Neues von Rosenstolz

Kitsch, der berührt

Neues von Rosenstolz: Kitsch, der berührt Neues von Rosenstolz: Kitsch, der berührt Foto: ddp, ddp
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Wie die das hinbekommen, weiß man nicht, aber irgendwie ist man doch berührt von diesem Kitsch: „Triffst du die Freiheit, bitte schick sie zu mir, ich warte hier.“ Und : Welcher Mund hält sein Wort, und wie schnell ist sofort?“ Oder: „Ich bin ab und zu zerrissen, doch ich reiß mich jetzt zusammen.“ Das ist Rosenstolz 2008. Das klingt wie roter Flokati-Teppich und Badewasser mit zu vielen Rosenblättern drin, und es verkauft sich rasend gut: Rosenstolz ist die einzige deutsche Band, deren Alben die Millionengrenze knacken.

Nun hat das Berliner Duo, das sich aus dem pinken Untergrund in die größten Hallen der Republik arbeitete, eine neue Platte gemacht, die zwar erst im September erscheint, aber bereits jetzt in den Kölner „Studios 301“ präsentiert wurde – in Abwesenheit der Künstler, die seien zu scheu für sowas, hieß es. Der verdunkelte Raum war mit Windlichtern geschmückt, sie standen auf Klavieren, in das Glas war matt das Wort „Rosenstolz“ graviert, und der Pressetext schmalzwedelte schön fettig: „12 Tauchgänge in die Tiefe der Seele“ biete das Werk mit dem Titel „Die Suche geht weiter“.

Einfach und wirkungsvoll

Derart vor-romantisiert hörte man das Album-Intro, eine Passage aus dem Defa-Kult-Film „Die Legende von Paul und Paula“, und dann ging es los: „Feier das Leben, feier das Glück, feier den Tag“, singt AnNaR, eigentlich Anna Rosenbaum, auf der neuen Single „Gib mir Sonne“. Es ist ein typischer Rosenstolz-Song: leiser Beginn mit akustischer Gitarre, eintropfender Gesang, steigendes Tempo, strammes Schlagwerk, dicke Soße aus Orchester und Synthesizer, Refrain und Höhepunkt, dann Fadeout. So einfach wie wirkungsvoll.

Das klingt nicht ganz so unwiderstehlich wie etwa beim Klassiker „Liebe ist alles“ (2004). Auch die anderen Stücke sind beim ersten Hören eindeutig Rosenstolz, packend mitunter, aber man vermisst ein bisschen den Witz, die messerscharfe Beinahe-Zote, die die besten der Vorgänger-Alben so unterhaltsam gemacht haben. Von Verlust ist oft die Rede in Peter Plates Texten, vom Weheleid der Liebe. Ich-bin-stark-Poeme gibt es zuhauf – „So lange das Licht noch brennt, schau ich nach vorn“ heißt es und „Mir ist so kalt, mein Herz schlägt auch im Eis“.

Finsterer sind sie geworden. Das Album beschreibt ein Leben in ewiger Zeitlupe: Die Langsamkeit verstärkt die Wirkung der Gefühle, den Schmerz vor allem, Drama, Pathos und Verwirrung. Aber: „Ordnung ist ein Irrtum.“

Die Single „Gib mir Sonne“ erscheint am 29, August, das Album von Rosenstolz am 26. September.

Quelle: rpo