Rückblick

Open Source: Ein schräger Sommernachtstraum

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Knapp 4000 Besucher kamen zum Open Source Festival auf die Galopprennbahn in Grafenberg. Zusammen mit den Gästen in den Nachtclubs kommen die Veranstalter sogar auf 5000 – das ist neuer Rekord. Sie erlebten Musik von Ska, Electronic und Rock bis Hip Hop vor wunderbarer Kulisse. Was kann es für ein schöneres Kompliment für ein Festival geben, als ein kleines Mädchen, das auf dem Arm seiner Mutter zur Musik eines jungen Musikers wippt? Das Mädchen mit den großen Plasik-Kopfhörern heißt Mieke und ist die Tochter von Schauspielerin Heike Makatsch und Tomte-Musiker Max Schröder. Der Nachwuchs lauscht nicht etwa den Klängen von Dendemann, der gerade auf der Hauptbühne spielt, sondern der Stimme und der Gitarre des Düsseldorfers Daniel Decker vor der Young Talent Bühne. Dazu tanzt Andreas von der Wingen, Sänger der Band Kiesgroup, vor der kleinen Bühne, die wie ein Wohnzimmer aussieht, und zeichnet mit dem Fuß das Peace-Zeichen in den grauen Kies. Gegen Ende des Abends sagt er: „Ich fand es sehr schön. Alle Freunde waren da und wir haben uns gegenseitig unterstützt.“

Stimmung unbeschwert

Deshalb geht man gerne zum Open Source Festival: Die Stimmung ist unbeschwert, die Künstler tummeln sich vor und nach ihren Auftritten unter den Besuchern und interessieren sich für das, was die anderen machen. Dendemann ruft nach seinem Auftritt die Band Tomte von unterwegs an, um ihnen viel Glück zu wünschen.

Die Galopprennbahn ist ein wunderschöner Ort für dieses kleine, intime Festival. Das Gelände ist so weitläufig, dass kein Gedränge aufkommt, aber so klein, dass man sich immer wiedertrifft. Es gibt eine grüne Wiese, auf der die Pärchen ihre Decken ausbreiten können und eine Tribüne, die Schutz vor Regen bietet. Die drei Bühnen erreicht man innerhalb von wenigen Minuten ganz entspannt und hat so die Chance, von allem etwas zu sehen und zu hören. Auf den beiden kleineren Bühnen machen die Besucher im Laufe des Festivaltages einige Entdeckungen. Mighty Mammut Movement, eine elfköpfige Combo, überzeugt durch Spielfreude, schöne Texte und Reggae-Rhythmen. Dimlite bleibt mit einem aufregenden Mix aus Soul und Latin Music im Gedächtnis. Von der obersten Reihe der Tribüne aus zeigen sich zwei Parallelwelten: die buntgekleidete Fantraube vor der Bühne, die ausgelassen mitsingt und tanzt, und die Golfer nebenan, die ihren Abschlag üben. Skurriler könnten die Gegensätze kaum sein als die Band Bonaparte die Bühne erklimmt, gewandet wie ein schräger Hofstaat: mit Pferdekopf, Badewanne, Hausmädchen, zerfleddertem Supermankostüm und Zirkusdirektor. Das Kollektiv aus Berlin zeigt einen grotesken Sommernachtstraum. Das Pferd übernimmt das Dirigat. Sänger Tobias Jundt wird umgeben von Tänzern, die sich nach und nach entblößen und über die Bühne kriechen. An der Absperrung zum Golfplatz stehen einige Zaungäste, die neugierige Blicke hinüber werfen.

Bonaparte wirbeln weiter und singen „I boycott everything that is not made by my hands.“ Eine Stunde später wird der „Canonman“ von Bonaparte am Meet&Greet-Stand sagen: „Die Düsseldorfer sind ein tolles Publikum – und dafür muss es nicht mal dunkel sein.“

4000 Gäste

Rund 2500 Besucher sind da, als Dendemann um 17 Uhr mit seiner Reibeisenstimme die Tribüne vibrieren lässt – wesentlich mehr als im vergangenen Jahr um diese Zeit. „Dendemann hat als einer der Headliner viele angelockt“, sagt Organisator Philipp Maiburg – bis zum späten Abend kommen laut Veranstalter 4000 Gäste nach Grafenberg. Viele versammeln sich vor der Bühne beim Auftritt von Jahcoozi. Zum ersten Mal sind die Musiker aus Berlin in Düsseldorf. Sie faszinieren mit Electronic-Dub und einer tollen Soul-Stimme.

Um Punkt 20.45 Uhr erklimmt Tomte-Sänger Thees Uhlmann die große Bühne – und beginnt mit einer Überraschung. Er singt „Bis zum bitteren Ende“ von den Toten Hosen an – eine Hommage an Düsseldorf. Und es ist nicht die letzte an diesem Abend: In einigen Songs bringt Uhlmann die Worte Düsseldorf und Garath unter – dort wohnte einst seine Jugendliebe. Bei Heureka ist es dunkel und die Stimmung auf dem Höhepunkt. Da mag man dem Sänger auch seine zwischenzeitlich etwas schwachen Witze verzeihen. Dieser musikalische Schlusspunkt hebt alles auf, man möchte ihm einfach danken für diesen wunderbaren Song „Schönheit der Chance, den das Publikum a capella singt: „Das ist nicht die Sonne, die untergeht / das ist die Erde, die sich dreht“. Dann ruft Uhlmann entfesselt mit seinem T-Shirt in der Hand: „Alle Männer nackt, auch die hässlichen, auch die schönen“. Bunte Shirts kreisen über der Menge. „Deutsche Rockmusik endet genau jetzt“, sagt Uhlmann. Dann geht das Licht aus.

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Quelle: rpo