Konzert im ISS Dome am Mittwochabend

Robbie Williams verzaubert die Fans nur bis zur Pause

Konzert im ISS Dome am Mittwochabend: Robbie Williams verzaubert die Fans nur bis zur Pause Konzert im ISS Dome am Mittwochabend: Robbie Williams verzaubert die Fans nur bis zur Pause Foto: Andreas Endermann
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Er hätte vor der Pause Schluss machen sollen, dann wäre das ein befriedigender Konzertabend gewesen. Weil Robbie Williams nach einer 20-minütigen Unterbrechung seiner Show aber einen zweiten Akt hinzufügte, geriet das Konzert im ISS Dome in Düsseldorf allzu blass.

Der 40-Jährige wirkte in dieser letzten Halbzeit uninspiriert, mitunter fahrig. Die Arrangements waren lieblos, die Stimme machte nicht mit, und als er auch noch an "New York, New York" scheiterte, wird er selbst gemerkt haben, dass das wenig glanzvoll war. Also hetzte er durch ein Medley seiner Hits, spielte jeden nur sekundenlang an, legte den Klassiker "Angels" nach und war bald darauf verschwunden.

Dabei hatte das erste seiner beiden Düsseldorfer Konzerte gut begonnen. Williams trat im Frack auf die Bühne, tanzte vor einem mächtigen, gerafften und sehr lilafarbenen Vorhang, warf die Beine in die Luft und ließ den Himmel auf seine Sohlen blicken. 14 Musiker begleiteten ihn, acht Tänzer kamen hinzu, denn es sollte ja kein klassisches Popkonzert werden, sondern ein Swingabend, passend zu seinem aktuellen Album "Swings Both Ways".

Die Bühne sah denn auch aus wie der Treppenaufgang zu den besten Suiten der "Titanic", Dekadenz als Zitat, und dazu sang Robbie Williams "Puttin' On The Ritz" und "Mr. Bojangles". Das Charmante an dieser Vorstellung war, wie Williams zusammenführte, was nicht zueinander passt, das Ordinäre nämlich und den Glamour, Nostalgie und Sarkasmus. Im Grunde war das die Persiflage einer Las-Vegas-Show, gespickt mit Sinatra-Zitaten und Varieté-Anleihen, mit Musical-Atmosphäre und Rock-Attitüde. Robbie Williams ist immer dann am besten, wenn man ihn spielen lässt, wenn er andeuten kann, kokettieren und ironisieren, wenn man ihn komplizenhaft mit den Augen zwinkern lässt. Also imitierte er die klassischen Posen und Gesten von Dean Martin und Co., Augenaufschlag und Schmeichelei, nur dass die Vorbilder des sogenannten Rat Pack eben keine Tätowierungen auf den Händen und hinter dem Ohr hatten.

Williams braucht viel stärker als die US-Superstars wie Beyoncé, die sich selbst genug sind, die Rückkopplung des Publikums. Er ist zu gleichen Teilen Interpret und Comedian, und er erkennt sein Können erst, wenn er sich in dessen Wirkung spiegeln kann. Insofern war "That‘s Amore" ein Höhepunkt, da verstellte er seine Stimme, hörte sich an wie eine Mischung aus Robert de Niro und Mario Lanza. Mitten im Lied bat er Jessy aus Münster nach oben. Ob sie seine Showbiz-Gattin werden wolle, fragte er. Sie wollte, und dann heirateten die beiden in der Wedding Chappel, und das wurde eine hinreißende alberne Einlage, an deren Ende Jessy Williams mit einem Kuss auf den Mund verblüffte.

Bis hierhin war der in blau-rotes Licht getauchte Auftritt charmant anzusehen. Doch dann kam die Pause und danach Langeweile und Unverständnis. Williams las die Texte mehrerer Plakate vor, die ihm Fans in den ersten Reihen entgegenhielten. Früher hätte er daraus ergreifende Erlebnisse gemacht, an diesem Tag war der Dialog zäh und übertrieben lang. Er sang die mühsame Ballade "If I Only Had Brain" und einen Song für seine kleine Tochter, der "Go Gentle" heißt, und an der eigenen Kitschigkeit erstickte. Die Coverversion von Alicia Keys' "New York State Of Mind" mit Frank Sinatras "New York, New York" zu vermählen, ist eigentlich eine gute Idee, aber sie wurde hier so lieblos umgesetzt, dass die Zwangsehe einfach deplatziert wirkte.

Das Problem an diesem zweiten Teil waren die Arrangements, sie wirkten ideenlos und unpointiert. Der beste Moment war schließlich der Beginn von "Angels". Bezeichnen ist, dass Williams ihn nicht in einer Swing-Version, sondern in der Originalfassung darbot.

Quelle: RP