Konzert in Düsseldorf

Annenmaykantereit ganz verloren

Konzert in Düsseldorf: Annenmaykantereit ganz verloren Konzert in Düsseldorf: Annenmaykantereit ganz verloren Foto: Anke Hesse
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Annenmaykantereit sind offenbar in einer schwierigen Situation – davon zeugt ihr Auftritt in der seit Wochen ausverkauften Mitsubishi-Electric-Halle. Seit ihrem Nummer-Eins-Debütalbum „Alles nix konkretes“ und dem ebenfalls sehr erfolgreichen Nachfolger „Schlagschatten“ sind sie ein Massenphänomen.

Auf ihre melancholischen Texte zu handgemachter Musik können sich Menschen aller Generationen einigen. Die Nachfrage nach großen Konzerten ist also da und damit andere Ansprüche an Sound und Showkonzept. Die Mittzwanziger, die mittlerweile zu fünft unterwegs sind, haben das vielleicht vom Kopf her realisiert, im Herzen sind sie aber noch die unfertigen Jugendlichen, die sich am Gymnasium in Köln-Sülz kennenlernten, eine Band gründeten und erste Fans über Straßenmusik und Auftritte in kleinen Clubs fanden.

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An diesem Abend wird man den Eindruck nicht los, dass Annenmaykantereit die riesige Bühne mit den 7000 euphorischen Menschen voller Erwartungen davor eigentlich drei Nummern zu groß ist. Sänger Henning May wirkt verloren, wenn er mit seiner markanten, rasselnd-röhrenden Rio-Reiser-Stimme die ersten Sätze des aktuellen Albums in den Raum schreit: „Die Vögel scheißen vom Himmel / Und ich schau dabei zu / Und ich bin hier und alleine / Marie, wo bist du?“ Obwohl er auch ein guter Pianist und Gitarrist ist, begnügt er sich meist mit der Rolle des Sängers. Severin Kantereit nutzt meistens das kleinere von zwei aufgebauten Schlagzeugen. Und Christopher Annen mag seine E-Gitarren nicht mit Effekten überladen. So verweigert sich die Band dem sonst bei dieser Hallengröße üblichen Breitwandsound.

Das wäre kein Problem, wenn da nicht die Pausen wären. Vor jedem Song wechselt mindestens ein Bandmitglied das Instrument, oder man muss sich sonst wie abstimmen. Dadurch entstehen im rund 90-minütigen Auftritt ständig Stimmungslöcher. Dass viele Songs mindestens nachdenklich, wenn nicht sogar depressiv wirken, ist dem nicht zuträglich. So entsteht zum Beispiel bei der Strecke vom politischen „Weiße Wand“ bis zum selbstverzweifelten „Hinter klugen Sätzen“ fast betretenes Schweigen im Publikum.

Der Band gelingt es, die Situation nochmal aufzulockern: Sie spielen das neue Lied „Ozean“ mitten im Oberrang und lösen durch die Tuchfühlung mit den Fans Euphorie aus. Sie schieben „Oft gefragt“ und „Barfuß am Klavier“ als Zugabe hinterher – und da singt dann wirklich jeder ausgelassen mit.

Gern hätte man diesen Abend woanders erlebt: im Zakk zum Beispiel oder der Kassette.

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Quelle: RP