Konzert in der Philipshalle

Betörend gut: Amy Macdonald

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Schüchtern, unprätentiös und selbstironisch präsentierte sich die Schottin Amy Macdonald vor 6.500 Zuschauern in der Philipshalle. Die Songs ihrer beiden Alben spielte sie mit großer Präzision.

"Was macht dich anders als jeder andere hier? Was lässt dich aus der Menge hervorstechen?", das leuchtet in massiven Lettern auf der Bühne, als das Licht ausgeht und die Philipshalle in gespannter Erwartung zu brodeln beginnt. Und dann läuft Amy Macdonald auf die Bühne, diese zierliche Frau mit dem pechschwarzen Schopf, und greift nach ihrer Gitarre.

Pünktlich, unaufgeregt und unprätentiös. Überhaupt macht die 23-jährige Künstlerin keinen Hehl daraus, dass ihr oberflächliches Celebrity-Getue fremd ist: keine Kleider-, nur Gitarrenwechsel. Dazu eine als Anmoderation für ihre Single "This Pretty Face" verpackte Spitze gegen Casting-Shows und überstylte Popsternchen.

Als sie sagt, dass sie an Fummeln und Feten anderer Menschen absolut nicht interessiert ist, ist das der einzige Augenblick des Konzerts, in dem Amy Macdonald – lächelnd allerdings – ihre Zähne zeigt. Ansonsten wirkt die Schottin eher schüchtern, selbstironisch schiebt sie es auf ihren Akzent, wenn die Halle nach einer Pointe mal schweigt – und hat mit diesem unschuldigen Charme die Lacher wieder auf ihrer Seite.

Fast wehmütig erzählt sie von ihrem Heimweh während der Tour, die lang war und ziemlich erfolgreich: Düsseldorf ist die letzte von 20 Stationen in Deutschland. Ein straffes Programm, aber sie liebt das, sagt sie. Und es hält sie fit: "Auf der Bühne zu stehen ist für mich wie ein Fitnessprogramm", sagt die Sängerin, als sie etwas außer Atem "Footballer's Wife" ankündigt, "aber es macht mehr Spaß."

Live überzeugend, das ist sie. Was auch an den stimmungsvollen Videobildern liegt, die ihr Programm untermalen: So fühlt sich der Zuschauer erst wie ein Vogel über der Großstadt, dann wie auf dem Waldboden liegend gen Himmel blickend oder eine Miss-Wahl beobachtend. Mithilfe dieser Dramaturgie und teils fließenden Übergängen schafft es Amy Macdonald, die Stimmung von einem Lied ins nächste mitzunehmen. Präzise performt sie Stücke aus ihren beiden Alben wie "Poison Prince", "This Is The Life" oder "Don't Tell Me That It's Over", und bei "Mr. Rock&Roll" stampft sie fast trotzig mit dem Fuß auf, um dann wunderbar ins Mikro zu röhren.

Einziger Wermutstropfen: Bei den vielen lauteren, schnelleren Stücken kommt die Qualität Amy Macdonalds nicht zum Tragen – das Spiel auf der Gitarre, der Gesang dazu, das Minimalistische. Wie sehr sich das Publikum nach diesen etwas raren, ruhigen Momenten sehnt, merkt man, als sie – abgesehen von den zwei Zugaben – nach gut anderthalb Stunden das letzte Lied des Abends spielt.

"Ob du's glaubst oder nicht, ich habe ihnen gezeigt, was Glück für mich bedeutet", singt Amy Macdonald da in "What Happiness Means To Me" vor fliegenden Pusteblumen, und die Halle wird auf einmal leise, ganz still sogar. Bis die Musik wieder anschwillt, die Bühne als riesiger Feuerball ihr Finale findet und jeder das Gefühl hat, jetzt ein Stück in sich zu tragen von ihrem Glück.

Neue Platte von Amy MacDonald: Mit 22 auf Erfolgskurs - Amy MacDonald Neue Platte von Amy MacDonald: Mit 22 auf Erfolgskurs - Amy MacDonald Neue Platte von Amy MacDonald: Mit 22 auf Erfolgskurs - Amy MacDonald Neue Platte von Amy MacDonald Mit 22 auf Erfolgskurs - Amy MacDonald 8 Fotos Starke Stimme: Amy Macdonald - der neue Star am Musikhimmel Starke Stimme: Amy Macdonald - der neue Star am Musikhimmel Starke Stimme: Amy Macdonald - der neue Star am Musikhimmel Starke Stimme Amy Macdonald - der neue Star am Musikhimmel 5 Fotos

Quelle: rpo