Juli

Schmuserock im Stahlwerk

Juli: Schmuserock im Stahlwerk Juli: Schmuserock im Stahlwerk Foto: RP/ Detlef Ilgner
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Von „Perfekte Welle“ bis zu „Ein neuer Tag“ war von allen Alben etwas dabei. Zum Tourabschluss zeigten sich Juli bestens gelaunt und verwöhnten mit vier Zugaben. Im Publikum: Verliebte, Freundinnen und Familien.

Angereist sind sie getrennt. Er, Anfang 20, schaut sich gemeinsam mit einem Kumpel in der Garderobenschlange suchend um. Die Vorband spielt bereits, da betritt sie, ebenfalls Anfang 20 und mit einer Freundin unterwegs, das Foyer des Stahlwerks. Zwei strahlende Gesichter, zwei junge Menschen, die im Verlauf des Juli-Konzerts nicht mehr voneinander lassen. Nicht in den Pulk vor der Bühne, nicht in die Mitte der textsicheren, tanzwütigen Menge stürzen sie sich, sondern sie bleiben etwas abseits. Wiegen sich, zunächst noch Abstand wahrend, im Takt von „Warum“, ein paar Songs später nimmt er sie zu „November“ in den Arm, es folgen erste, zarte Küsse, und als das Konzert nach vier Zugaben endet, verlassen die beiden Arm in Arm die Halle, als sei es nie anders gewesen.

Es war ein Konzert für Verliebte, das Frontfrau Eva Briegel und ihre Jungs von Juli mit Songs von alten und neuen Platten boten. Eine Liebeserklärung an unerwartete Chancen in „Ein neuer Tag“, ein Hauch von Melancholie in „Zerrissen“, ein Schwelgen in gemeinsamen Erinnerungen in „Das gute Gefühl“. Aber genauso war es auch ein Konzert für beste Freundinnen, die in Fan-T-Shirts lauthals das Lied „Wir beide“ mitsangen, und eines für die Familien mit Kindern, für Mütter, Väter und Töchter, die zu „Perfekte Welle“ gemeinsam rhythmisch in die Höhe hüpften.

Eine Stunde hatten sich Juli Zeit gelassen, bevor sie auf die Bühne im umfunktionierten Industriebetrieb kamen. Raum für die viel versprechende Vorband „Radiopilot“ aus Berlin, die dem Publikum aus gut 1500 Zuhörern zwischen sieben und 50 Jahren kräftig einheizte. Großer Jubel, als dann die blonde Eva zum Mikro griff: Juli eroberten die in blaues Licht getauchte Bühne und versprühten beste Stimmung, von der sich das Publikum gern anstecken ließ. Die Bässe wummerten zu Beginn ein wenig zu dröhnend, übertönten Gitarre und Stimme, doch das hatten die Tontechniker schnell im Griff.

Zum Abschluss ihrer Herbsttournee zeigte sich Eva Briegel gut gelaunt, rief „seid ihr noch wach?“ ins Publikum, forderte zum Tanzen auf und ließ riesige Luftballons über den Köpfen der Zuschauer tanzen. Voller Energie zeigte sie sich auch noch, als sich das Konzert dem Ende zuneigte und bereits drei Zugaben verklungen waren: „Ich hoffe, dass ihr auch noch Lust habt - wir haben noch Lust, und deshalb spielen wir weiter!“ Denn ein Juli-Konzert ohne den Song „Geile Zeit“, das geht doch nicht.

Quelle: rpo