Skyline Tonfabrik

Feinschliff für die Popstars

Skyline Tonfabrik: Feinschliff für die Popstars Skyline Tonfabrik: Feinschliff für die Popstars Foto: iStock
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Ob Superstars wie Thomas Godoj oder die Künstler des Unique-Labels: Bevor die Hits von morgen auf Tonträger gepresst werden, sorgt das so genannte Audio Mastering für den Feinschliff des Klangs. Hier ist der Düsseldorfer Kai Blankenberg eine Institution und die Skyline Tonfabrik in Unterbilk ein Treffpunkt der Musikszene. Der Blick auf die mit Polaroidfotos tapezierte Wand am Empfang verrät, dass Rockröhre Doro Pesch hier war, Howard Donald von Take That und viele andere, die man irgendwie kennt - sei es aus dem Fernsehen oder der Straßenbahn. BAP schätzt seine Erfahrung

Kai Blankenberg wartet einen Stock höher im Tonstudio, das wie eine Mischung aus Wohnzimmer und der Brücke des Raumschiffs Enterprise anmutet: Couch und Sessel laden zum Bleiben ein, während eine riesige, weiße Konsole mit Bildschirmen, unzähligen Schaltern und Knöpfen darauf wartet, zum Leben erweckt zu werden. Gerade hat der Mastering Engineer zwei Remixe für eine Single der Rockband Oomph! bearbeitet und aus den fertig gemischten Tonspuren ein klangvolles Ganzes geschaffen. Nach einer 50-Stunden-Woche ist Feierabend. „Es gab auch Jahre, wo ich 70 Stunden im Studio war“, erinnert sich der frisch Verheiratete. „Es ist ein bisschen weniger geworden.“ Der Liebe wegen.

Der 38-Jährige ist wie viele Tontechniker seiner Generation ein Quereinsteiger. Mit Anfang 20 startete er mit einem Praktikum in einem großen Tonstudio. Heute ist er gemeinsam mit Peter Krick Geschäftsführer der Skyline Tonfabrik. Zum Team gehören eine Disponentin, eine Auszubildende und freie Mitarbeiter. Jährlich wandern zwischen 100 und 150 Alben über Kais Festplatte - Singles und Remixe nicht mitgezählt.

Die Arbeit an einem Album dauert ein bis zwei Tage. Dabei sorgt er mit geschultem Ohr und jeder Menge Know-how im Umgang mit dem Mastering-Equipment für Verbesserung im künstlerischen wie technischen Sinne: Braucht die Musik Wärme oder Härte? Klingt sie auf der Hi-Fi-Anlage und auch im Radio gut? „Leute kommen zu mir, weil sie erwarten, dass sie mit dem besten Ergebnis nach Hause gehen“, berichtet Kai. „Das spornt mich an, dem will ich gerecht werden.“

Dass er es wird, beweisen unter anderem „Smack Smash“ der Punkrocker Beatsteaks und diverse Alben der Hamburger Bands Kante und Die Sterne. Auch die Sportfreunde Stiller, die Neuentdeckung Polarkreis 18 und alte Haudegen wie BAP oder die Briten Paradise Lost schätzen seine Erfahrung. „Es ist schon von Vorteil, wenn man die Musik versteht, liebt und darin auch aufgeht“, sagt Kai, der selbst Bassist in der Popband Subterfuge ist. In der gemütlichen Atmosphäre von Skyline mischt sich leicht Geschäftliches mit Privatem, allein aus Kais Verbundenheit zur Düsseldorfer Musikszene heraus. Wer Kontakte zu Musikern für ein Projekt oder eine Band benötigt, ist bei ihm an der richtigen Adresse: „Ich finde es super, wenn ich jemandem helfen kann. Es gibt auch Leute, die nur mal auf einen Kaffee vorbeikommen.“

„Die Notwendigkeit zum Mastering ist größer geworden und wird groß bleiben“, davon ist Kai überzeugt. Die Masse an Neuerscheinungen ist größer geworden, seit man sie am Heimcomputer ohne hohen finanziellen Aufwand produzieren kann. Die Veröffentlichung benötigt weiter die finale Qualitätskontrolle durch den Profi. Entsprechend wenig Luft lässt Kais voller Terminkalender für die eigene Musik.

Doch die lange Funkstille von Subterfuge soll demnächst ein Ende haben. Noch vor einen Nachfolger von „The Legendary Eifel Tapes“ werden einige Bandmitglieder ihre Soloalben veröffentlichen, wie Kai verrät. „Da kann man was erwarten von uns.“

Quelle: rpo