Mein Herz schlägt schneller

Interview mit den Donots

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Ingo und Guido Knollmann sind Geschwister und spielen seit 1993 einträchtig in ihrer Band Donots. Im Interview anlässlich des neuen Albums „The Long Way Home“ versichern beide glaubhaft, sich noch nie gestritten zu haben: „Uns ist das aber selbst manchmal unheimlich.“

Eure Band Donots gibt es seit eineinhalb Jahrzehnten – ist es gerade weil oder trotzdem ihr Brüder seid?

Ingo Knollmann Oh Gott, das leidige Brüder-Thema; es ist uns ja manchmal selbst unheimlich. Ich küsse jeden Tag meinen Hintern und den Boden dafür, dass wir uns so gut verstehen. Man sagt ja nicht umsonst, Blut sei dicker als Wasser. Deshalb eine klare Antwort: Die Donots gibt es so lange, gerade weil wir Brüder sind.

Guido Knollmann Wir sind eben eine Familienband. Ich bin unendlich dankbar, dass der Rest der Band das so mitmacht, die sind quasi der erweiterte Familienzirkel.

Ich habe die Brüder-Frage gestellt, weil längst nicht alle Familienbands gut funktionieren. Ich denke an Oasis, die Brüder Noel und Liam Gallagher…

Guido Knollmann Naja, ich weiß nicht, was bei Oasis dahinter steckt. Ist es echter Zwist oder wird so ein Streit nur aus Promotion-Zwecken aufrecht erhalten? Auch wir könnten uns schlagzeilenträchtig einen in die Tasche lügen, indem wir dauernd Knies vortäuschen. Aber das wäre lächerlich. Wir brauchen Harmonie, einen Band-Bösewicht können wir nicht gebrauchen.

Was machen die Donots besser?

Ingo Knollmann Wenn man so lange auf Tour ist wie wir, dann lernt man das Musikbusiness verstehen. Als junge Band waren wir vor Festivals hochnervös, all die Stars, die wir treffen würden. Mittlerweile wissen wir: Hinter der Bühne ist es oft auch sehr langweilig. Und es laufen eine Menge Wichtigtuer rum.

Nach 16 Jahren droht vieles im Musikgeschäft zur Routine zu werden. Irgendwann giert die Musikpresse nur noch nach der Meldung, dass X oder Y, Oasis oder die Flippers, sich aufgelöst haben. Was macht ihr gegen diesen Automatismus?

Guido Knollmann Es ist ja nicht so, dass es in unserer Bandgeschichte keine komplizierten Phasen gab. Seit 1998 hatten wir einen Vertrag mit dem Label Gun Records von Sony BMG. Das waren eineinhalb Jahre voller Frust, großer Enttäuschung und vielen Einsichten. Wir wollten aber Mitte des neuen Jahrtausends aus dem Vertrag raus, neue Musik machen, nicht immer das, was die Plattenfirma von uns verlangte.

Ingo Knollmann Mittlerweile haben wir unser eigenes Label Solitary Man, sind frei, wir dürfen selbst herausfinden, was das Beste für uns ist. Als Band mit einem Mainstream-Vertrag hat man oft große Fußfesseln. Wir wissen jetzt, dass wir lieber zehn Mal auf die Schnauze fallen, aber das selbst zu verantworten haben, als uns diktieren zu lassen, was wir zu tun haben.

Aber es ist doch absurd. Erst als ihr euren Weg selbst zu verantworten hattet, habt Ihr euch dem Mainstream genähert. Lieder wie „Stop The Clocks“ oder „Calling“ sind Radiohits. Normalerweise ist das Gegenteil der Fall – Bands nähern sich in Eigenverantwortung wieder dem Untergrund.

Guido Knollmann Mainstream ist kein Schimpfwort. Man denkt sich auch nicht beim Schreiben, dass dieses oder jenes Lied ein Hit werden muss. Lustigerweise war es bei beiden Liedern so, dass wir eigentlich die Aufnahmen schon abgeschlossen hatten. Da dachten wir: Komm, einer geht noch. Und dann kamen diese Lieder raus.

Ingo Knollmann Wir sollten vielleicht ein Album nur mit letzten Liedern aufnehmen.

Die Donots sind jetzt groß, nicht nur in Deutschland. Gibt es Momente, in denen Ihr wieder gerne Punk statt Mainstream wärt?

Guido Knollmann Natürlich vermisst man es jetzt manchmal, in einen muffigen alten Tour-Bus zu steigen und zu wissen, dass man jetzt hunderte von Kilometern bis Bayern tuckert. Die Zeit war natürlich gut und wichtig.

Ingo Knollmann Der Bus ist vielleicht ein anderer, aber die Typen im Bus sind noch die alten. Mit genau den gleichen schlechten Witzen wie vor 16 Jahren.

Ihr kommt aus Ibbenbüren, fürwahr kein Mittelpunkt der Welt. Agiert man als Band aus der Provinz anders, selbstbewusster vielleicht?

Ingo Knollmann Vielleicht sind in der Provinz, die Ibbenbüren ohne Zweifel ist, die Lager hermetischer getrennt. Auf der einen Seite die Typen, die ab dem Führerschein nur noch am Lenkrad sitzen. Auf der anderen Seite Typen, die sich eine Szene suchen, die sich von etwas abgrenzen wollen. In Ibbenbüren gab es die Scheune, einen Musikclub, um den herum sich eine Subkultur gebildet hatte. All die Leute aus dieser Szene waren sehr eng verschweißt, diese Basis trägt uns bis heute.

Der aktuelle Plattentitel heißt: „The Long Way Home“. Ist es tatsächlich dieses Gefühl, als Popmusiker auf einer langen Reise zu sein, die euch am Ende wieder nach Hause, in ein Einfamilienhaus nach Ibbenbüren führt?

Guido Knollmann Der Plattentitel fasst für uns viel Wichtiges zusammen. Zum einen sind wir mit der zweiten selbst produzierten Platte wieder bei uns angekommen, nachdem unser Weg lange durch ein Major-Label bestimmt war. Zum anderen ist auf unserer neuen Scheibe wieder Vincent Sorg dabei, ein alter Freund aus den 1990er Ibbenbüren-Scheunenjahren. Wir sind also wieder bei ihm angekommen.

Ihr redet die ganze Zeit gerne vom Gestern, aber man muss doch auch als Rockmusiker einen Plan vom Morgen haben. Die Donots in zwei Jahrzehnten…

Guido Knollmann Ich hoffe, dass es uns dann noch gibt. Ingo Knollmann Ich auch. Ich möchte auf jeden Fall Familie haben, und ich hoffe, die ist so tolerant, dass sie mich auch dann noch auf Tour gehen lässt.

Guido Knollmann Und was ist mit deiner Hundepension, von der du immer sprichst?

Ingo Knollmann Ja, die Hundepension, das mache ich auf jeden Fall. Das hätte ich fast vergessen. Danke, Bruder.

Quelle: rpo