Starke Stimmen, sympathische Acts, große Emotionen

"Sing meinen Song" mit Xavier Naidoo - das Erfolgsrezept der TV-Show

Starke Stimmen, sympathische Acts, große Emotionen: "Sing meinen Song" mit Xavier Naidoo - das Erfolgsrezept der TV-Show Starke Stimmen, sympathische Acts, große Emotionen: "Sing meinen Song" mit Xavier Naidoo - das Erfolgsrezept der TV-Show Foto: © VOX/ Markus Hertrich

Sie liegt hinter uns – die zweite Staffel „Sing meinen Song“. Das Finale lieferte einen Rückblick auf die Song-Highlights der Staffeln eins und zwei. Im Gegensatz zu vielen anderen „Musikshows“ wirkt das TV-Format auf den ersten Blick sehr echt. Echt gute Stimmen, echt gute Künstler, echt gute Songs. Und vor allem: echte Emotionen... Oder doch nicht? Unsere Mitarbeiterin Lisa klärt für euch, was genau die Teilnehmer um Xavier Naidoo so berührt, warum Yvonne Catterfeld, Christina Stürmer, Hartmut Engler oder Andreas Bourani bei so was überhaupt mitmachen und was die Zukunft für sie bereithält!

Was haben die Künstler eigentlich davon, da mitzumachen?

Klar. Bei manchen Leuten stellt sich die Frage eher nicht. Pur brauchen vielleicht mal ein paar Fans aus der Popwelt, Xavier Naidoo bekommt natürlich ordentlich Geld für die Produktion und auf dem weiteren Weg nach oben ist die Show für Andreas Bourani und Christina Stürmer sicher auch nicht hinderlich. Wenn man sich mal genauer anguckt, wer diese Staffel so dabei war, sieht man einige Gesichter, die man eigentlich nicht (mehr) im Fernsehen sieht. Die, die mal Stars waren und die unbedingt wieder rein wollen ins Rampenlicht. Wen ich damit meine?

Sebastian Krumbiegel Prinzen, Sing meinen Song (image/jpeg)

Die Prinzen – super cool. Ich liebe sie, wirklich. Sie haben mich durch meine Kindheit in den 90ern begleitet und haben dafür gesorgt, dass ich Blümchen nur von meinen Freundinnen kannte. Danke dafür (auch meinen Eltern, dass sie mir damals ne Kassette mit Prinzen- und Tote Hosen-Songs geschenkt haben!). Doch die Prinzen waren wirklich lange mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden. Die aktuelleren Platten floppten, die ganz großen Bühnen hatten keinen Platz mehr für die Kultband. Dort wollen sie aber wieder hin – und möchten ihrer Karriere mit der Show einen kleinen Frischekick verpassen. Ich drücke die Daumen, dass es klappt!

Yvonne Catterfeld Sing meinen Song (image/jpeg)

Yvonne Catterfeld. Diese hübsche Dame hatte ich bis zu „Sing meinen Song“ echt unterschätzt. Ich dachte nicht, dass sie sich jemals von dem künstlerisch eher nicht so wertvollen „Für dich schiebe ich die Wolken weiter“-Image lösen kann. Aber die Frau hat Soul in der Stimme und mit ungewöhnlichen Covern wie dem Prinzen-Song „Alles mit dem Mund“ Sympathie und Selbstironie bewiesen. Im Karrieretief hat sie dafür privat gut aufgeholt: Zusammen mit ihrem Lebenspartner (Schauspieler Oliver Wnuk) hat sie ein Kind bekommen. Vielleicht war es doch ganz gut, dass sie dafür dann ein bisschen mehr Zeit hatte. Jetzt kann sie musikalisch wieder voll durchstarten!

Wirtz Gefühl © VOX Markus Hertrich (image/jpeg)

Daniel Wirtz. Wirtz? Vor „Sing meinen Song“ eher unbekannt, ein alternativer Rocker mit deutschen Texten. Das geht meistens ziemlich daneben - ausgelutschte Lyrics, Klischee-Melodien und verstimmte Gitarren. So klingt deutscher Punk/Alternative meistens. Wirtz ist da tatsächlich anders. Die Texte haben Sinn und Gehalt, sind oft mit einer schönen Portion Ironie und mehr oder weniger versteckter Kritik versehen. Und die Stimme ist zusätzlich auch noch gut. Spätestens seit der Vox-Musiksendung wissen das viele Menschen in Deutschland zu schätzen. Wirtz ist definitiv einer der Abräumer der Staffel!

Mögen die sich gegenseitig wirklich so sehr?

Jetzt mal ganz ehrlich – wie harmonisch können so verschiedene Charaktere denn in echt miteinander umgehen? Es wirkt manchmal schon ein bisschen gekünstelt. Heile-Welt- und Rosarote-Brille-Fernsehen eben. Was will man auch anderes erwarten, es läuft schließlich auf Vox. Dennoch scheinen manche Sympathien, besonders in dieser Staffel, wirklich authentisch.

Stürmer, Prinzen, Wirtz Sing meinen Song (image/jpeg)

Dass sich Wirtz und Christina Stürmer gut verstehen, würde ich nicht anzweifeln. Sie passen schön in die Stereotypen-Schublade der Deutschrocker, haben Tattoos, sind irgendwie alternativ. Dass Christina Stürmer auch mit den Prinzen am Ende ziemlich dicke ist, passt vielleicht auf den ersten Blick nicht so, aber andererseits wirken beide Parteien so ungekünstelt, dass es wohl stimmen wird.

Wem kauft man das „Wir verstehen uns ja alle soooo gut“-Gehabe nicht ab? Meiner Meinung nach vor allem Xavier Naidoo. Ich weiß gar nicht genau, woran es liegt. Vielleicht an der Sonnenbrille. Vielleicht daran, dass er oft (auch auf ernste Themen) mit saloppen Floskeln antwortet, über die man nur den Kopf schütteln kann. Vielleicht auch einfach daran, dass man ganz genau weiß, dass er die Show mit aufgebaut hat. Das Ganze ist für ihn einfach knallhartes Business. Zoff würde zwar auch Quoten bringen, aber das würde Sympathien kosten. Also Lächeln aufgesetzt und alle eine Runde lieb haben!

Naidoo und Pur - Sing meinen Song (image/jpeg)

Woher kommen diese überwältigenden Emotionen bei „Stars“ und Zuschauern?

In der Show, in der die besten Songs aus den Staffeln eins und zwei noch einmal gezeigt wurden, hat sich vor allem eins als roter Leitfaden präsentiert: Emotion. Gerührtes Schluchzen, überwältigende Glücksgefühle und tränenüberströmte Trauer. Alles innerhalb von wenigen Minuten. Was… ähm. was zur Hölle soll das? Damit sinkt doch diese Show auch wieder auf DSDS-Niveau ab. Oder?

Natürlich sind die Reaktionen der Künstler oft auch verständlich. Es gibt nun mal Songs, die eine tiefere Bedeutung für die Interpreten haben und die nicht bloß aus irgendwelchen flachen Lyrics á la Dieter Bohlen bestehen. Wenn so was dann gut neu interpretiert wird und man es vor allem von jemand anderem hört, also tatsächlich einmal zuhören kann und sich nicht aufs Singen konzentrieren muss, kann das natürlich zu unerwarteten Gefühlsausbrüchen führen. Aber muss man solche Songs mit intimer Bedeutung der Produktionsfirma von „Sing meinen Song“ für diese Sendung zur Verfügung stellen?

Betroffen Sing meinen Song (image/jpeg)

Wir haben also solche mehr oder weniger authentischen Reaktionen der Künstler, auf der anderen Seite gibt es aber auch sehr gestellt wirkende Gefühlsregungen. Das zieht dann eher weniger. Die Emotionen, die echt wirken (oder sogar echt sind?), ziehen allerdings den Zuschauer gut in den Bann und nehmen ihn auf eine Reise durch die Gefühlswelten der Künstler mit. Und das zieht. Emotion = Quote. Je authentischer, desto mehr Empathie vom Zuschauer. Die Künstler suchen sich selber aus, welche Songs sie covern? Sicher nicht. Es wird gecovert, was Emotionen erzeugen wird. Witzig, traurig, glücklich. Irgendwas wird schon dabei sein.

Xavier und Andreas Sing meinen Song (image/jpeg)

Aber warum fühlen wir als Zuschauer gerade bei Musik so schnell mit? Klar, mit Songs kann man Gefühle ausdrücken. In den Texten, in der Melodie, in den Harmonien. Außerdem ist aber Folgendes wichtig: Das Zentrum im Gehirn, das die Eindrücke verarbeitet, die übers Ohr reinkommen (also das, was wir hören), ist ganz nah am Bereich des Gehirns, das für Emotionen zuständig ist. Wenn ihr also bei „Wenn sie diesen Tango hört“ mitheulen musstet: Ihr könnt nichts dafür. Reine Biologie. Kein Grund zum Schämen :-).

Wie geht’s mit unseren „Sing meinen Song“-Schätzchen weiter?

Tatsächlich haben sich aus der Show einige sehr PR-wirksame Verbindungen ergeben. Wirtz (wie gesagt, der Senkrechtstarter der Sendung) darf Xavier Naidoo bei seiner Tour supporten und seine Songs vorstellen. Seine Alben finden auf einmal Beachtung. Aber das Coolste ist wohl die Promo-Aktion für seine neue Single: Im Video dazu machen alle „Sing meinen Song“-Kandidaten der aktuellen Staffel mit:

Yvonne Catterfeld macht mit schwarzer Perücke wild mit ihrem Lebenspartner rum, die Prinzen verprügeln Wirtz auf dem Klo, Xavier Naidoo mimt den Türsteher, Andreas Bourani und Pur-Sänger Hartmut Engler lassen sich von Stripperinnen verwöhnen und beim Pinkeln telefoniert Wirtz per Video mit Christina Stümer (die konnte am Drehtag leider nicht). Aber seht selbst:

Was sonst noch so geplant ist? Wir werden es sehen. Alles kann, nichts muss, aber karriereförderne Kooperationen werden seltenst ausgeschlagen. Wir dürfen also gespannt sein, was jetzt noch alles folgen wird. Sicher ist: Es wird eine dritte Staffel auf Vox geben. Mit Xavier Naidoo als Gastgeber. Sicher ist auch: Die Teilnehmer von „Sing meinen Song“ haben wir bestimmt nicht zum letzten Mal gesehen – und beim überwiegenden Teil der Künstler ist das doch auch gut so!