Open-Source-Festival

Kreidler - Klangzauber im Freibad

Open-Source-Festival: Kreidler - Klangzauber im Freibad Open-Source-Festival: Kreidler - Klangzauber im Freibad Foto: Veranstalter
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Das Düsseldorfer Trio Kreidler gibt am 23. August eines seiner seltenen Konzerte beim Open-Source-Festival im Freibad Lörick. Neben den Elektronik-Musikern aus dem Kunstakademie-Umfeld spielen auch die Junior Boys, Uffie und Modeselektor auf der Liegewiese.

Ihr Name beginnt mit K, sie machen elektronische Musik, kommen aus Düsseldorf, stammen aus dem Umfeld der Kunstakademie und sind nicht für Tracks wie „Autobahn“ verantwortlich: Seit 1994 ziehen Kreidler die Aufmerksamkeit des internationalen Feuilletons auf sich. Beim Open-Source-Festival am 23. August in Lörick haben sich die drei Klangzauberer mit der geheimnisvollen Aura zu einem ihrer seltenen Live-Auftritte angekündigt.

Als sich Thomas Klein, Andreas Reihse, Detlef Weinrich und Stefan Schneider unter dem Namen der einstigen Stuttgarter Motorenwerke zusammentaten, ahnte wohl niemand, dass dies die Geburtstunde eines deutschen Exportschlagers in Sachen elektronische Musik war. Von Anfang an pflegen Kreidler das Experiment und erweitern konsequent ihren eigenen Begriff von Kunst: Sie mischen althergebrachte und neue Klangerzeugung, wobei die visuelle Umsetzung ihrer schlicht-schönen Soundwelten hohe Beachtung auf zahlreichen Videofestivals findet.

Die Debüt-LP „Weekend“ zieht Einladungen zu Remixarbeiten für Künstler wie die Einstürzenden Neubauten und Shantel nach sich. Der endgültige Durchbruch folgt mit dem 1998er Album „Appearance and The Park“. Die Stücke sind poppiger, eingängiger geworden. Die Single „Coldness“ trägt die Melancholie aus Kraftwerks großem Hit „Das Model“ vom Catwalk zurück in den urbanen Schaufensterwald und bewegt Depeche-Mode-Entdecker Daniel Miller zu einem Remix, der den Weg in die Dauerschleife des Musikfernsehens findet.

Als Bassist Stefan Schneider Kreidler verlässt, um fortan die Berliner Gebrüder Lippok bei To Rococo Rot zu unterstützen und sich der Band Music AM anzuschließen, wird der Sound des Trios zunehmend elektronischer. Kreidler begeistern die Massen auf großen Musikfestivals wie dem dänischen Roskilde oder dem Sonar in Barcelona.

Die Fixpunkte ihres Schaffens bleiben Kunst und Literatur: 2001 spielen sie zur Eröffnung einer Andreas-Gursky-Retrospektive im New Yorker Museum of Modern Art. Die Mensch-Maschine, nach der Kreidler 2002 eine Videoinstallation und ein Album benennen, ist die mechanische Frau aus dem Roman „L´Eve Future“ (zu deutsch: „Die künftige Eva“) von Auguste Villiers de l’Isle Adam aus dem 19. Jahrhundert. 2004 lassen sie im Nachfolgealbum „Eve Future Recall“ einen digitalen Don Quixote durch die Mancha traben („Cervantes“).

Nach ausgiebigen Soloprojekten und Kooperationen mit befreundeten Künstlern, trafen sich Kreidler vor kurzem zu neuen Aufnahmen in der Eifel. Zu hören war das aktuelle Material allerdings noch nirgendwo, nicht mal gerüchtweise war bislang zu erfahren, wie Kreidler 2008 klingen.

Spannend bleibt also die Frage, welche Facette seines Könnens das Trio auf der Hauptbühne des Open Source-Festivals zeigen wird? Die Schönheit der Musik liegt im Wandel.

Wer sonst noch auftritt HAUPTBÜHNE (15 bis 22 Uhr)

Das letzte Konzert des Festivals spielt traditionell die Headliner-Band, und das sind in diesem Jahr die Junior Boys. Das kanadische Duo macht Elektropop, sehr süßlich und dennoch mitreißend, radiotauglich und doch tanzbodenkompatibel. Ihre Single „Like a Child“ lief im vergangenen Jahr in den Clubs rauf und runter, vor allem in der Remix-Version von Carl Craig. Wer die Junior Boys noch nicht kennt, sollte in das Album „So this is Goodbye“ reinhören. Anspieltipps: „The Equalizer“ und „In the Morning“. Uffie & DJ Feadz sind auf dem französischen Label Ed Banger zuhause, und das steht für die Verbindung von Rock und Disco. Knallbunt geht es bei Uffie zu, laut, und was sie tut, tut sie mit voller Energie.

ZWEITE BÜHNE (15 bis 22 Uhr)

Auf der kleineren Bühne traten in den früheren Open-Source-Ausgaben die Künstler auf, wegen der man montags in den Plattenladen rannte. Dieses Mal gibt es Rap in vielen Spielarten, von Fat Jon etwa und Guilty Simpson. HipHop-Legende Blowfly und Otto von Schirach dürften sehenswert sein, der Erfinder des Dirty Raps und der Elektro-Punk werden schwüle Texte mit harten Sounds veredeln.

NACHTPROGRAMM (ab 22 Uhr) Höhepunkt des Nachtprogramms in den Böhlerwerken ist das Duo Modeselektor. Die Elektro-Popper sind auf dem Weg zu Weltstars, arbeiten derzeit für Björk und begrüßten für ihre aktuelle Single Radiohead-Sänger Thom Yorke im Studio. Außerdem sehenswert: die Düsseldorfer Antonelli und Andy Vaz mit sanfter House-Music.

Quelle: rpo