Von Duran Duran bis Wham

Schräg, schräger, 80er-Jahre-Star

Von |

Musik: A-ha & Co.: Die größten Stars der 80er Musik: A-ha & Co.: Die größten Stars der 80er Musik: A-ha & Co.: Die größten Stars der 80er Musik A-ha & Co.: Die größten Stars der 80er 24 Fotos In den 80er Jahren befreite sich die Popmusik von der Herrschaft der Gitarre. Es war das letzte Jahrzehnt, in dem der musikalische Mainstream für jeden etwas zu bieten hatte. Und: Musik wurde ohne Optik und Pose undenkbar. Eine Zeit ist deine Zeit, wenn du sie im Alter von 13 und 15 und 17 Jahren erlebt hast, wenn alle deine Sinne geöffnet waren für das Neue, das Populäre, wenn dich alles interessiert hat, ausnahmslos, und du erstmal nichts ablehntest und dich geborgen fühltest in der Gegenwart.

Die 80er Jahre waren eine gute Zeit für Adoleszenz, weil sie das letzte Jahrzehnt waren, in dem man sich aufgehoben fühlen konnte in Jugendbewegungen, die damals ihren Bedeutungshöhepunkt erlebten, kurz vor dem Niedergang. Der Zugang zu diesen geistigen Gemeinschaften war einfach, er gelang über die Musik.

Choreografien und das visuelle Moment

So gesehen begannen die 80er Jahre 1977, als Punk in England zu Grabe getragen wurde. Malcolm McLaren, der Erfinder der Sex Pistols, machte aus einer radikalen Musik ein Business. Er gab den zusammengesuchten Musikern ein Erscheinungsbild, das ursprünglich nichts mit dieser Art von Musik zu tun hatte.

Die roten Haare, die karierten Hosen und Sicherheitsnadeln wurden zu Chiffren des Punk, und fortan war es bei keiner neuen Band mehr egal, was sie trug oder wie sie aussah. Das ist das Paradox des Punk: Er machte tabula rasa und befreite die Musik vom Bombast à la Pink Floyd. Aber zugleich brachte er die Pose in den Pop. Es ging um Choreografien und das visuelle Moment, nicht mehr zwingend um Inhalte und Werte.

Also entstand eine Musik, die reine Unterhaltung war. Ihre Schöpfer wollten Erfolg, möglichst großen. „Die Musik der 80er Jahre war entworfen für Leute, die Karriere machen wollten“, sagte Malcolm McLaren. Bands wie Heaven 17 sangen über Geschäftsleute, die Video-Clips von Duran Duran entwarfen tief ausgeschnittene Urlaubsszenarien von Menschen, die es geschafft hatten. Dass beide Gruppen dabei durchaus kritisch gewesen sein wollen, wie sie heute in Interviews beteuern, merkte man bei Erscheinen ihrer Platten nicht. Zu berauscht wirkten ihre Multimedia-Produkte von den Insignien des ökonomischen Aufschwungs.

Ungeheuer wirksame Musik

Das, was man heute mit der Musik der 80er Jahre verbindet, war ihr Effekt. Es ist ungeheuer wirksame Musik, und auch Menschen, die in den 60er und 70er Jahren sozialisiert wurden und sich vor Plattenhüllen von Wham! und Spandau Ballet ekeln, werden nicht bestreiten, dass Songs wie „Freedom“, „Gold“ und „Enola Gay“ eine unwiderstehliche Anziehungskraft haben. Nicht umsonst gibt es in jeder größeren Stadt 80er-Parties, die bestens besucht werden. Und zwar nicht ausschließlich von Mittdreißigern.

Der Mainstream war in jener Zeit so breit, dass er jedem ein Heim bieten konnte. Er schluckte einfach alles, in einem Synthie-Stück konnte eine Gitarre sägen, in einer Ballade durfte gerappt werden. Wer Depeche Mode mochte, akzeptierte dennoch, dass „One Love to Give“ von Stephanie von Monaco auf seiner Party gespielt wurde, weil beide Musiken zwar unterschiedliche Hintergründe hatten, sich im entscheidenden Punkt aber ähnelten: Sie konnten, die richtige Grundstimmung vorausgesetzt, mitreißen.

Musik wurde sinnlich gedoppelt

Und darum ging es. Die 80er Jahre waren eine einzige Feier des Moments. Vor allem die Erfindung des Musik-Fernsehens und die Versorgung mit Kabelanschlüssen führte dazu, dass die Lieder der Zeit für alle zugänglich waren. Musik wurde nicht mehr nur gehört, sondern sinnlich gedoppelt. Das erhöhte die Wirksamkeit, gerade bei Heranwachsenden, auf die visuelle Reize stärker wirken als akustische. Wer also in den 80ern aufgewachsen ist, wurde mit der doppelten Dosis Popkultur infiziert.

Man träumte zwar von den Metropolen, man musste dort ja auch ab und an hin, weil es nur in der großen Stadt die Bennetton-Filiale gab und das Schuhhaus mit exakt den Budapestern aus dem Level-42-Video. Popkultur war in der Provinz trotzdem ebenso verbreitet wie in Hamburg und München, ohne große zeitliche Verzögerung. Während heute eigentlich nur noch Berlin zählt, war man damals auf dem Land unabhängiger und kreativer. Erinnerungsbücher wie „Dorfpunks“ beweisen das.

Unverwüstlichkeit des Elektrosounds

Dass ausgerechnet heute die Musik der 80er Jahre eine Renaissance feiert, hat neben der Unverwüstlichkeit des Elektrosounds mit den ähnlichen Produktionsbedingungen von Musik zu tun. Beendete damals der Synthesizer die Abhängigkeit von der Gitarre, beschert heute der Laptop Musikern größere Autonomie. Und Plattenläden wie Rough Trade in London, bei denen Bands ihre selbst produzierten Singles in Kommission gaben, funktionierten im Prinzip wie Myspace.

Der entscheidende Punkt aber ist, dass seither nie mehr mit vergleichbarer Breitenwirkung musikalisch experimentiert wurde. Der Sound von OMD etwa entstand auf einem 100 Pfund teuren Synthesizer, den die Band bei einem Versandhaus geordert hatte. Die Platten wurden Millionenerfolge.

Ende der 80er zerfaserte der Mainstream, Genres wie Techno bildeten sich heraus, Gitarrenpop und so weiter. So schön wie damals wurde es nie wieder.

Quelle: rpo