Trennung vor 40 Jahren

Das Ende der Beatles

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Vor 40 Jahren verkündete Paul McCartney die Trennung der größten Popband aller Zeiten. Vorausgegangen waren krisenreiche Jahre. Im Studio gab es Streit. Und alle Versuche, die alte Spielfreude wiederherzustellen, scheiterten. Ein Wunder, dass dennoch Meisterwerke entstanden.

Am 10. April 1970 gab Paul McCartney seinen Ausstieg bei den Beatles und damit das Ende der Band bekannt. George Harrison, zu jener Zeit großer Fan östlicher Weisheit, dürfte beim Chai-Tee davon erfahren haben, nachdem er sein morgendliches Mantra gesprochen hatte. Ringo Starr war womöglich bei Dreharbeiten irgendwo auf dem Land, denn er sah sich am Beginn einer Schauspieler-Karriere im komödiantischen Fach. John Lennon hielt sich in New York auf, dort lebte er inzwischen. Er feilte mit Yoko Ono an einer Philosophie der "Erhöhten Aufmerksamkeit", darin spielte Heroin eine Rolle. Es könnte gut sein, dass bei der Nachricht aus London alle zunächst einmal aufatmeten. Der kräftezehrende Todeskampf der Gruppe war nun vorbei, die Fab Four konnten sich frei fühlen.

In den vorangegangenen zwei Jahren gab es zumeist Streit, wenn sie im Studio rumprobierten. Die vier Männer, die ja erst Ende 20 waren, wirkten müde, und es verblüfft, dass den Musikern dennoch großartige Kompositionen wie "Come Together" und "Revolution" gelangen. Streitereien, künstlerische Differenzen, Yoko Ono: Bereits während der Aufnahmen zum "White Album" 1968 wurde es sogar dem Gutmütigsten unter ihnen zu viel. Ringo Starr setzte sich nach Sardinien ab, konnte nur mit der telefonischen Beschwörung, er sei der beste Schlagzeuger der Welt, wieder einbestellt werden. Wahrscheinlich kreuzten die anderen dabei die Finger. Aber es half nichts. Vor allem zwischen George und John blitzte der Hass. Man buchte mehrere Studios, damit die Beatles ihre Parts jeweils alleine einspielen konnten. Das derart eingesammelte und auf vier LP-Seiten dargereichte Stückwerk gehört zu den großen Ereignissen der Rock-Historie.

Im Januar des Jahres 1969 bereitete jeder Beatle die eigene Solo-Karriere vor. Einzig McCartney schien noch an die Band zu glauben. Er wollte sie retten, indem er die Jugendfreunde, die im August 1966 das letzte öffentliche Konzert gegeben hatten, zurückführte zu den Wurzeln: Rock 'n'Roll, Live-Spiel, einfache Arrangements. Die von ihm organisierten so genannten "Get Back"-Sessions in Twickenham im Westen Londons förderten zwar 52 neue Songs aus den teils arg benebelten Köpfen der Beatles zutage. Aber es kam doch auch zur vorübergehenden Trennung von George Harrison. Er verließ nach einem im übelsten Gossen-Rotwelsch geführten Streit mit John die Studios, worauf Lennon gesagt haben soll: "Wenn er nicht wiederkommt, nehmen wir Clapton oder Hendrix als Ersatz."

Harrison kehrte nach einer Woche zurück, unter der Bedingung, die von einem Filmteam begleiteten "Get Back"-Sessions zu beenden. Alle willigten ein, man hatte ohnehin genug Material, Produzent Glyn Johns sollte das Beste herausfiltern und auf Vinyl bringen. Das Cover sollte ein Foto schmücken, das im selben Treppenhaus wie das von LP Nummer eins, "Please Please Me", gemacht wurde – sechs ereignisreiche Jahre später. Die Idee wurde verworfen, heute sieht man die Bilder auf den Hüllen zum roten und blauen Best-of-Album.

Es gehört zu den Rätseln der Musikgeschichte, wie es die Band schaffte, sich im Sommer 1969 noch einmal zusammenzuraufen. Als hätten sie gewusst, dass dies die letzte Platte der Beatles sein würde, stellte jeder seine Kraft in den Dienst der Gruppe, und es entstand "Abbey Road", das Meisterwerk. McCartney wurde oft unterstellt, er sei schon damals eine Art Besitzstandsverwalter gewesen. In Wirklichkeit war er die treibende Kraft. Ihm lag daran, dass die Beatles Konzeptalben machten, Lieder ineinander übergehen ließen, die LPs als Gesamtkunstwerke anlegten. Kurz vor der Veröffentlichung von "Abbey Road" im September '69 verkündete Lennon seinen Austritt aus der Band. Er willigte ein, die Entscheidung nicht öffentlich zu machen, um den Erfolg der Platte nicht zu gefährden.

Der Grund für den Abschied war Lennons Zerwürfnis mit McCartney. Gegen den Willen des ehemaligen Freundes hatte er Allen Klein als neuen Manager der Beatles durchgesetzt. Und über McCartney hinweg hatte er den Produzenten Phil Spector beauftragt, Hand an die "Get Back"-Session zu legen. Spector streute Zimt und Zucker auf die Stücke, mischte einen Chor in die McCartney-Komposition "The Long And Winding Road", flocht Harfenklänge ein. "Er hat aus Schrott verkaufbares Material gemacht", urteilte Lennon über die so entstandene Platte "Let It Be", die nach "Abbey Road" im Mai 1970 erschien. Noch heute glauben viele, dieses schwache Album sei das letzte der Beatles und Zeugnis der schwindenden Kreativität. McCartney reagierte mit Entsetzen, als er die überarbeiteten Songs hörte. Sein Einfluss auf die Veröffentlichung war gleich null.

Man kann es als Akt der Rache werten, dass McCartney dem früher ausgestiegenen Lennon mit der Verkündung des Beatles-Endes zuvorkam. Eine Woche später brachte er seine erste Solo-LP "McCartney" auf den Markt, und Lennon unterstellte, das sei alles nur eine Marketing-Aktion gewesen. Erst zwei Jahre später trafen sie sich zur Versöhnung bei Lennon in New York.

Ihre besten Produktionen lieferten die ehemaligen Beatles-Mitglieder direkt im Anschluss an die gemeinsame Zeit ab. Harrison legte 1970 die Dreier-LP "All Things Must Pass" vor. Lennon brachte 1971 "Imagine" heraus. Und McCartney spielte 1973 "Band On The Run" ein. Anfang der 80er Jahre flaute die Popularität der Beatles ab, Harrison musste gar um die Veröffentlichung seiner LP "Somewhere in England" kämpfen. Erst als junge Gitarrenbands sich Ende der 80er auf die Beatles beriefen, begann die Renaissance. Der Höhepunkt war die Neuedition ihrer Alben 2009.

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Quelle: rpo