Kraftwerk vor Gericht

Darf man Musik zitieren?

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Die Maschinen-Menschen: Die Düsseldorfer Band Kraftwerk Die Maschinen-Menschen: Die Düsseldorfer Band Kraftwerk Die Maschinen-Menschen: Die Düsseldorfer Band Kraftwerk Die Maschinen-Menschen Die Düsseldorfer Band Kraftwerk 11 Fotos Es ist eine der spannendsten Fragen in der Musikindustrie: Ist Sampling, das Verwenden von Tonfetzen anderer Künstler für eigene Musikstücke, erlaubt? Das Verfahren ist seit Jahrzehnten künstlerische Praxis, Genres wie HipHop und Techno sind undenkbar ohne musikalische Zitate. Allerdings war die rechtliche Lage bislang unklar. Werden Urheberrechte verletzt? Und wenn ja: ab wann? Und was kostet es?

Der Bundesgerichtshof hatte gestern die Möglichkeit, ein zeitgemäßes Grundsatzurteil zu fällen. Er verhandelte die Klage der Düsseldorfer Elektronik-Pioniere Kraftwerk, deren Werke man getrost als meistzitierte der populären Musik bezeichnen kann. Es geht der Band um den Song „Nur mir“ der Rapperin Sabrina Setlur. Ihr Produzent Moses Pelham benutzte dafür 1997 zwei Takte aus dem Kraftwerk-Stück „Metall auf Metall“ von 1977. Kraftwerk entschieden sich vor neun Jahren, Pelham die Verwendung der zwei Sekunden langen Sequenz zu untersagen.

Das Urteil klingt zunächst, als erleichterten die Richter das Sampling. Sampling sei grundsätzlich zulässig, heißt es, sogar ohne Zustimmung des Urhebers. Aber es gibt zwei entscheidende Bedingungen: Es muss daraus ein eigenständiges Werk entstehen, das sich deutlich von der Original-Sequenz unterscheidet. Und wenn man die zitierten Tonfolgen auch selber einspielen kann, muss der Künstler das tun und darf das Original nicht verwenden. Ob nun Pelham seinen Song vom Markt nehmen oder an Kraftwerk Tantiemen zahlen muss, bleibt indes offen - der BGH wies das Verfahren an das Oberlandesgericht Hamburg zurück. Dort muss geprüft werden, wer nach den neuen Grundsätzen im Recht ist.

Das Urteil des BGH schafft also keine Klarheit. Zeitgemäß wäre gewesen, die Richter hätten das Sampling freigegeben. Vielleicht mit der Einschränkung, dass der zitierende Künstler den Nachweis über das Original führt - etwa im Booklet der CD. Die Digitalisierung der Musik erlaubt es heute jedem, mit der richtigen Software beinahe jedes Musikstück nachzuspielen. Aber es geht beim Zitieren zumeist weniger um Ideenklau als um eine Hommage und um Traditionspflege. Die Zitierten profitieren davon - der anhaltende Ruhm von Kraftwerk gründet zu großen Teilen auf der Verwendung ihres alten Materials in neuen Songs jüngerer Künstler.

Quelle: rpo