"Spot Gräfenberg"

Krefelder DJ schraubt an Remix für Dr. Motte

"Spot Gräfenberg" : Krefelder DJ schraubt an Remix für Dr. Motte "Spot Gräfenberg" : Krefelder DJ schraubt an Remix für Dr. Motte Foto: Thomas Lammertz (RP)
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Der Krefelder DJ Markus Ehlers hat gegen 150 Konkurrenten ein Projekt mit dem Loveparade-Gründer Dr. Motto gewonnen.

Markus Ehlers sitzt gerade im Wohnzimmer auf seiner breiten und gemütlichen Couch, als der Anruf aus Berlin kommt. Zuerst denkt der 44-Jährige an einen in der Hauptstadt wohnenden Freund, auf den er in dem Moment keine Lust hat, und will gar nicht ans Telefon gehen. Zu seinem Glück tut er es doch – am anderen Ende der Leitung meldet sich das Management von Dr. Motte.

"Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet", freut sich Ehlers. Der unter seinem Künstlernamen "Spot Gräfenberg" auftretende Ehlers hatte zuvor an einem Wettbewerb teilgenommen, bei dem es den besten Remix für Dr. Mottes Track "Put the green hat on" zusammenzustellen galt. "Eigentlich mag ich den Song gar nicht, er ist mir zu monoton", räumt Ehlers ein. Große Chancen, als Sieger unter den 150 Teilnehmern hervorzugehen, hatte er sich deshalb nicht ausgerechnet. Umso erstaunter ist der Künstler, dass es dennoch klappte. Deshalb wird seine Version jetzt zusammen mit dem Original von Dr. Motte als Vinyl-Schalplatte verkauft und im Internet als Download bereitgestellt. Ein gemeinsamer Auftritt in Berlin ist geplant.

Während die Karriere des Berliner Star-DJs unter dem tragischen Ende der Love-Parade zwangsläufig gelitten hat, könnte die große Zeit von "Spot Gräfenberg" erst noch kommen. Vor etwa zwölf Jahren begann Ehlers damit, Platten aufzulegen und Songs anderer Künstler durch seine Interpretation aufzupeppen. "Erst einmal musste ich mir die Grundausstattung zusammensparen, die rund 2500 Euro kostet", erklärt er. Der gelernte Gärtner und Sozialarbeiter besuchte anderthalb Jahre lang eine Musikschule in Köln, um den richtigen Umgang mit dem Mischpult und verschiedenen Schnitt- und Mischprogrammen zu lernen. Er zieht nach und nach seine ersten Jobs ans Land, zunächst von Freunden, die ihn für ihre Privatparty buchten.

Der DJ achtet jedoch früh darauf, sein Profil zu schärfen und nicht bei jeder Gelegenheit aufzulegen: "Eine Hochzeit kann gut 500 Euro an einem Abend bringen. Aber das ist nicht meine Musik und wer einmal damit anfängt, solche Aufträge anzunehmen, hat seinen Ruf direkt weg." Das hätte seinen Marktwert für heutige Auftraggeber wie die Königsburg geschmälert.

Panorama_Platzhalter_Musik-Kritiken (image/jpeg) Der Krefelder DJ Markus Ehlers hat den besten Remix für Dr. Mottes Track "Put the green hat on" zusammengestellt: Seine Version wird jetzt zusammen mit dem Original von Dr. Motte als Vinyl-Schalplatte verkauft und im Internet als Download bereitgestellt. Ein gemeinsamer Auftritt in Berlin ist geplant.

Neben seinen Auftritten auf der Bühne beginnt er, für die Internetradioseite shouted.fm aufzulegen. Dort hört vor allem Housemusik-affines Publikum seine Stücke, was die Chance erhöht, in der Szene bekannter zu werden, die vor allem seine einfühlsamen und tief gehenden Bässe schätzt. "Präzises beschreiben kann ich meinen Stil nicht, die Leute müssen ihn einfach hören und den Beat spüren", sagt Ehlers. Sein Jetztzeitvorbild ist Fritz Kalkbrenner.

Wesentlich konkreter klingt es, wenn "Spot Gräfenberg" über seine weiteren Karriereschritte spricht. Er möchte sich stärker darauf konzentrieren, eigene Stücke zu produzieren und zu verkaufen. Dabei orientiert er sich an Sounds aus den 80ern, von Depeche Mode oder Kraftwerk. Ins Geschäft kommen vergleichsweise unbekannte Akteure wie er vor allem über Wettbewerbe wie dem von Dr. Motte. "Diese erste Veröffentlichung auf Vinyl-Schalplatte eröffnet mir die Chance, an weitere Aufträge, Budgets und Kontakte für Produktionen zu gelangen", glaubt Ehlers. Neben den eigenen Tracks würde er gerne jungen Discjockey-Schülern das Handwerk am Mischpult lehren und eine eigene Schule gründen. "Mich hat während meiner Lernphase gestört, für eine DJ-Schule extra bis nach Köln fahren zu müssen." Eine andere Ausbildungsstätte in der Nähe gebe es nicht.

Deshalb hält "Spot Gräfenberg" jetzt Ausschau nach einer geeigneten, bis zu 15 Quadratmeter kleinen Räumlichkeit, in der er mit den Musik-Aspiranten üben kann. Eine Schülerin habe er bereits ablehnen müssen, weil er bei auf der Suche nach dem geeigneten Proberaum noch nicht fündig geworden sei. "Natürlich kann es da auch schon einmal lauter werden, der Zahnarzt um die Ecke darf sich nicht beschweren", scherzt Ehlers. So lange, bis sich ein Vermieter meldet, wird er weiterhin seinem Basishandwerk nachgehen: Durch die Clubs ziehen, Platten produzieren und auf unerwartete Anrufe aus Berlin warten.

Quelle: RP