Neues Album "An und für sich"

Clueso – ein deutscher Liedermacher

Neues Album "An und für sich": Clueso – ein deutscher Liedermacher Neues Album "An und für sich": Clueso – ein deutscher Liedermacher Foto: ddp
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Thomas Hübner hätte eigentlich Frisör werden sollen – stattdessen nannte er sich Clueso und entschied sich fürs Musikmachen. Mit "An und für sich" ist jetzt die siebte Platte des Künstlers erschienen, den man auf den Baum bringt, wenn man seine Musik als Mädchenmusik bezeichnet.

Wer Clueso beschimpfen möchte, schafft das sehr schnell und sehr einfach: Er muss nur sagen, dass der Erfurter ausschließlich Mädchenmusik macht. Gehört hat der Sänger das häufig, zustimmen will Clueso noch immer nicht – auch nicht nach Platte sieben, die jetzt zu kaufen ist und "An und für sich" heißt.

Clueso heißt eigentlich Thomas Hübner, stammt aus Erfurt und hätte Frisör werden sollen. Weil "sollen" aber nicht zwingend etwas mit "wollen" zu tun hat, bricht Hübner die Ausbildung ab und fängt an, Musik zu machen. Er nennt sich Clueso, weil Freunde befinden, er sei so tollpatschig wie Inspektor Clouseau aus dem "Rosaroten Panther".

Zu Beginn rappt der Erfurter, von Album zu Album steigert er den Gesangsanteil. Heute macht Clueso melodische, meist nachdenkliche und ein bisschen melancholische Titel. "Über nachdenkliche Dinge zu schreiben, finde ich einfach spannender", sagt er. Und besteht trotzdem darauf, kein introvertierter, humorloser Liedermacher zu sein: Wenn er mit seinen Jungs unterwegs sei, würde andauernd gelacht – und das gerne und oft auch über hohle Witze, sagt Clueso im Interview.

Zwei Goldene Schallplatten

Seine Jungs, das ist seine Band, mit der er auf Tour geht oder nach Spanien fährt, um auf dem Boden sitzend Musik zu machen, wenn mal alles zu viel wird. Das war im vergangenen Sommer, als Cluesos Fans auf ein neues Album warteten und der Druck groß war. Spanien hat Clueso dabei geholfen, sich freizumachen von diesem Druck.

Was ihm auch hilft: Ablenkungen wie Handy und Internet möglichst nur dann zu nutzen, wenn er sie braucht. "Wie ein Toaster", sagt Clueso. Ohne krampfig-gewollt zu genießen, will er möglichst viel mitnehmen. "Nicht nur ackern, sondern auch Spaß haben."

In Wahrheit dürfte es schon etwas schwieriger sein, den Erfolgsdruck abzuschütteln: Clueso hat sich vom Newcomer zu einem der mittlerweile erfolgreichsten Musiker in Deutschland entwickelt. Er hat zwei Goldene Schallplatten und drei Eins-Live-Kronen kassiert, wurde als "Botschafter für ein junges lebendiges Deutschland" vom Goethe Institut auf Konzert-Workshoptour durch Italien geschickt und zum 20. Jahrestag der Wiedervereinigung von der Bundesregierung eingeladen, am Brandenburger Tor zu spielen; "An und für sich" ist direkt auf Platz zwei der deutschen Album-Charts eingestiegen. Und doch versucht der Erfurter, sich von dem Rummel nicht beeindrucken zu lassen und bei sich zu bleiben.

"Nie versucht, mich einordnen zu lassen"

Er will sich nicht in die "Deutschpop mit soulig-jazzigem Einschlag"-Schublade stecken lassen und probiert weiter herum mit Musikstilen und Projekten, experimentierte für "An und für sich" unter anderem mit verschiedenen Drummern. "Ich habe nie versucht, mich einordnen zu lassen, sondern habe immer Dinge ausprobiert. Das fand ich schon mutig, einfach Sachen zu machen, weil ich Bock darauf habe", sagt er.

Was sehr entspannt klingt, war es bei der neuen Platte offenbar nur teilweise. Clueso hat die Album-Veröffentlichung von Januar auf Ende März verschoben. Es sei noch nicht fertig gewesen, er habe immer wieder "Sachen raus- und reintun" müssen, bis die Platte so war, wie er sie haben wollte. Und auch jetzt ist sie das nicht zu hundert Prozent – von einem Titel weiß Clueso, dass er zu lang ist. Er hat ihn so gelassen.

Kürzlich, bei Cluesos Konzert in Erfurt, wollten 12.000 Menschen den Sänger sehen – Männer und Frauen. "Wenn das alles Frauen gewesen wären, wäre ich schreiend davongelaufen. Oder reingesprungen."

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Quelle: RP