Matchbox Twenty

"Wir sind definitiv eine Pop-Band"

Matchbox Twenty: "Wir sind definitiv eine Pop-Band" Matchbox Twenty: "Wir sind definitiv eine Pop-Band" Foto: James Minchin
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Nach vierjähriger Auszeit melden sich Matchbox Twenty mit einem ungewöhnlichen Projekt zurück: Sechs neue Songs leiten zu einer Werkschau der bekanntesten Hits der Band um Rob Thomas über, die seit 1995 mit mehr als 35 Millionen verkauften Alben zu den Megasellern der Branche gehört. "Exile On Mainstream" (Warner) erscheint am 28. September und ist für Thomas eine Art Standortbestimmung: "Wir sind definitiv eine Popband", sagt er im AP-Interview.

Der Albumtitel ist eine selbstbewusste Anspielung auf eines der besten Werke der Rolling Stones, "Exile On Main Street". Thomas ist sich deren Segens sicher, schließlich hat er seine Songwriter-Qualitäten nicht nur Carlos Santana, Willie Nelson und Marc Anthony, sondern auch Mick Jagger persönlich zur Verfügung gestellt. "Das war sehr aufregend - ich bin bei diesen Leuten zur Schule gegangen."

Was er da gelernt hat, stellte er in seinem vor zwei Jahren erschienenen Soloalbum "Someone Like You" vor. "Exile On Mainstream" schreibt das nicht nur fort, sondern ist zugleich auch ein Neuanfang: Der inzwischen 35-jährige Rob Thomas steht nicht mehr alleine als charismatischer Sänger und Songwriter im Mittelpunkt. Alle vier - Rhythmusgitarrist Adam Gaynor stieg 2005 aus - hätten an den neuen Songs mitgearbeitet, man habe mit dem neuen Produzenten Steve Lillywhite alle Entscheidungen zusammen getroffen.

"Wir haben bei dieser Platte alles anders gemacht", erklärt Thomas. "Wir sind nun ein Quartett und nicht mehr zu fünft; unser Schlagzeuger Paul (Doucette), der elf Jahre Schlagzeug spielte, hat beschlossen, nun Gitarre zu spielen - und das ist okay. Wir haben erstmals mit einem anderen Produzenten gearbeitet, vorher hatten wir immer Matt (Serletic). Wir haben alle zusammen gearbeitet, was wir früher so nicht getan haben. So konnte es gar nicht anders kommen, als dass es auch völlig anders klingt. Wenn dieses Album anders ist als alles, was wir bisher getan haben, dann deshalb, weil wir es zuließen."

Der Plattenfirma schwebte ursprünglich ein "Greatest Hits"-Album vor. Die Band wollte aber mehr als eine Kollektion bekannter Songs, sagt Thomas. "Wir hatten noch nie davon gehört, dass jemand seine 'Greatest Hits' mit neuem Material in einem Album herausbringt. In den Gesprächen mit Atlantic Records wurde uns klar, dass wir nicht wollten, dass die Fans für zwei CDs zahlen müssen. Wir kamen also überein, ein Album mit sechs brandneuen Liedern und elf unserer alten Singles zum Preis einer CD herauszubringen."

Für Thomas und seine Kollegen - Doucette, Bassist Brian Yale und Lead-Gitarrist Kyle Cook - rückt die Band mit der Albumveröffentlichung wieder in den Lebensmittelpunkt: "Wir werden jetzt hier in den Staaten noch viele Radio- und Fernsehauftritte machen; nach Weihnachten geht's dann auf Tournee. Wir wollen die beste Live-Band sein."

Über die relativ langen Unterbrechungen im Schaffen der Band - die bisherigen drei Alben erschienen 1996, 2000 und 2003 - sagt er: "Es war immer geplant, die Pause zu nehmen. Und dann werden wir irgendwann zusammenkommen. Wir haben nie von einer Auflösung der Band gesprochen. Zugleich war da aber auch immer ein Gefühl: Wenn wir zusammen sind und es fühlt sich nicht neu an, nicht belebend und nicht wie etwas, was wir voll und ganz lieben - dann wollen wir es nicht mehr machen. Ich denke, seit unserem ersten Album ist unsere Devise: "Wir machen das nur, wenn wir daran Spaß haben. Wenn nicht, ist es unsere letzte Platte. Glücklicherweise hatten wir echt Spaß an diesem Material und wir freuen uns auf die nächste Platte."

"Wieder eine Tendenz zu handgemachter Musik"

Für Thomas ist Matchbox Twenty eine Art Rockband im Pop-Exil, die einfach populäre Songs spielen will. Rock werde heute härter definiert als die Musik von Matchbox Twenty ist. Andererseits freue er sich, im von HipHop und Urban dominierten US-Radio ein Lied von John Mayer zu hören, und das empfinde er dann als Rock. "Es gibt wieder eine Tendenz zu handgemachter Musik von Musikern, die ihre eigenen Lieder schreiben", resümiert er. In dieser Liga spielen Matchbox Twenty - mit dem Anspruch, wie die "alten Bands" von R.E.M. über Bruce Springsteen bis Tom Petty & The Heartbreakers für wirklich alles verantwortlich zu sein, was auf ihrem Album zu hören ist.

Mit der ersten Single, dem rockigen "How Far We've Come", stellen sich Matchbox Twenty vor, am Morgen des Anfangs vom Ende der Welt aufzuwachen. Das Gefühl kenne er noch aus den 80er Jahren und dem Kalten Krieg, als man Angst vorm Atomkrieg hatte, erklärt Thomas. Heute sorge man sich wegen Kriegen und Klimawandel. "Es geht um den Zustand der Welt, darum, Bilanz zu ziehen und auszumachen, wie weit wir es gebracht haben. Es geht nicht um die Antwort, ich denke, wir müssen erst mal diese Frage überhaupt stellen."

Quelle: rpo