Neues Album des Sängers und Songschreibers

Max Herre singt sich frei

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Neues Album: Das ist der Musiker Max Herre Neues Album: Das ist der Musiker Max Herre Neues Album: Das ist der Musiker Max Herre Neues Album Das ist der Musiker Max Herre 11 Fotos Der ehemalige Freundeskreis-Sänger meldet sich in diesen Tagen mit der Doppelsingle "Ein geschenkter Tag/Blick nach vorn" zurück, am 18. September legt er sein zweites Soloalbum nach. Im Interview spricht er über Brüche und seinen Wandel vom Rapper zum Singer/Songwriter. Fans deutscher Musik jenseits von Schlager und Rock haben es derzeit gut. Peter Fox erzählt zynisch-schlaue Texte über Berlin und vereint dabei harte Beats und sanfte Streicher. Jan Delay begeistert Publikum und Kritiker mit souligen Stakkato-Bläsern und nölt dazu seine Sicht der Welt. Und der große Pop-Poet Clueso holt all die romantischen Träumer ab. Genau in diesen gesättigten Markt platzt nun ein alter Bekannter, der zuletzt vor allem wegen der Trennung von Ehefrau Joy Denalane Schlagzeilen machte.

Max Herre legt am 18. September sein zweites Soloalbum "Ein geschenkter Tag" vor, die Doppelsingle "Ein geschenkter Tag/Blick nach vorn" erscheint in diesen Tagen. Musikalisch orientiert sich der Wahl-Berliner an Clueso, mit dem er für das Album auch zusammenarbeitete. Textlich allerdings setzt er eine eigene Marke, die viel mit seiner jüngeren Vergangenheit zu tun hat.

Vor zwei Jahren gaben Herre und die ebenfalls erfolgreiche Soulsängerin Joy Denalane nach vier Jahren Ehe ihre Trennung bekannt. Die beiden Lockenköpfe waren nicht nur optisch ein schönes Paar; mit ihren musikalischen Erfolgen und zwei putzigen Kindern waren sie so etwas wie das unumstößliche Traumduo des deutschen Pop: privat und beruflich ganz weit oben, und dabei auch noch so schrecklich nett. Um so überraschender kam schließlich das Ende. Man habe sich im Guten getrennt und bleibe weiter bei der selben Plattenfirma, ließen beide verlauten. Danach wurde es erstmal still.

Wenige Monate nach Bekanntgabe der Trennung begann Herre mit der Arbeit zu seiner neuen Platte. "Das Album beschäftigt sich mit Brüchen", sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. "Es geht darum, sich neu zu orientieren, wenn Plan A nicht funktioniert hat." Der Sänger verarbeitet in seinen 13 neuen Songs das Scheitern seiner Beziehung, mal mehr, mal weniger explizit. Doch es wird nie zu konkret, nie peinlich.

Herre, der sich schon zu Freundeskreis-Zeiten über aufdringliche Medienvertreter mokiert hatte, liefert kein Futter für Boulevardblätter. Statt abzurechnen vermittelt er die tröstliche Botschaft, dass es auch nach dem Ende der ganz großen Liebe genügend Gründe gibt, neugierig auf die Zukunft zu sein. "Es geht doch vielen Menschen so, dass sie sich nach einer Trennung neu orientieren müssen. Genau das habe ich auch gemacht", so Herre.

Weniger Rap, mehr Gesang

Seine angestammte Ausdrucksweise, Rap zu souligen Beats, schien ihm dafür nicht mehr angemessen. Schon auf seinem Solodebüt "Max Herre" aus dem Jahr 2004 war eine Abkehr vom Hip-Hop à la Freundeskreis hin zu mehr Gesang hörbar. Bei seinem neuen Album ist er nun gänzlich Singer/Songwriter. Alles andere, so sagt er, wäre seinen Ideen nicht gerecht geworden. "Ich wollte eine Sprache finden, die meine Emotionen transportiert, ohne mein Privatleben zur Schau zu stellen. Und mir wurde klar, dass ich das, was ich zu erzählen habe, am besten mit Gesang und Gitarre ausdrücken kann."

Waren also die Anfänge als Rapper ein großer Irrtum? Das nicht, aber Herre gibt zu, dass er damals einem Trend gefolgt ist. "Anfang der 90er war Hip-Hop die Musik der Stunde, und wir sind auf den Zug aufgesprungen." Dennoch sei er nie auf ein Genre festgelegt gewesen, habe zwischendurch immer wieder zur Gitarre gegriffen, um Songs zu schreiben. Erstmals ließ sich sein Talent für melodische Schmachtfetzen mit Stil auf der Single "Mit dir" (1999) bewundern, die er ausgerechnet mit seiner künftigen Ex-Frau Joy Denalane einsang.

Jetzt, nach einer kurzzeitigen Freundeskreis-Reunion und erfolgreicher Arbeit als Produzent, ist er künstlerisch angekommen. Begeistert schwärmt er von stundenlangen Sessions mit seiner Band, und auch die Texte auf seiner neuen CD wirken ungezwungen, als seien sie ihm, dem Romantiker, beim verträumten Klampfen einfach so eingefallen. Holprige Reime wie "Wir waren wie Strandgut. Ich fand Mut" vom Freundeskreis-Hit "A-N-N-A" passieren ihm nicht mehr. Stattdessen singt er treffend vom Glück des Neuanfangs. Dafür sollte auf dem Markt zwischen Fox, Delay und Clueso noch ein Plätzchen frei sein.

Quelle: rpo