Niedergang der Popkultur

MTV-Music-Awards in Berlin

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Beyoncé tanzt in Strapsen, David Hasselhoff ist wieder angetrunken auf der Bühne, bei Tokio Hotel brennt das Klavier. Mit rebellischen Rockstars oder provokanter Kunst hat das alles aber nichts zu tun. Es ist reines Kalkül, von Managern geplant und steril umgesetzt. Die Stars von heute sind brave Produkte der Musikindustrie. Bei den MTV Music-Awards in Berlin ist es wieder einmal deutlich geworden: Wer auf schillernde Persönlichkeiten wartet, auf Rock-Rebellen oder provokante Statements auf der Bühne, wird in der Musikbranche enttäuscht. Die Jungs der Band „Green Day“ sehen mit ihren Tattoos, Stachel-Frisuren und Kajal-Augen zwar noch aus wie die Urväter des Punk, spielen aber längst brav auf der Klaviatur der Branche.

Sterile Erotik der Hochglanzwerbung

Und wenn Sängerin Beyoncé nur in roter Korsage und roten Strapsen auftritt, ist das zweifellos sexy – aber die 28-Jährige strahlt nicht einen Hauch Verruchtheit aus. Als gebe es ein ungeschriebenes Gesetz, dass sämtliche Sängerinnen verpflichtet, die sterile Erotik von Hochglanzwerbung zu verkörpern. Keine Frage, auch der Auftritt von Tokio Hotel war spektakulär. Doch irgendwie weiß man, dass die Feuerwehr nicht weit ist, wenn plötzlich das Klavier auf der Bühne brennt – und das sowieso ausgeklügelte Pyro-Technik dahinter steht.

Das war nicht immer so. Als Jimi Hendrix 1967 beim Monterey Pop Festival nach dem neunten Song Wild Thing seine Gitarre verbrannte, hatte das eben nicht optische Gründe. „Als ich meine Gitarre verbrannte, war das wie ein Opfer. Man opfert die Dinge, die man liebt. Ich liebe meine Gitarre“, sagte der Musiker hinterher. Egal, ob das wirklich Sinn macht. Die Zuschauer erlebten jedenfalls einen authentischen Gefühlsausbruch des Stars.

Wenn heutzutage die Promis mal richtig aus sich rausgehen, prügeln sie Paparazzi, fahren volltrunken oder unter Drogen Auto, rasieren sich eine Glatze oder teilen aller Welt via Boulevardmedien ihre intimsten Probleme mit.

In Zeiten, wo Sex nichts mehr mit Intimität zu tun hat, wird auch die Selbstdarstellung der weiblichen Stars immer aggressiver und damit kalt und künstlich. Als Madonna, heute sicher die Königin der glatten Fassade, früher in Korsage und Tüllrock „Papa don't preach“ sang, war die Frau ein erotischer Vulkan – und zwar, weil sie alles andere als perfekt und angepasst war.

Alkoholiker als Randnotiz der Szene

Drogen und Alkohol waren schon immer ein Problem der Musikszene. Und damals wie heute überlebten viele Künstler ihre Sucht nicht. Doch wenn Lindsay Lohan über die roten Teppiche stolpert, Amy Winehouse zwischen Absturz, Entziehungskur und Brustvergrößerung immer mehr zum Wrack wird oder David Hasselhoff bei den MTV Music-Awards sichtlich angetrunken auftritt, werden sie oft achselzuckend als Randnotiz der Gesellschaft wahrgenommen.

Und man macht sich öffentlich über sie lustig. So kreischte MTV-Moderatorin Katy Perry sinngemäß in das Mikrofon eines Reporters: Scheiße, David Hasselhoff kommt. Ich muss weg. Und Musiker Pete Wentz von der Rockband „Fall Out Boy" popelte ungeniert vor den Fotografen auf dem roten Teppich.

Früher nannte man solche Früchtchen Rotzgören. Heute ist ihre Unhöflichkeit das einzig Unangepasste im Showbusiness.

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Quelle: rpo