Tour durch Deutschland

Warum Lady Gaga doch nur enttäuscht

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Der Verdacht war schon länger da, aber nun, nach diesem bestürzend faden Konzert im Kölner Palladium, ist es Sicherheit: Man versucht uns etwas einzureden, in ganz großem Stil. Man will durch intellektuelle Irritation die Urteilskraft des Herzens, die im Pop doch die einzige Autorität sein sollte, untergraben, sie in Frage stellen. Das sei eine geheimnisvolle Frau, heißt es ja immer, wenn es um das Phänomen mit dem Namen Lady Gaga geht: eine Künstlerin in einem umfassenden Sinn, ein bisschen wie Andy Warhol, eine Revolutionärin der populären Kultur, der erste Weltstar nach Ende der Postmoderne. Bloß nicht ausschließlich die Songs in die Bewertung dieser 23-Jährigen mit dem bürgerlichen Namen Stefani Germanotta einbeziehen, raunen sie, es gehe um mehr. Also hört man genau hin, viele hören genau hin, wollen verstehen, was da los ist, anders ist der gigantische Erfolg nicht zu erklären.

Eine Erscheinung wie sie hat es lange nicht gegeben, Platz eins in England, Amerika und Deutschland, und zwar nicht nur einmal: 16 Millionen kauften Songs wie "Just Dance" und "Paparazzi". Blitzgescheit sei das Mädchen aus millionenschwerem New Yorker Elternhaus, liest man, in Interviews zitiert sie Rilke. Auf einer teuren katholischen Privatschule wurde sie ausgebildet, und dass die Einrichtung auch von den Schwestern Paris und Nicki Hilton besucht wurde, gilt als Referenz, nicht als Warnsignal.

Ihr Hit "Pokerface" funktioniert irgendwie, das stimmt, der beißt sich fest im Hirn, so sehr, dass man wünscht, das Lied schön laut im offenen 3er BMW auf der Ehrenstraße in Köln zu hören. Immerhin. Der Rest: bei Aguilera, Madonna, Minogue abgeguckt und neu arrangiert. Aber niemand traut sich zu sagen, dass das okay und erheiternd, aber doch nicht neu ist und eigentlich ziemlich belanglos, und so nennen es die meisten: gut gemacht.

Der Moment der Wahrheit ist also das Konzert, und dort versucht sie mit brutalen Beats und "Scream!"-Befehlen das Publikum zu betäuben, abzulenken von der spannungslosen Show mit viermaligem Wechsel erotisch gemeinter Kostüme. Dazu ein Video-Clip, in dem sie sich "Candy Warhol" nennt – vielleicht will sie, dass man sagt, sie zitiere klug die Ahnen. Sie tanzt mit Lustknaben im Nebel, emotionslos und ohne Effekt, das wäre Madonna selbst vor 20 Jahren zu doof gewesen. Sie bringt "Willkommen" aus "Cabaret" – vielleicht will sie, dass man sagt, sie könne singen. Befreien wir uns also von den Einflüsterern: Zitieren kann sie, singen sicher auch. Mitreißen und ans Herz fassen aber nicht.

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Quelle: rpo