Nach vier Jahren Pause

Comeback der Spaß-Rocker "Sportfreunde Stiller"

Nach vier Jahren Pause: Comeback der Spaß-Rocker "Sportfreunde Stiller" Nach vier Jahren Pause: Comeback der Spaß-Rocker "Sportfreunde Stiller" Foto: dpa
Von |

Nach vierjähriger Pause melden sich die "Sportfreunde Stiller" mit einem neuen Album zurück. Darauf versuchen sie den Spagat zwischen bewährten Gaga-Songs und Melancholie. Eine wirkliche Weiterentwicklung klingt anders.

Sie wirken immer so, als kämen sie gerade von der Meisterfeier ihres Lieblingsklubs. Peter Brugger, Florian Weber und Rüdiger Linhof, die seit 17 Jahren als "Sportfreunde Stiller" zusammen Musik machen, strahlen eine permanente Beseeltheit aus, die sich in vielen charmanten und einigen dämlichen Witzchen äußert. Die drei Bayern, die dank ihrer WM-Hymne "54,74,90,2006" so etwas wie die inoffizielle Fußball-Band Deutschlands sind, sind bekennende Frohnaturen. Auf die unvermeidliche Reporterfrage, ob sich seit ihrem letzten Album "MTV Unplugged in New York" viel geändert habe, sagt Peter Brugger: "Unsere Blödheit ist noch da." Und Schlagzeuger Florian ergänzt: "Mein Doppelkinn auch."

Ab Mai auf Tour mit neuen Songs: Sportfreunde Stiller sind wieder da – mit neuem Album! Ab Mai auf Tour mit neuen Songs Sportfreunde Stiller sind wieder da – mit neuem Album! Zum Artikel » Seit ihrem Durchbruch mit dem Album "Die gute Seite" und der Single "Ein Kompliment" sind die "Sportis", wie ihre Fans sie nennen, die Spaß-Guerilla der deutschen Rock-Pop-Szene, ähnlich pointenreich wie die "Ärzte", nur intellektuell etwas leichtgewichtiger. Ihr Sound ist scheppernd und radiotauglich, ihr Sänger und Frontmann Peter Brugger ein charismatischer Strahlemann, dem jedes profilneurotische Getue abgeht. Sie waren von Anfang an eine Band zum Liebhaben, und wenn sie jemand nicht mochte, dann, weil sie eine Band zum Liebhaben waren.

Ihre schlichten aber fröhlichen Texte zu schlichter, aber fröhlicher Musik taten niemandem wirklich weh, ihr WM-Song, den sie zum Turnier in Südafrika unter dem Titel "54, 74, 90, 2010" recycelten, und die putzige Hommage an Ex-Bayern Stürmer Roque Santa Cruz ("Ich, Roque") passen sowohl in jedes Stadion als auch in Kneipen und auf Festivalbühnen. Musikalische Meilensteine hat dieser Band bislang noch niemand unterstellt, aber es schien auch nicht so, als wollten sie sich auf diesem Metier beweisen.

Zu viel Erwartungsdruck

Einen Wendepunkt in ihrer Karriere markiert das Angebot des ehemaligen Musik- und heutigen Trash-Serien-Senders MTV im Jahr 2009, ein Unplugged-Konzert aufzunehmen. Noch heute gilt dieser Auftritt in der deutschen Musikszene als Ritterschlag, obwohl die Konzert-Reihe angesichts des platten Programmumfelds viel von ihrer legendären Aura verloren hat. "Als die uns gefragt haben, dachten wir, die meinen gar nicht uns", erzählt Florian Weber, der nebenbei als Schriftsteller arbeitet und zwei Romane veröffentlicht hat. Die Show unter dem Titel "MTV Unplugged in New York" und das dazugehörige Live-Album wurden ein großer Erfolg, besonders das Cover des Udo-Jürgens-Hits "Ich war noch niemals in New York" im Duett mit dem Meister höchstpersönlich blieb in Erinnerung.

Die "Sportfreunde Stiller" waren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Plötzlich beschlich sie die Angst, das Niveau nicht halten zu können. "Wenn der Erwartungsdruck zu groß wird, wenn du merkst, dass du nicht mehr kreativ sein kannst, weil du ja Erfolg, Erfolg, Erfolg haben musst, wird's kritisch. Da muss man sich was überlegen", sagt Peter Brugger. Am Ende der Überlegungen stand eine längere Auszeit. Die drei sind sich keineswegs aus dem Weg gegangen. Sie sprachen viel über sich und die Band, aber die letzte Motivation, ins Studio zu gehen, fehlte.

Das änderte sich erst zu Beginn des vergangenen Jahres. Die verloren geglaubte Leichtigkeit war zurück, der Druck geringer, weil sich die Band aus dem öffentlichen Fokus zurückgezogen hatte. "Musikalisch hat sich bei uns durch das Unplugged-Konzert viel getan. Wir spielen jetzt miteinander statt gegeneinander, und es gibt auch keinen Wettkampf mehr, wer als erstes am Ende des Liedes ankommt", erzählt der Sänger halb ernst, halb belustigt. Es sind die üblichen Sätze einer Band nach einer längeren Pause, doch wirklich hörbar ist die Weiterentwicklung nicht. Das Album "New York, Rio, Rosenheim" ist ein typisches Sportfreunde-Stiller-Album, es knüpft nahtlos an die alten Werke an. Die leichten Songs prägt der harmlose Spätpennäler-Humor der Münchner, die ernsten Lieder ächzen unter dem unbedingten Willen, emotionale Tiefe und Empathie auszudrücken.

Das mag nicht so richtig zu den Spaß-Rockern passen, denen man einen mitgrölfähigen Fußball-Song immer noch viel eher abkauft als ein Lied über die dunklen Seiten des Lebens. Bruggers Lieblingsclub ist übrigens der FC Bayern München.

Albumkritik

Die Pause hört man dem neuen Album "New York, Rio, Rosenheim" nicht an. Wieder liefern die Münchner den vertrauten Mix aus Selbstironie, Pathos und radiotauglichem Pop-Rock. Die Reime holpern an einigen Stellen gewaltig, und die monotone, trotz Melodie irgendwie nach Sprechgesang klingende Stimme von Peter Brugger wirkt nach einigen Songs mangels Variation etwas ermüdend, aber zum Mitgrölen ist wieder einiges dabei. Alte Fans fühlen sich bestätigt, neue kommen eher nicht dazu.