Stücke-Raten: Was wird gespielt?

Herr Maiburg hört Musik

Stücke-Raten: Was wird gespielt?: Herr Maiburg hört Musik Stücke-Raten: Was wird gespielt?: Herr Maiburg hört Musik Foto: Schiko/Combination Records
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Wir trafen Philipp Maiburg, den Organisator des „Open Source“-Festivals, zum Musikhören. Nach den ersten Takten sollte er das Stück erraten und sagen, was er über die Musik denkt. Philipp Maiburg ist gerade vom „Melt“-Festival in Gräfenhainichen zurückgekehrt. Beim spannendsten deutschen Musik-Open-Air hat das Mitglied des Drum ’n’ Bass-Duos Phoneheads mit Leuten wie Goldie aufgelegt. Nun bereitet sich der 36-Jährige, der das Plattenlabel „Combination“ leitet, auf die dritte Ausgabe seines eigenen Festivals vor, das „Open Source“ im Freibad Lörick am 23. August. Wir trafen den Vater einer Tochter, der in Mönchengladbach geboren wurde und seit 1995 in Düsseldorf lebt, im Café Enuma in der Nähe des Hauptbahnhofes. Wir spielten ihm Musikstücke vor, die er erraten musste.

Kraftwerk: „Trans Europa Express“ (1977)

Philipp Maiburg Klar, Kraftwerk! Das ist schon so alt und immer noch aktuell. Unglaublich, dass eine Band über so lange Zeit derart zeitgenössisch klingt.

Hat Kraftwerk Einfluss auf Deine Musik?

Maiburg Ich höre Kraftwerk gern, lege sie auch auf, aber Einfluss auf mich hatten sie nicht. Dafür ist Drum ’n’ Bass zu englisch, zu wenig Düsseldorf.

Für viele Menschen ist Düsseldorf ausschließlich Kraftwerk...

Maiburg ...und das ist nicht gut. Kraftwerk ist eine Motivation für alle Musiker hier, weil sie beweisen, dass man mit spezieller Musik viel erreichen kann. Aber Kraftwerk ist auch eine Bürde. Antonelli: „The Name of this Track is Bobby Konders“ (2008)

Maiburg Ah, das ist Antonelli! Man hört den Kraftwerk-Einfluss.

Er heißt eigentlich Stefan Schwander.

Maiburg Für Stefan kommt Musik immer an erster Stelle. Er macht nicht viel Wind um neue Platten, er macht sie einfach. Das ist die Düsseldorfer Tradition auf hohem Niveau. (hört, wippt den Fuß) Toll! Er tritt auch beim Open Source auf.

Roni Size & Reprazent: „Brown Paper Bag“ (1997)

Maiburg Das ist Brown Paper Bag! Ein besonderes Stück für mich und ein Meilenstein in Sachen Drum ’n’ Bass. Von dem Album habe ich ein Exemplar, das eingeschweißt bleibt und eines zum Auflegen.

Was macht das Stück zum Klassiker?

Maiburg Es ist düster und doch Pop. Schwer zu sagen.

War es die Initialzündung für Dich, diese Musik auch zu machen?

Maiburg Nein. Als es erschien, habe ich schon mehrere Jahre Drum ’n’ Bass gemacht.

Produzieren die Phoneheads zurzeit?

Maiburg Nach den drei Live-Auftritten mit den Düsseldorfer Symphonikern ist erst einmal Ruhe. Aber im Herbst gehen wir wieder ins Studio.

Burial: „Distant Lights“ (2006)

Maiburg Burial! Der Hammer! Dubstep ist das Gegenteil zur Produktionsweise der 1990er Jahre: nicht so aufpoliert, nicht laut, dafür dumpf und tief. Ein unglaubliches Album.

Hercules & Love Affair: „Blind“ (2008)

Maiburg Sommerhit! Hercules & Love Affair wollte ich zum Open Source locken. Ich habe alles versucht. In der Region leben zehn Millionen Menschen, habe ich gesagt. Aber es klappte nicht.

Die Stimme ist toll, oder?

Maiburg Oh, ja. Ich mag diese neuen gefühlvollen Männerstimmen: Antony, Erlend Oye, die Junior Boys.

Junior Boys: „Like a Child“ (2007)

Maiburg Junior Boys. Aber das Stück? Like a Child? Der Headliner des Open Source in diesem Jahr. Ich bekam deren erstes Album geschenkt, da kannte die kaum jemand. Als dann der Nachfolger erschien, habe ich es jedem geschenkt, auf Vinyl, auch wenn er es gar nicht haben wollte.

Warum magst Du sie so?

Maiburg Weil sie die Fähigkeit haben, elektronische Songs zu schreiben, das ist eine sehr spezielle Disziplin. Songs zur Gitarre schreiben, können viele, elektronische Tracks produzieren auch. Aber elektronische Songs, die zudem in DJ-Sets auftauchen, das können nur wenige. Deshalb passen sie gut zum Open Source.

Quelle: rpo