Stigma aus Hilden

Zurück in die Zukunft

Stigma aus Hilden: Zurück in die Zukunft Stigma aus Hilden: Zurück in die Zukunft Foto: Stigma
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Dem allgemeinen Bandsterben in der Region stellen sich Stigma vehement entgegen. Wie ein altes Ehepaar haben sie alle Krisen bewältigt, feiern nun stolz ihren zehnten Geburtstag und kündigen Großes für 2008 an.

Hilden Einen Bandgeburtstag in und um Düsseldorf feierten Musiker in den vergangenen Jahren meist wie eine Beerdigung. Das Trio Mined löste sich auf, die Jungs von Cho-Jin spielen nicht mehr zusammen, und auch Days In Grief gibt es am Jahresende nicht mehr. Folglich schwante den Fans Böses als nun der zehnte Geburtstag von Stigma aus Hilden nahte.

Doch zur Beruhigung von Region und Nation: Marcus Modwozinski, Gigi Mrdjanov, Tim Schulte und Sven Hansen haben für den 22. Dezember eine große Geburtstagsparty im Hildener JWD angekündigt, bei der sie auch zum ersten Mal Lieder aus ihrem nächsten Album präsentieren.

Gerettet hat die Band, was sie immer wieder in ein Loch stürzen ließ. „Nach jeder großen Sache standen wir plötzlich da und wussten nicht, wie wir das noch toppen sollen“, sagt Gitarrist Gigi Mrdjanov. Schon 2002 spielten Stigma auf der Hauptbühne des „Bizarre“-Festivals in Weeze, drei Jahre später bei „Rock am Ring“ in der Eifel. Anfang 2006 zelebrierten die vier Jungs dann eine sensationelle Unplugged-Session im ehemaligen Imax-Kino in Düsseldorf. In Österreich hatte sich derweil eine so große Fanschar gesammelt, dass ein Veranstalter extra ein Festival organisierte, um Stigma dort live zu erleben. Auch das Exit-Festival im serbischen Novi Sad hatte das Quartett aus Hilden schon fest gebucht.

Doch das wusste nicht, wie es weitermachen sollte. Gute vier Jahre ist ihr jüngstes Album (Unplugged nicht mitgerechnet) inzwischen alt, mit diesen Stücken allein wollen Stigma nicht mehr auf die Bühne. Also handelten sie wie lang verheiratete Eheleute. Sie diskutierten, sie stritten, vergaßen vieles aus der jüngeren Vergangenheit und konzentrierten sich voll auf die Gegenwart, um zurück in die Zukunft zu kommen.

Mittlerweile stehen die vier Endzwanziger wieder täglich im Proberaum und feilen an ihren neuen Stücken. Noch in diesem Jahr wollen sie ins Studio, damit im Frühjahr die neue Platte erscheinen kann.

Wer Stigma in diesen Tagen im Proberaum hört, der ahnt Großes und sieht alle Befürchtungen zerstreut. Stigma klingen dreckiger und direkter als früher, und zum Glück nicht so, als sei ihnen ihre Frisur wichtiger als die Musik. „Es gibt viele neue Trends, aber für uns gibt ergibt sich dann immer nur die Frage ’Will man da reinpassen?’ Und sich dann alle fünf Minuten die Haare sprayen?“, sagt Gigi Mrdjanov.

Stil statt Style ist für Stigma entscheidend, also gesunde Härte an allen Instrumente, darüber und darum die einmalige Stimme von Marcus Modwozinski, die Melodien formt, Wut schreit und kleine Seelentheater inszeniert.

Die Fans werden mit den neuen Liedern zuhause so abgehen können wie bei den Konzerten. Oder um es mit dem Stigma-Gitarrist zu sagen: „Wir sind heute weniger balladesk, dafür gibts mehr was aufs Maul.“

Quelle: rpo