Neues Album

Die Sportfreunde waren noch niemals in New York

Neues Album: Die Sportfreunde waren noch niemals in New York Neues Album: Die Sportfreunde waren noch niemals in New York Foto: Universal Music
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Die Sportfreunde Stiller haben vergangene Woche ein Live-Album eingespielt: „Unplugged in New York“. Das New York liegt allerdings bei München, denn die Band hat die Metropole in einem Film-Studio nachgestellt. Und Udo Jürgens dorthin eingeladen. Barbara Grofe hat mit den Sportfreunden nach ihrem Auftritt gesprochen.

Manchmal sind die Dinge am schönsten, die auf den ersten Blick so gar nicht zusammenpassen wollen. Mit Chips und Schokolade ist das so – oder mit einem Duett der Sportfreunde Stiller und Udo Jürgens. „Ich war noch niemals in New York“ von den Münchner Poprockern und dem Schlagerkönig zu hören ist ein bisschen wie Chips-mit-Scho- kolade-essen: Es verwundert, belustigt und begeistert. In genau dieser Reihenfolge.

Zusammengefunden haben sich die vier für ein Unplugged-Konzert der Sportfreunde Stiller, eingespielt für den Musik-und-Klingelton-Sender MTV. Fünf deutsche Bands durften bisher für MTV die Stecker rausziehen, ihre Musik ohne Gedönse und große Elektronik präsentieren: Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen, Die Söhne Mannheims mit Xavier Naidoo, Die Fantastischen Vier und Die Ärzte. Den Sportfreunden gefallen Letztere am besten – vor allem, weil die Berliner Band das Ganze nicht so schrecklich ernst genommen hat.

Davon, dass ihr eigenes Unplugged-Konzert noch lustiger, größer und toller ist, ist die Band ziemlich fest überzeugt. Schließlich haben sie einiges dafür getan: Ein halbes Jahr lang haben Peter Brügger (Gitarre und Gesang), Florian „Flo“ Weber (Schlagzeug und Gesang) und Rüdiger „Rüde“ Linhof (Bass und Keyboard) nur für diesen Auftritt geprobt. „Normalerweise sind wir ja musikalisch nicht ganz so, sagen wir, filigran. Unsere Songs mussten wir für das Konzert also stark verändern. Manchmal ist nur der Text geblieben, die Melodie aber völlig anders geworden“, sagt Flo Weber. Dem Schlagzeuger ist es besonders zu Anfang schrecklich schwer gefallen, leise und zurückgenommen zu spielen. „Ich musste verdammt lange üben, damit das nicht völlig scheiße klang.“

Titel wie „’54, ’74, ’90, 2010“ oder „Ich Roque“ gibt es trotzdem, auch wenn Unplugged-Konzerte naturgemäß ruhiger sind, die Zuschauer auf Stühlen sitzen und nicht Sportfreunde-gemäß herumspringen können. „Party im Sitzen“ nennt Schlagzeuger Weber, was bei dem Unplugged-Konzert passiert, oder „Austicken ohne Rumspringen“ – das Publikum reagiert positiv auf die Band und die neuen Töne.

Unterstützt werden die Sport freunde von rund 25 Musikern, von Streichern, Bläsern, einem Chor. Ein ziemlich großes Spektakel, das ziemlich viel Vorbereitung und genau festgelegte Abläufe braucht. Die sind darum auch die einzige Vorfeld-Sorge der Münchner Band: Wie schafft man es logistisch, die Band von Set A zu Set B zu bekommen, kommen die Kameras hinterher, wie sind die Musiker am besten ausgeleuchtet?

Auch Gaststars müssen in der Fernsehaufzeichnung möglichst hübsch aussehen: Meret Becker beispielsweise tritt mit ihrer singenden Säge auf der Sportfreunde-Bühne auf, gemeinsam mit Charlotte und Billy von der britischen Band „The Subways“ singt die Band „Rock’n’Roll-Queen“ – und dann ist da eben Udo Jürgens. Nirgends hat der Klassiker „Ich war noch niemals in New York“ wohl je so gut hingepasst.

Denn gedreht wird in New York. Oder besser, im New York der Bavaria Filmstudios in München. Drei Straßenzüge lassen die Sportfreunde Stiller bis ins Kleinste nachbauen und schaffen sich so das richtige Umfeld für ihr ganz eigenes Un plugged-Kapitel. „Wir haben vorher 25 Locations besucht – Klöster, Kirchen, Dampfschiffe, Zirkuszelte. Überall fehlte uns etwas und das Filmgelände war dann großartig“, sagt Weber. Für das MTV-Konzert versetzt die Band sich und die komplette Crew zurück ins New York der 40er Jahre – getragen werden also nicht Kapuzenpullover und Turnschuhe, sondern schicke Anzüge; die Bläser sind als Bauarbeiter verkleidet, die Streicher sehen aus wie Stewardessen, der Chor wie eine Jungs-Straßenbande.

Immer wieder müssen die Musiker die Kulissen wechseln – fünf Stunden wird gedreht. Gelangweilt ist die Kombo allerdings zu keinem Zeitpunkt, wirklich genervt auch nicht. „In diesem Konzert hat sich die Spannung eines halben Jahres entladen“, sagt Weber und schiebt noch schnell „ein herzzerreißendes Ereignis für uns als Band“ hinterher.

Dabei war lange gar nicht klar, ob es zu diesem herzzerreißenden Ereignis überhaupt kommen würde: Eigentlich wollten die Sportfreunde Stiller zum Zeitpunkt der Entscheidung pro oder contra Unplugged-Konzert eine Pause machen, runterkommen nach den Alben „You have to win Zweikampf“ und „La Bum“ und dem Weltmeisterschafts-2006-Gewusel. Als dann aber die Anfrage kam, dachte die Band neu. Flo Weber erinnerte sich an seinen ganz eigenen Unplugged-Höhepunkt. „Mein Lieblingskonzert ist definitiv das von Nirvana. Ich bin ein Grunge-Gör und fand das großartig“, sagt der Schlagzeuger.

Am Unplugged-Abend ist dann alles anders als sonst: Fans feiern im Sitzen und springen nicht wie wild durch die Gegend; sie hören ihre Lieblingslieder in völlig neuen Versionen; sie sehen ihre Band in Anzügen statt in sportlichen Klamotten. Und sie sehen Udo Jürgens die Bühne betreten. Auf den ersten Blick passt das alles nicht zu den Sportfreunden Stiller. Auf den zweiten ist es schön so. Chips und Schokolade halt.

Bis die Sportfreunde mit Udo Jürgens, einer singenden Säge und einem leisem Schlagzeug zu sehen sind, dauert es noch eine Weile. Die Fernsehpremiere ist für April geplant, das dazugehörige Album soll im Mai erscheinen.

Info: Was ist Herzrasen? Herzrasen ist das Magazin der Rheinischen Post für junge Erwachsene. Herzrasen erscheint viermal jährlich in der Rheinischen Post und täglich online mit wechselnden Beiträgen unter http://www.rp-online.de/public/index/aktuelles/herzrasen

Quelle: rpo