Oasis in der Philipshalle

Ikonen des Britpop

Oasis in der Philipshalle: Ikonen des Britpop Oasis in der Philipshalle: Ikonen des Britpop Foto: ddp, ddp
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Oasis, das ist nicht einfach nur eine Band. 1994 haben die Brüder Liam und Noel Gallagher mit ihren Mitstreitern einen der letzten großen Hypes der Popwelt ausgelöst: den Britpop. Er funktioniert immer noch, wird gut und schlecht kopiert, findet dauernd neue, junge Anhänger: Oasis sind Ikonen dieses Genres, entsprechend ehrfürchtig betritt man in der ausverkauften Düsseldorfer Philipshalle den Boden, auf dem sie spielen werden.

Kühle Arroganz, tosender Applaus

Sie haben mit Generationen prägenden Alben wie "(What's The Story) Morning Glory?" die Popmusik-Traditionen der britischen Insel von der Beat- bis zur Mod- und Wave-Ära in vermeintlich einfachem Rock zusammengeführt, aufgefrischt. Sie haben auch ein modisches Statement gegeben. Jeder Friseur mit jungem Publikum sollte ihren Haarschnitt in petto haben. Unter den Fans, die in die ausverkaufte Halle pilgern, entdeckt man 16- bis 45-jährige Kopien der Gallagher-Brüder.

Wenn Noel und Liam nach dem elektrisierenden Intro "Fucking In the Bushes" schließlich selbst die Bühne betreten, ist da eine Begeisterung, die Nachfolge-Bands wie "Mando Diao" oder "The Kooks" immer noch schwerlich auszulösen vermögen.

Eine ungeheure Erwartung, die nicht enttäuscht wird: Oasis sind heute so gut wie vor fünf, vielleicht sogar zehn Jahren. Keine schlechten Kopien ihrer selbst, sondern eben: sie selbst. Liam kann immer noch minutenlang regungslos vor den typischen Soundwällen der Band vor dem Publikum stehen, kühle Arroganz ausstrahlen und erntet nichts als tosenden Applaus.

Doch wirkt es am Abend auch, als sei selbst er, der ewig junge, aggressive, wilde Rocker, Schablone für selbstzerstörerische Figuren wie Pete Doherty, gesetzter geworden. Im eleganten Zweireiher mit schwarzem Schal tritt er auf, lächelt ab und an, lobt ein "großartiges Publikum".

Mehr Stadionrock als Balladen

Ein Oasis-Konzert wird heute – wie in Düsseldorf geschehen – eher aus gesundheitlichen Gründen verschoben als wegen Liams Schlägereien oder Drogen-Eskapaden. Dass er diese ausgiebig durchgemacht hat, hört man seiner Stimme zwar an: Sie ist heute mehr Reibeisen als klare Schönheit, mehr für geraden Stadionrock denn für modulationssreiche Balladen geeignet.

Doch die Band hat darauf reagiert, auf dem aktuellen Album tritt in Songs wie "Shock Of The Lightning" der Rhythmus, treten Bass und Schlagzeug in den Vordergrund, die Stimme röhrt darüber meist in einer Lage. Doch dann ist da ja immer noch Noel, der das Charisma seines jüngeren Bruders zwar nicht erreichen kann, aber mit einer wunderbar feinen Akustik-Version von "Don't Look Back in Anger" alle Pärchen einander in die Arme treibt.

Quelle: rpo