Rollerdiso. Welchen Stil werden Sie auflegen?

Smudo Ich bin noch relativ unvorbereitet, was mein Set angeht. Meine Hauptdisziplin ist Old-School-Rap der 1980er und 1990er Jahre. Da kämen KRS One, Fresh Prince, Kurtis Blow auf den Teller. Allerdings ist es ja eine Rollerdisco, und ich hätte auch das entsprechende Glitzerprogramm dabei. Das Programm wird auch davon abhängen, wie der Abend verläuft.

Nennen Sie doch mal drei Stücke, die auf jeden Fall dabei sein werden.

Smudo Zu Ehren der US-Präsidentschaft wird Blowfly mit „First Black President“ gespielt. Desweiteren wird sicher Kurtis Blows „I’m Chillin’“ laufen - ein Rap auf die vergessene House-Musik-Vorlage: Go-Go. Very tanzbar. Als Rausschmeißer wird Weird Al Yankowicz mit „Bohemian Polka“ zu hören sein.

Wie arbeiten Sie: mit Vinyl oder Mp3, spontan oder nach Plan, mit Höhepunkten oder auf hohen Touren?

Smudo Ich lege mit einer Technikausstattung namens „Serato Scratch“ auf, die aus einem Laptop mit Musik, einem Plattenspielern und einer zwischengeschalteten Hardware besteht. Auf der Vinylscheibe ist ein Timecode, der die Musik aus dem Laptop triggert. Es ist wie Vinylauflegen - mit dem Vorteil, dass man sich nicht kaputtschleppt mit Platten. Ich bereite viele Höhepunkte vor. Dauer-auf-die-Zwölf kann ja keine Ausflipp-Höhepunkte bieten.

Was muss ein Song haben, damit er die Menschen zum Tanzen bringt?

Smudo Die Tanzbarkeit liegt im Ohr des Zuhörers.

Was war Ihre erste Platte?

Smudo Durch meinen Vater wurde ich früh an Musik herangeführt. Mit sechs Jahren kaufte ich vom Geld, was ich zur Kommunion bekommen hatte, meine erste Platte: „Zander’s Zorn“ von Frank Zander. „Oh Susi“ war seinerzeit ein Hit.

Sollten Männer tanzen?

Smudo Was für eine Frage! Ja, natürlich. Let’s dance.

Zu welcher Zeit und an welchem Ort hätten Sie gern getanzt?

Smudo Gerne hätte ich die Anfänge der Rapmusik in den New Yorker Clubs in den 1970ern tanzend begleitet. Das wurde allerdings zehn Jahre später in GI-Clubs in Stuttgart nachgeholt und fällt zusammen mit der Geburtsstunde der Fantas.

Wird der Beruf des DJs nicht arg überschätzt?

Smudo Ich finde es nicht gut, wenn man DJs mit Musikern verwechselt und sagt: DJ soundso „spielt“ heute Abend. Man legt ja Platten auf. Allerdings ist die Leistung des DJs nicht zu unterschätzen, ein Gespür für die tanzende Menge entwickeln zu müssen, um innerhalb seines Repertoires die Menschen zur Bewegung zu bringen. Er ist zum einen ein Redakteur des Tanzprogramms, aber auch sein Präsentator. Ein Stimmungsdirigent des Abends. Ein ehrenvoller Beruf.

Was hören Sie daheim am liebsten und was im Club?

Smudo Im Club höre ich am liebsten mein eigenes Programm. Zuhause höre ich ganz gerne mal nichts, oder es dudelt eine Jazz- oder Reggae-Platte im Hintergrund.

Wie feiern Sie privat am liebsten?

Smudo Ich bevorzuge eine gut ausgestattete Bar mit einer Handvoll Freunden.

Philipp Holstein führte das Interview

Quelle: rpo