Konzert in der Philipshalle

Deutsch-Türken feiern Tarkan

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Konzert ausverkauft: Tarkan rockt die Philipshalle Konzert ausverkauft: Tarkan rockt die Philipshalle Konzert ausverkauft: Tarkan rockt die Philipshalle Konzert ausverkauft Tarkan rockt die Philipshalle 6 Fotos Beim zweiten Deutschland-Konzert von Tarkans „Best of“-Tour war die Philipshalle ausverkauft. 7500 türkische Fans bejubelten ihren Star, der orientalische Melodien und funkige Disco-Beats präsentierte. Langsam. gehen die Scheinwerfer an. Ganz in Schwarz, mit Lederblouson, schwarzer Stoffhose und Sneakern, stürmt Tarkan auf die Bühne der Philipshalle. Ein Beat, der an Michael Jacksons „Billie Jean“-Diskohit erinnert, geht in die erste Single seines neuen „Metamorphose“-Albums über, das Lied „Vay anam vay“ (Was für ein Drama): Es sind harte Synthesizer-Clubsounds und funkige Beats, die die Halle in einen Dancefloor verwandeln. Tarkan tänzelt wie ein Schattenboxer über die Bühne. 7500 Fans sind begeistert. Sie tanzen und singen mit.

Es sind die jungen, modernen Deutsch-Türken, die sich versammelt haben: Die Mädchen und jungen Frauen haben ihr Haar offen, kurze Tops tragen sie über hautengen Hosen, die Männer sind leger in Jeans und T-Shirt oder chic im Anzug. Viele haben einen Becher Bier in der Hand. Nur in der türkischen Internet-Community und bei türkischen Großveranstaltungen war die Tour des türkischen Pop-Prinzen angekündigt worden; dennoch ist die Halle an diesem Abend rappelvoll.

Das musikalische Konzept ist einfach und austauschbar: Disco-Beats, gemischt mit orientalischen Melodien und türkischen Texten, in denen der Pop-Star von Liebe singt. Doch für die Generation junger Türken ist er mehr als ein Sternchen: Seit 16 Jahren repräsentiert der 35-Jährige eine moderne Türkei, die auch sie verkörpern.

In seinen Songs singt er von zügellosem Sex, gibt sich betont lasziv; in der Türkei gilt er als Mode-Ikone. Wie Pop-Star Madonna verändert er mit jedem Album sein Äußeres. Sein Image ist metrosexuell: In seinen Videos sieht man Frauen in Dessous, sein Äußeres pflegt er penibel, manikürte Fingernägel und gezupfte Augenbrauen lassen Gerüchte von Homosexualität laut werden. Mit dieser Mischung ruft er in konservativen Kreisen der Türkei noch immer Skandale hervor.

Doch es ist sein Küsschen-Lied „Sikidim“, mit dem er 1999 in Deutschland, aber auch weltweit die Charts stürmte, das den letzten Zuschauer auf der Tribüne und im Innenraum auf die Beine holt: Immer schneller bewegt er seine Hüften, während er davon singt, dass er das feurig freche Mädchen abknutschen wird, sobald er es in die Hände bekommt. Für das Lied erhielt er 1999 den „World Music Award“.

Vom 1972 in Rheinland-Pfalz geborenen Kind türkischer Gastarbeiter hat er den Aufstieg zu einem internationalen Star geschafft. Er lebt in New York, hat schon mit Stars wie Wyclef Jean und den Produzenten von Shakira zusammengearbeitet und ist in Brasilien und den USA aufgetreten. Das Macho-Bild türkischer Männer hat er kräftig gegen den Strich gebürstet.

Andächtig und mit Feuerzeugen in der Luft lauschen die Fans ihm, als er teilweise a cappella die Liebesballade „Unutmamali“ (Unvergesslich) singt. Begleitet wird er dabei von türkischen Instrumenten wie der „Saz“, einer Art Laute, und einer Darbukka-Trommel.

Seine in der Türkei klassisch ausgebildete Stimme hat Ausdruckskraft und Volumen. In der Türkei füllt Tarkan mühelos Fußballstadien mit 200 000 Zuschauern.

Mit der Zugabe „Vay anam vay“ verabschiedet Tarkan sich nach 120 Minuten geballter deutsch-türkischer Leidenschaft. Seine Metamorphose zum neuen türkischen Mann ist geglückt. Mit viel Applaus zollen seine deutsch-türkischen Fans ihm Tribut.

Quelle: rpo