Schöneberger in der Philipshalle

Das blonde Gift singt

Schöneberger in der Philipshalle: Das blonde Gift singt Schöneberger in der Philipshalle: Das blonde Gift singt Foto: AP

Wie angekündigt: Barbara Schöneberger ist nach Düsseldorf zurückgekehrt - diesmal mit einem Konzert in der Philipshalle. 1.800 Zuschauer wollten das Ereignis nicht verpassen: „Jetzt singt sie auch noch!“

„Blondes Gift“ wirkt - und das offenbar nachhaltig. „One Night To Remember“ versprach Barbara Schöneberger, bis dahin vorrangig als schlagfertige Moderatorin im Fernsehen bekannt, als sie sich im vergangenen Herbst mutig auch auf musikalisches Terrain wagte. Gemeinsam mit dem Berlin Pops Orchestra ging sie auf kleine Testtour und verkündete in der Tonhalle selbstironisch, dass sie jetzt nicht nur auch noch sänge, sondern dass auch der Erfolg bereits fest gebucht sei. In kaum acht Monaten würde sie wieder nach Düsseldorf kommen, aber dann in die Philipshalle.

„Ich habe die Philipshalle vollbekommen, man musste nur die Stühle etwas breiter aufstellen“, erklärt sie, und freut sich, dass an diesem Abend rund 1.800 musikbegeisterte Menschen nicht die Entscheidung bei Dieter Bohlens „DSDS“ gucken wollten. In Oberbilk applaudierten 600 mehr als bei der Tonhallen-Premiere.

„Jetzt singt sie auch noch“ - der Titelsong ihres Albums - eröffnet die über zweistündige Show. „Show“ allein deshalb, weil der Wort- gegenüber dem Gesangsanteil so beträchtlich ist, dass einem Fan ein erbostes „Sing, Du Luder“ entfährt. Dabei sind ihre Zwischenmoderationen aber alles andere als zähe Pausenfüller. Mit weiblicher Selbstironie, die einen Solidarisierungseffekt mit dem weiblichen Publikum bewirkt, und dezenten Anzüglichkeiten, die eher auf das männliche zielen, unterhält die ehemalige Soziologie-Studentin mit herz- und gehirnerfrischender Spontaneität.

Ihr Gesangsrepertoire schlägt einen ähnlichen Bogen. Deutsch gesungener, dezent swingender Revue-Jazz, der sich durch einen leichtem Hang zum Kabarettistischen auszeichnet, trifft auf grandiose Klassiker des Great American Songbook. Beziehungsschlager wie „Männer muss man loben“, „Glücklich in acht Tagen“ oder gar Johanna von Koczians „Das bisschen Haushalt“ zählen zur deutschen Sparte. Demgegenüber besteht die gesangliche Herausforderung eher in Titeln wie George Gershwins „S‘Wonderful“, „It‘s Not Unusual“ (Tom Jones), „The Boss“ (Diana Ross) sowie dem wunderschönem „Midnight At The Oasis“ von den Brand New Heavies.

Dabei hechelt Schöneberger nicht den Originalen hinterher, sondern liefert mit beachtlichem musikalischen Talent und nicht zuletzt mit sympathischem Augenzwinkern Interpretationen, die Klasse wie Leichtigkeit vereinen. Unterstützt wird sie dabei erneut von dem spielfreudigen, 16-köpfigen Berlin Pops Orchestra unter der Leitung von Joris Bartsch Buhle.

Was in der Männerdomäne Roger Cicero und Tom Gäbel schaffen, gelingt Barbara Schöneberger allemal. Da muss die Blondine gar nicht erst mit ihren wohlproportionierten Pfunden wuchern. In „Guck doch hin, wo Du willst“ singt sie gar von der Enttäuschung einer Frau, deren Dekolleté beim männlichen Gegenüber nicht die gebührende Beachtung findet. Hinsehen ja, aber „ohne Schleimfäden bitte“, fordert sie auf - und dabei aber auf keinen Fall das Hinhören vergessen.

Quelle: rpo