"Urban Dub"

Pole - knisternde Techno-Klassiker

"Urban Dub": Pole - knisternde Techno-Klassiker "Urban Dub": Pole - knisternde Techno-Klassiker Foto: Kai von Rabenau
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Stefan Betke ist ein Pionier, das spürt man beim Wiederhören seiner alten Platten noch viel deutlicher als damals. Der Düsseldorfer Musiker, der sich Pole nennt, benutzte bei der Produktion seiner karg, aber doch sehr treffend „1“, „2“, und „3“ betitelten Alben Synthesizer aus den 1970er und 80er Jahren und einen defekten Waldorf-Filter. Das Gerät war Betke runtergefallen, nun führte es ein Eigenleben, machte, was es wollte, knisterte und rauschte auf die elektronischen Klangflächen, störte die leicht modulierenden Sounds.

Aber was dabei herauskam, war kein Klangmüll, sondern ähnlich umwerfend wie der rasiermesserscharfe Gitarren-Irrsinn, den die Kinks in den frühen 60ern für den Song „You really got me“ mit einem Verstärker erzeugten, den sie mit einer Stricknadel durchbohrt hatten.

Betke, der Musik mit Hauptfach Klavier studiert hat, erfand den „Urban Dub“, so wird diese Spielart des Techno mit spärlichen Melodien und weiten Hallräumen genannt, die was von Reggae hat, aber vollsynthetisch ist und viel reduzierter, minimalistisch. Die Album-Trilogie aus den 90er Jahren wurde stilprägend, wie sehr, das hört man heute auf Platten des jungen Genres Dubstep. Pole, meint man, hat für die Szene eine Vordenker-Rolle übernommen - obwohl er seine Musik weniger für die Tanzfläche, weniger für den Körper und mehr für den Kopf komponiert hat und von rein „zufälliger Nähe“ spricht.

Wegen dieses Bezugs zur Gegenwart und weil „1“ nun zehn Jahre alt wird, gibt es eine Neuausgabe der Trilogie im Klappcover. Historisch klingen die Klassiker dabei nicht, sondern frisch. Man hört noch immer, wie radikal sie sind, wie befremdlich sie beim ersten Hören geklungen haben mögen. So ist das bei wichtiger Musik.

Pole arbeitet derzeit an neuem Material, für eine Maxi-Single, vielleicht sogar ein Album; es soll clubbiger sein, schneller und „stärker in Richtung Techno gehen“. Ebenfalls in der Mache sind Remixes für den Techno-Produzenten Anders Trentemoller und die US-Metal-Band Candera.

Info: Das Box-Set „1,2,3“ von Pole ist bei Scape Records erschienen. Drei CDs mit Bonustracks und Linernotes von Rob Young kosten um 20 Euro.

Quelle: rpo