Zweites Unplugged-Album der Stuttgarter Band

Die Fantastischen Vier zurück in der Höhle

Zweites Unplugged-Album der Stuttgarter Band: Die Fantastischen Vier zurück in der Höhle Zweites Unplugged-Album der Stuttgarter Band: Die Fantastischen Vier zurück in der Höhle Foto: MTV
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Genau 12 Jahre nach ihrem ersten Unplugged-Konzert in der Balver Höhle im Sauerland haben die Fantastischen Vier ebendort ihr zweites Akkustik-Projekt vorgestellt. Auf der Platte zum Konzert finden sich überarbeitete Produktionen, die die bekannten Stücke überraschend neu aber nicht ungewohnt erscheinen lassen. Den Autoren verwirrt das Album dennoch ein wenig.

Diesen Freitag: Was geht, was geht? Smudo legt im attic auf! Diesen Freitag Was geht, was geht? Smudo legt im attic auf! Zum Artikel » Im Normalfall meinen es die Künstler gut mit dem Hörer und haben mit der Auswahl der Lieder eine Dramaturgie geschaffen, die die Reihenfolge der Platten bei einem Doppelalbum sinnvoll erscheinen lässt. Doch bei “Unplugged II” der Fantastischen Vier ist das anders.

Ich lege CD 1 ein, höre eine Menschenmenge “Zugabe, Zugabe!” rufen und nehme die CD wieder aus der Anlage. “Zugabe”-Rufe heißen für mich: da ist das Konzert wohl zuende. Also lege ich die andere CD ein und nehme an, dass sie beim Verpacken falsch sortiert wurden.

Jetzt passt aber auf einmal das Gehörte nicht zu den Titeln auf der Hülle. Ich lege verwirrt wieder Nummer eins ein und begreife, dass das neue Akkustik-Konzert als Zugabe zum ersten Projekt zu verstehen ist. Das aufmerksame Hören kann dann verspätet beginnen.

Die erste Gruppe mit dem zweiten "Unplugged"

Ein Muss für Fans: Die Fantastischen Vier: MTV Unplugged II Ein Muss für Fans Die Fantastischen Vier: MTV Unplugged II Zum Artikel » Die Lieder für das jetzige Unplugged-Konzert haben die vier Künstler hauptsächlich aus ihren Alben “Viel”, “Fornika” und “Für Dich immer noch Fanta Sie” ausgewählt. Das liegt auch daran, dass schon beim ersten Mal die meisten Klassiker und ältere Songs wie “Sie ist Weg” oder “Der Picknicker” abgearbeitet wurden. Mit dem ersten Unplugged-Album haben sie nach Herbert Grönemeyer den zweiten deutschen Beitrag zu dieser Marke geliefert. Zwei Akkustik-Alben hat für den Musiksender MTV noch keine Gruppe aufgenommen.

Das Album bietet über weite Strecken das, was man von einem Unplugged-Album erwarten kann, auch wenn die Marke “Unplugged” wie auch ihr Erfinder MTV deutlich an Anziehungskraft verloren hat. So gibt es ein großes Orchester, eine interessante Akkustik - dank der Höhle im Sauerland - und Reaktionen des Publikums, die eine gute Stimmung vermitteln.

Indisches Flair und kubanischer Rhythmus

Dennoch ragen einige Lieder - im positiven wie im negativen Sinne - aus der sonst grundsoliden Masse heraus. Bei der neuen Version von “Troy” gibt es noch mehr indischen Flair als bei der Studioversion, was den Charakter des Liedes stärker herausarbeitet. Auf “Was wollen wir noch mehr” spielen sich die Fantas zu großen Wortakrobaten auf, die nur von minimalistischem Gitarrenspiel und einer Querflöte begleitet werden.

“Bring it back” vom Album “Viel” wirkt wie eine Mischung aus Public Enemy und dem swingenden “Killesberg Baby” von Thomas Ds Album “Solo”. Die ungewöhnlichste Version der alten Lieder stellt “Populär” dar. Es ist der letzte Klassiker, den die Gruppe noch nicht ohne Strom eingespielt hatte. Aus dem sonst so Bass geprägten Rapsong wird ein kubanisches Bigband-Erlebnis mit Bläsern, Percussions und einem Frauenchor.

Leider gibt es auf "Unplugged II" auch einige schwächere Lieder. Dazu zählt “Smudo in Zukunft”, das einen langatmigen Vorspann hat und dann zu einer sehr simpel gestrickten Gospelnummer wird. In den Dialogen mit dem Publikum machen And.Ypsilon, Thomas D, Michi Beck und Smudo aber auch deutlich, dass sie keinen Anspruch auf große Ernsthaftigkeit erheben. So lassen sich die eher schwachen Lieder als gut gemeinte Versuche sehen.

An machen Stellen wirken die arhythmischen Klatschversuche des Publikums etwas verstörend, aber das lässt sich auf einem Live-Album nun mal nicht vermeiden. Am Ende bleibt ein gutes Album mit vielen bekannten Liedern der Band, wobei die Platte nicht die Frische und die Neuartigkeit bieten kann, die die erste Version ihres Akkustik-Projekts ausmachte.

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